Am 6. September 2012 moderierte Jürgen Wagner vom LPM in Saarbrücken erneut eine hervorragende Fortbildung für LehrerInnen in englischer Sprache. Nach Patricia Donaghy aus Irland war diesmal Nik Peachey aus Großbritannien, u.a. Autor des kostenlosen eBooks „Web 2.0 Tools for Teachers„, zu Gast im AdobeConnect-Raum des LPM Saarbrücken.

Nik Peacheys Vortrag, der sich sowohl an Anfänger als auch an Profis im eLearning-Bereich richtete, zeigte deutlich, dass wir es mit einem erfahrenen Lehrer und Fortbildner zu tun hatten, dessen rednerisches Geschick seiner fachlichen Kompetenz in nichts nachstand. Nicht nur handelte es sich um einen inhaltlich äußerst informativen und in die Praxis übertragbaren Vortrag, sondern er war zudem exzellent didaktisch aufbereitet: Der von einer übersichtlich strukturierten PowerPoint-Präsentation unterstützte Vortrag enthielt in regelmäßigen Abständen kleine Inseln der Ruhe und Reflexion in Form von Fragen, die ans Plenum gerichtet waren. So konnten alle TeilnehmerInnen ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen und erhielten Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen bevor ein neues Thema angeschnitten wurde. Ebenso war stets Raum für Feedback und Fragen. Diese Einbeziehung des Publikums fand ich persönlich sehr erfrischend, da auf diese Art und Weise eine Ruhe im virtuellen Raum entstand, die es ermöglichte, 90 Minuten lang aufmerksam zu bleiben, ein Unterfangen, das nicht immer einfach ist.

Thema der Fortbildung war die Notwendigkeit, an die heutige Schülergeneration angepasste Materialien und Methoden zu entwickeln, sodass wir unseren SchülerInnen die Fähigkeiten mit auf den Weg geben können, die sie im späteren Berufsleben auch tatsächlich brauchen werden.

Als Nik Peachey gleich zu Beginn der Fortbildung über die Krise im Bildungssektor sprach und den Begriff „digital native“ verwendete war ich zugegebenermaßen leicht skeptisch. Ich bin absolut der Meinung, dass die Institution Schule in einer Krise steckt, weil sie mit der rasenden Entwicklung der Welt nicht Schritt halten darf / kann / will, jedoch stehe ich dem Begriff der „digital natives“, ein Konzept, das für gewöhnlich davon ausgeht, dass die heutige Schülergeneration mit den neuen Medien aufwächst und den Umgang mit ihnen daher quasi in die Wiege gelegt bekommt. Aus diesem Grund hakte ich auch sofort nach, woraufhin Nik eine andere, für mich durchaus akzeptable Definition eines „digital native“ vorschlug: so sei ein Großteil unserer SchülerInnen zwar insofern „digitale Eingeborene“ als dass sie keinerlei Scheu haben, mit den neuen Medien umzugehen, jedoch heiße dies nicht, dass sie über digitale Lernkompetenz verfügen. Aus diesem Grund müsse man ihnen nach wie vor in der Schule vermitteln, wie sie die neuen Medien, die sie jeden Tag benutzen, zum Lernen einsetzen können. Bei diesem Paradigmenwechsel hin zu einer Schule, die der „digitalen Generation“ gerecht wird, treten reines Faktenwissen und Frontalunterricht in den Hintergrund und das Ziel des Unterrichts ist es, Fertigkeiten auszubilden, die von Nöten sind, um in der heutigen (Arbeits)Welt zu bestehen. Vorgeschlagen wurde deshalb, Projekte, Aufgaben und Methoden auszuwählen, die für SchülerInnen ansprechend sind und den SchülerInnen realitätsnahe Lernerfahrungen zu ermöglichen, die ihnen Spaß machen und sie zugleich zum selbständigen Umgang mit den neuen Technologien animieren.

Im Anschluss an diese nachvollziehbare Begründung, wieso die Schule von Gestern nicht die Schule von Morgen sein kann, nannte Peachey diverse Beispiele und Werkzeuge, die uns helfen können, unseren SchülerInnen die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie wirklich brauchen. Hierbei wurde nicht nur Wert darauf gelegt, das Individuum zu fördern, sondern es wurden auch einige Aktivitäten vorgeschlagen, die darauf abzielen, die Interaktionsfähigkeit zu trainieren.

1. Backchanneling mit Todaysmeet 

Beim Backchanneling handelt es sich um ein Unterrichsszenario, welches neben dem eher lehrerzentrierten Unterricht den SchülerInnen die Möglichkeit gibt, aktiv am Unterricht mitzuwirken. Hierzu kann z.B. ein Chatraum „mit Verfallsdatum“ wie die Chaträume von Todaysmeet genutzt werden.

