Die dritte Fortbildung der Fortbildungsreihe zum Praxisbuch Web 2.0 am 8. November 2012 wurde von Christophe Jaeglin aus Frankreich zum Thema Faire vivre l’échange franco-allemand à l’ère du Web 2.0 angeboten. Es ging dabei um eine Methode, wie man einen Schüleraustausch mit Hilfe von Web 2.0 – Tools und Moodle dynamischer gestalten kann. Die Anwendung der interaktiven Werkzeuge erfolgt im Rahmen von vier klar konzipierten pädagogischen Projekten. Ihr Ziel ist es, die binationale Zusammenarbeit in einem geschützten Online-Workspace zu fördern, um so ein konkretes Endprodukt bzw. konkrete Endprodukte herzustellen, an denen man nicht zuletzt den Erfolg des Austauschs ablesen kann. Die Moodle-Plattform kann hierbei neben den SchülerInnen und beteiligten LehrerInnen auch z.B. Eltern zugänglich gemacht werden. Außerdem bietet sie die Möglichkeit, die Früchte der Arbeit mit verschiedenen Webdiensten (z.B. Quizlet, Fotos, Glogster, Voki, Youtube, Learning Apps, Wallwisher etc.) per HTML-Code einzubinden.

Die Grundidee ist es, dass die deutschen SchülerInnen für ihre französischen Partner Arbeitsmaterialien erstellen und umgekehrt. Dabei soll zum einen kollaboratives Schreiben zum Einsatz kommen, jedoch auch die Medienkompetenz in all ihren Facetten verbessert werden.

Chris Jaeglin nutzte ein bereits von ihm und seinen SchülerInnen mit ihren deutschen Partnern aus Gutach durchgeführtes Projekt, um zu veranschaulichen, wie man sich einen solchen modernen Austausch vorstellen kann und wie die einzelnen Aufgaben aussehen könnten.

Der erste Schritt bestand darin, sich per Videobotschaft den künftigen AustauschpartnerInnen vorzustellen. Nach Fertigstellung der Videos wurden diese über Moodle den PartnerInnen zugänglich gemacht und jeder Schüler wählte zwei bis drei Schüler aus, die er näher kennenlernen und denen er auf die Videobotschaft antworten wollte. So wurde die Bildung der Austauschpaare von den SchülerInnen selbst in die Wege geleitet. Da einige der Aufgaben sowieso in Gruppenarbeit erledigt werden sollten, war auch die Gruppenbildung ohne Weiteres möglich.

Die Videobotschaften wurden in drei Schritten vorbereitet: Zuerst wurde wiederholt, wie man sich vorstellt, d.h. Redemittel gesammelt und die Aussprache geübt. Im Anschluss daran wurden einige Beispielvideos angeschaut, um dann in einem dritten Schritt selbst Videos zu erstellen.

Das zweite Teilprojekt sah vor, dass die SchülerInnen für ihre PartnerInnen in Gruppen eine virtuelle Stadtrallye (inkl. Vorstellung der Schule) erarbeiteten. Dazu gehörten Fotos, ein Quiz und auch sprachliche Elemente, wie Fragen, was man in einer bestimmten Situation (z.B. beim Dorfbäcker) sagen würde. Hier konnten auch die Eltern und Geschwister mit eingebunden werden, was natürlich eine schöne Vorbereitung auf den nachfolgenden Besuch des Gastschülers war.

Nachdem man nun sich und die Heimat des Anderen kennengelernt hatte, wurde begonnen, gemeinsam per Email Geschichten zu schreiben, die schließlich illustriert und mit Ton versehen mit Hilfe von Didapages als interaktives Buch veröffentlicht wurden. Dieses Werk wurde dann während einer der Mobilitätsphasen gemeinsam gelesen.

Hierzu wurde angemerkt, dass das Internet heutzutage natürlich neben Email inzwischen viele weitere Möglichkeiten bietet, um gemeinsam Geschichten zu schreiben, sei es nun per TitanPad oder dergleichen, per Twitter oder mittels eines anderen kollaborativen Tools wie Todaysmeet.

Auch für die Vertonung gibt es im Netz viele einfache Möglichkeiten, die man kostenlos nutzen kann. Dazu gehören AudioDropbox, Voxopop, Vocaroo und Voicethread. Allerdings kann man statt dem Computer natürlich auch Handyapps wie die von Audioboo oder iPadio einsetzen (s.a. z.B. Fortbildung mit Simon Ensor zum Podcasting) Welche Methode man letztendlich wählt hängt prinzipiell nur davon ab, welche Geräte zur Verfügung stehen und welches der Werkzeuge genau die Eigenschaften bietet, die man benötigt (z.B. kann man bei Audioboo kostenlos per Computer 3 Minuten, per Handy 5 Minuten aufzeichnen, während iPadio Aufnahmen bis zu 60 Minuten zulässt).

Das letzte der vier Projekte bestand daraus, interaktive Hör- und Sprechübungen in der Muttersprache für die Partner zu erstellen, die dann ebenfalls per HTML-Code in Moodle integriert wurden. So wurde ein Dialog aufgenommen, der zuerst nur angehört werden, dann nachgestellt (wozu längere Pausen zwischen die einzelnen Dialogelemente eingebaut wurden) und schließlich von SchülerInnen aus dem anderen Land sowohl in der Fremdsprache als auch in der Muttersprache selbst aufgezeichnet werden sollten.

Der Nutzen dieses vierten Projekts liegt vor allem darin, dass die mündliche Ausdrucksfähigkeit bei einem regulären Austausch, der ca. zwei Wochen gemeinsam verbrachte Zeit umfasst, nicht selten zu kurz kommt, da man vor, zwischen und nach den Begegnungen vor allem schriftlich korrespondiert. Da jedoch in den heutigen Lehrplänen die Kommunikation im Vordergrund steht, bietet der Einsatz der neuen Medien hier einen eindeutigen Mehrwert. Zumal die SchülerInnen erste Entwürfe in der Fremdsprache ihren PartnerInnen im anderen Land zukommen lassen und sich so gegenseitig korrigieren können (z.B. in Ausdruck und Aussprache), anstatt den Lehrer darum zu bitten.

Alles in Allem ging aus Chris Jaeglins kompetentem und sehr klar strukturiertem Vortrag eindeutig hervor, dass diese kontinuierliche Zusammenarbeit die Bindung zwischen den AustauschpartnerInnen und –gruppen gestärkt und so die Kommunikation zwischen den SchülerInnen gefördert hat. Ob man nun mit Moodle arbeitet oder andere Möglichkeiten des Internets nutzt (z.B. ein Blog oder Edmodo), ist letztendlich zweitrangig, sofern man es schafft, die SchülerInnen dazu zu animieren mit Begeisterung mit- und füreinander ganz im Sinne des kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichts zu arbeiten

Natürlich kommt es immer einmal vor, dass Probleme auftauchen, weil SchülerInnen und/oder LehrerInnen noch ungeübt im Umgang mit den neuen Medien sind oder die PartnerInnen eventuell nicht so schnell antworten können, wie man dies erhofft (u.a. auch wegen der unterschiedlichen Ferienzeiten). Dabei handelt es sich jedoch um kleine Probleme, die man mit etwas organisatorischem Geschick in den Griff bekommt bzw. die das Gesamtkonzept nicht gefährden.

Weitere Projektideen finden Sie auf Chris Jaeglins Blog Magic@allemand. Die Aufzeichnung der Fortbildung finden Sie hier.