Wie Ende Mai berichtet, habe ich seit Mitte des Jahres zwei Patenkinder in Ecuador. Über meine Verbindung zum Verein Andenkinder / Niños de los Andes e.V. bekam ich vor Kurzem eine Freundschaftsanfrage auf Facebook, die – wie sich nach kurzer Zeit herausstellte – von einem Lehrer aus Ecuador stammte. Er unterrichtet am Colegio Técnico Agropecuario Salinas Kinder von 11-18 Jahren in Informatik. Es dauerte nicht lange, bis ich anfragte, ob er sich vorstellen könnte, gemeinsam ein kleines Projekt auf die Beine zu stellen, bei dem die neuen Medien zum Einsatz kämen. So würden die Kinder aus Ecuador und aus Deutschland Einblick in das Leben der jeweils Anderen erlangen und die neuen Medien einsetzen, um den Kontakt zu halten und ihren Partnern bestimmte Themen zu präsentieren.

Da es hier auch darum geht, sich persönlich kennen zu lernen, war es unvorstellbar, gemeinsam einen öffentlichen Blog zu verwenden. Auch hat der Kollege aus Ecuador noch nicht besonders viel Erfahrung mit dem Einsatz der neuen Medien in der Schule, ganz zu schweigen davon, dass der Alltag einer ecuadorianischen Schule vermutlich nicht mit dem Unseren vergleichbar ist.

Aus diesem Grunde schlug ich vor, Edmodo als Kommunikationsplattform zu verwenden.  Hier ist nicht zwingend nötig, dass sich die SchülerInnen mit einer Emailadresse registrieren, die beteiligten LehrerInnen haben die volle Kontrolle über den Webspace und die Privatsphäre ist für jeden Artikel beliebig auf öffentlich oder privat einstellbar. Außerdem habe ich so die Möglichkeit, Edmodo einmal auszutesten, was schon längst überfällig war.

Nachdem die Gruppe „Salinas – Sulz“ gegründet worden ist, geht es in einem ersten Schritt darum, dass die SchülerInnen sich einander vorstellen. In Salinas sind momentan nur wenige SchülerInnen am Projekt beteiligt (ich hoffe, dass es noch mehr werden), ich hingegen werde mit einer gesamten Klasse arbeiten. Da die SchülerInnen aus Salinas zwischen 14 und 16 Jahre alt sind, habe ich meine 10. Klasse Englisch (16 SchülerInnen)  auserkoren, am Projekt teilzunehmen. Des Weiteren habe ich einem meiner Achtklässler, dessen zweite Muttersprache Spanisch ist, vorgeschlagen, mit seiner Schwester ebenfalls am Projekt freiwillig teilzunehmen. Dies soll für ihn eine willkommene Abwechslung vom Spanisch-Anfängerunterricht sein, in dem er momentan vermutlich stark unterfordert ist.

Die erste Aufgabe, die meine SchülerInnen über Weihnachten zu erledigen haben, ist die Erstellung eines kurzen Vorstellungsvideos auf Englisch. Sie sollen kurz etwas über sich selbst erzählen und im Anschluss daran drei Objekte zeigen, die ihnen wichtig sind und deren Bedeutung erklären. Dies dürfte weitaus anschaulicher sein, als wenn sie lediglich von ihren Hobbies berichten. Diese Videos werde ich dann auf „SchoolTube“ hochladen  und anschließend auf der Pinnwand unserer Gruppe in Edmodo teilen. So können sich die ecuadorianischen SchülerInnen die Videos zuerst anschauen, bevor sie selbst ähnliche Videos drehen.

Mein Kollege in Ecuador und ich haben uns darauf geeignigt, dass die ecuadorianischen SchülerInnen ihre Videos in ihrer Muttersprache drehen und sie lediglich auf Englisch untertiteln, weil sie offenbar nur sehr schlecht Englisch sprechen können. Dies hat jedoch für meine SchülerInnen den Vorteil, dass diejenigen, die Spanisch als dritte Fremdsprache lernen, auch ihre Spanischkenntnisse anwenden und eventuell ihren nicht Spanisch sprechenden MitschülerInnen helfen können.

Im Anschluss an diese Vorstellungsrunde werden wir versuchen, ca. eine Aufgabe pro Monat anzubieten. Für den Februar werde ich vorschlagen, dass aus aktuellem Anlass das Thema „Karneval“ vorgestellt wird (ebenfalls mit kurzen Videos), später werden dann Themen wie Bräuche, Kulinarisches, Musik, etc. aus beiden Ländern in Angriff genommen werden.

Da es sich um ein recht spontan organisiertes Projekt handelt, habe ich noch keine wirkliche Vorstellung davon, wie es ablaufen, ob alles reibungslos klappen und ob das Projekt Bestand haben wird. Ebenso fehlt ein langfristiger Projektplan, was jedoch nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, da ich festgestellt habe, dass improvisierte Projekte durch ihre Flexibilität meist mehr Früchte tragen als Projekte, bei denen bereits im Vorfeld jeder Schritt bis ins Kleinste festgelegt ist. Außerdem hoffe ich, dass so einige der Schüler vielleicht Lust bekommen, mehr über ihre PartnerInnen zu erfahren und so vielleicht engere Kontakte geknüpft werden.

Ich bin gespannt, wie die ersten Aufgaben erfüllt werden und werde weiter berichten …