Vorteil dieser Chaträume ist es, dass sich die SchülerInnen nicht extra registrieren müssen. Während es Unterrichts können so die SchülerInnen Informationen austauschen, Feedback geben, sich aktiv am Unterricht beteiligen (z.B. Fragen beantworten, gemeinsam ein Brainstorming veranstalten) und lernen zugleich, papierlos zu arbeiten.

Diese Methode ist jedoch nur möglich, wenn die notwendige technische Ausstattung im Klassenraum zur Verfügung steht. D.h. entweder müssen die SchülerInnen über internetfähige Laptops oder PCs verfügen oder aber sie müssen über Smartphones verfügen, mit denen sie über ein schuleigenes WLan-Netzwerk ins Internet kommen.

2. Nutzung der SMS-Sprache zur Heranführung an Literatur und Phonologie 

Aufgrund der Tatsache, dass die SMS-Sprache sich die phonetische Komponente einer jeden Sprache im Dienste der Kürze zu Nutzen macht, kann man diese den Jugendlichen sehr nahe Praktik natürlich ideal im Fremdsprachenunterricht als Einstieg in die Lautlehre nutzen. Hier wäre es denkbar, im Anschluss an eine Einheit zur SMS-Sprache (um das Interesse der SchülerInnen zu wecken, zugleich Landeskunde zu betreiben und die Vergleichsfähigkeit der SchülerInnen zu trainieren) einen Webdienst wie PhoTransEdit zu verwenden, um von der SMS-Sprache zur phonetischen Transkription überzugehen. Die phonetische Transkription ist heutzutage für immer mehr SchülerInnen ein Buch mit sieben Siegeln und diese Herangehensweise könnte durchaus dazu beitragen, dass die abschreckende Wirkung der „seltsamen Zeichen“ abgeschwächt und das Thema Lautschrift lediglich mit dem Spaßfaktor der SMS-Sprache assoziiert wird.

Neben dieser Instrumentalisierung der SMS-Sprache im Namen des aktiven Spracherwerbs kann sie jedoch auch dazu dienen, SchülerInnen Literatur näherzubringen. Dies hat sich nicht nur als hilfreich erwiesen, wenn es um „schwierige“ und für die heutige Schülergeneration eher uninteressante Shakespeare-Stücke geht (Bsp.: 1, 2) sondern auch bei bestimmten Textarten wie Gedichten, zu denen die wenigsten SchülerInnen schnell Zugang finden. KollegInnen, die der englischen SMS-Sprache nicht mächtig sind, empfahl Nik Peachey die Seite Transl8it, für die französische Sprache gibt es jedoch einen ähnlichen Dienst.

Indem man also Literatur in die modernere SMS-Sprache „übersetzt“, animiert man eventuell seine SchülerInnen besser dazu, sich mit den Texten trotz inhaltlicher und formbezogener Hürden auseinander zu setzen. Zugleich lernen sie dadurch auch, mit dem neuen Genre des „SMS-Texts“ umzugehen. Schließlich fördert es auch die Kommunikationsfähigkeit der SchülerInnen und bringt sie automatisch dazu, sich – wie schon erwähnt – mit der lautlichen Ebene von Sprache auseinanderzusetzen.

3. Umgang mit Internettexten mit Hilfe von Scrible

Ein weiteres Genre, welches heutzutage immer wichtiger wird und mit dem man ganz anders umgehen muss als mit einem herkömmlichen gedruckten Text, ist der Internettext. Hier geht es darum, althergebrachte Arbeitsmethoden (z.B. der Umgang mit einem Textmarker beim Lesen) auf die Arbeit mit im Internet veröffentlichten Texten zu übertragen, da diese Texte zum Einen aufgrund ihrer Beschaffenheit ganz anders wahrgenommen werden und zu Anderen auch die Wahrnehmung der Jugendlichen selbst sich von der der „älteren“ Generation mitunter sehr unterscheiden kann. Wobei für mich eindeutig nach wie vor auch die Fähigkeit mit gedruckten Texten umzugehen gelernt werden muss, nur dürften wir dabei vielleicht nicht nur von unseren eigenen Gewohnheiten und Wahrnehmungen ausgehen sondern sollten verstehen, wie Teenager die Welt wahrnehmen und mit den auf sie einstürmenden Reizen (inkl. Texten) umgehen.

Der Jugendliche von Heute ist es gewohnt, sich mit dem Computer zu beschäftigen und von verschiedenen Quellen simultan berieselt zu werden. So ist es kaum noch ungewöhnlich, dass der Fernseher läuft während Musik gehört wird und dass beim Telefonieren nebenbei im Internet gesurft wird. Genau diesem Umstand ist es jedoch zuzuschreiben, dass SchülerInnen immer schwerer zu interessieren und zu motivieren sind und mehrere Wahrnehmungskanäle benötigt werden, um sie zu erreichen, weshalb wir uns auf diese veränderten Gegebenheiten einstellen müssen.

Das Internet ist ein tolles Medium – sofern man sich seiner Unbeständigkeit ebenso bewusst ist wie der Tatsache, dass es ein von Menschen gemachtes Medium ist, welches im Hinblick auf dort aufzufindende Fakten mit Vorsicht zu genießen ist. Nicht nur müssen SchülerInnen deshalb lernen, dass man Internetquellen immer zuerst verifizieren muss, sondern sie müssen ebenfalls an den Umgang mit verschiedenen Quellen zum selben Thema herangeführt werden und wir müssen ihnen Techniken vermitteln, die es ihnen erleichtern, dem Überfluss an Informationen im Internet Herr zu werden.

Ein sehr praktisches Werkzeug um die meisten dieser Fertigkeiten zu trainieren ist das virtuelle Pendant zum Textmarker, welches unter anderem von Diensten wie Citelighter und Scrible zur Verfügung gestellt werden. Werkzeuge wie Scrible erlauben es  jedem Nutzer, eine beliebige Webseite mit virtuellen Post-its zu versehen und bestimmte Textstellen zu markieren. Ebenso können die so bearbeiteten Seiten mit beliebigen Personen im Netz geteilt werden. Meldet man sich einmal kostenlos an, besteht auch die Möglichkeit, ein Archiv anzulegen, eine Methodik, die besonders beim Zusammentragen von Informationen für Präsentationen und längeren schriftlichen Arbeiten sehr hilfreich sein dürfte.

Je nachdem wie gut die SchülerInnen bereits mit derartiger Textarbeit vertraut sind, kann der Lehrer Seiten mit Fragen versehen, deren Antworten die SchülerInnen dann selbst im Text markieren sollen. So können die SchülerInnen langsam an die selbständige Textarbeit herangeführt werden und im Laufe der Zeit brauchen sie die Anleitungen immer weniger, da sie gelernt haben, wie sie an eine Webseite herangehen müssen und wie sie selbst mit dem Text interagieren können. Die Leitfragen können sich auf den Inhalt, die Struktur, die Grammatik, den Wortschatz oder anderen Dinge konzentrieren und das Textverständnis unterstützen. Zugleich können geübtere SchülerInnen die einmal bearbeiteten Seiten beim Lernen auf Klausuren wieder verwenden und auch mit MitschülerInnen zusammenarbeiten.

4. Umgang mit multimedialen Inhalten mit Storify

Internettexte bestehen nie nur aus Worten, sondern sie sind meist eine Art Collage ganz unterschiedlicher Medien. Aus diesem Grunde sollten wir unsere SchülerInnen bereits früh an den Umgang mit multimedialen Texten heranführen. Da sich fertige Internetquellen meist komplizierteren Inhalte widmen, können sie besonders in den ersten Lernjahren nur selten 1:1 verwendet werden (es sei denn sie stammen von Seiten, die für Kinder gemacht wurden).

Findet man zu einem bestimmten Thema keine Internetquelle, die mehrere Medien in sich vereint, bietet es sich an, selbst einen solchen multimedialen Text zu schaffen. Hierbei hilft Storify, eine Suchmaschine, die es erlaubt, in verschiedenen sozialen Medien nach einem bestimmten Schlagwort zu suchen und die Ergebnisse in einem einzigen „Dokument“ zu vereinen, das anschließend auch z.B. in einen Blog eingebettet werden kann. Umgekehrt kann man natürlich auch die SchülerInnen selbst recherchieren lassen um z.B. ihre Präsentationsfähigkeit zu schulen und ihnen Mittel und Wege an die Hand zu geben, wie sie ihre Vorträge ansprechend und multimedial gestalten können. „Nebenbei“ lernen sie so auch, verschiedene Quellen in einem eigenen Werk zu vereinigen, wodurch sie von der leider immer noch vorherrschenden Copy&Paste-Mentalität wegkommen, die nicht selten zum Plagiatsvorwurf führt. Also können mit Storify nicht nur inhaltliche Sequenzen bearbeitet werden, sondern die SchülerInnen lernen je nach Aufgabenstellung auch passive und aktive Arbeitstechniken zum Umgang mit dem Internet und multimedialen Texten anzuwenden.

Denkbare Aufgabenstellungen sind zum Beispiel

  • Fakten-Sammeln: „Finde … Fakten im Text“
  • Quellen begründet bewerten: „Welche der Quellen ist die nützlichste?“
  • Zusammenfassen: „Fasse den vorliegenden Text in eigenen Worten zusammen“
  • SchülerInnen entwerfen Fragen für ihre MitschülerInnen
  • mediengestützte Berichte zu einem bestimmten Thema erstellen
  • Stellungnahme: „Welche Quelle findest Du am interessantesten?“
  • Vergleichen: „Vergleiche die unterschiedlichen Quellen“

Eine Alternative zu Storify ist die Mashup-Funktion vom CLEAR der Michigan State University.

5.  Videokommunikation

Im Zeitalter von Skype und Google-Hangouts wird heute die Videokommunikation im sich immer mehr auf globaler Ebene abspielenden Berufsleben immer wichtiger. Die virtuelle Face-to-Face-Kommunikation ist eine Art der Kommunikation die jedoch bei Weitem nicht zu den angeborenen Fähigkeiten eines Menschen gehört. Daher sollte auch sie wenn möglich in den Unterricht eingebunden werden, sofern dies vom technischen Standpunkt aus möglich ist.

Ein Webdienst ohne Anmeldung, welcher sich sehr gut dazu eignet, Video-Kommunikationsübungen in den Unterricht und die Hausaufgaben zu integrieren ist Mailvu. Hier kann man bis zu 10 Minuten Video aufzeichnen und dies wahlweise über den Browser mit einer Webcam oder aber mit einer der Smartphone-Apps auf dem Mobiltelefon tun.

Alternativen für Mailvu sind z.B. die Video-Dropbox von der Michigan State University, die in eine eigene Webseite oder einen Blog eingebettet werden kann, sowie die App Audio, Photo, Video to E-Mail.

Hinsichtlich der möglichen Aufgaben, die man im Zusammenhang mit Videokommunikation stellen könnte, verweise ich an dieser Stelle auf eine Infographic, die von Nik Peachey selbst stammt und die diese Frage ausführlich beantwortet.

Möchte man selbst als Lehrer mit den SchülerInnen per Video interagieren, so gibt es auch Dienste wie Vyou, die es den SchülerInnen erlauben, schriftlich Fragen zu stellen, die dann per Video (auch vom Smartphone aus) beantwortet werden können. Diese Methode ist laut Peachey besonders bei Fernkursen äußerst hilfreich, weil hier der reale Kontakt zu den TeilnehmerInnen gänzlich fehlt.

6. Infographics 

Da wir es oftmals mit komplexen Sachverhalten zu tun haben und unsere SchülerInnen sich Methoden aneignen müssen, um Zusammenhänge nachzuvollziehen und diese komplexen Sachverhalte zu verstehen, bietet es sich an, visuelle Unterstützung zu suchen. Der Umgang mit visuellen Informationsquellen muss ebenso gelernt werden wie der Umgang mit Texten – wobei die visuellen Informationen sowieso meist Teil von multimedialen Internettexten sind.

Ein neues Genre, das seinen Urspung im Internet hat, sind sogenannte Infographics, zu Deutsch: Informationsgrafiken, die komplexe Zusammenhänge in Form von Bildern darstellen und damit Informationen komprimiert wiedergeben. Infographics, wie man sie zum Beispiel auf der Webseite Visual.ly findet, eignen sich wunderbar als Ausgangsbasis für sprachliche Aktivitäten: So kann man beispielsweise Fragen zum Bild erstellen lassen, man kann selbst oder die SchülerInnen können sich gegenseitig Fragen stellen, die anhand der Grafik beantwortet werden müssen, es ist jedoch auch möglich die SchülerInnen die Quellen von den im Internet überall zu findenden Grafiken überprüfen zu lassen, um ihre Kritikfähigkeit zu fördern und sie im richtigen (=vorsichtig-skeptischen) Umgang mit den im Internet zu findenden Informationen zu schulen.

Umgekehrt ist es jedoch natürlich auch möglich, die SchülerInnen selbst z.B. mit Hilfe von Diagram.ly, solche Grafiken vervollständigen oder erstellen zu lassen. Dies kann u.a. zum Brainstorming und zur Vokabelarbeit, zum Sammeln von Informationen zu einem bestimmten Thema, aber auch im Hinblick auf Textverständnis (Timelines, Plot-Analyse eines Romans, Textstrukturen…) und für kreative Aufgaben sehr nützlich sein. Hinzu kommt, dass der visuelle Lerntyp damit ungemein gut lernen kann.

7. Blogs

Die letzte Idee, die vorgestellt wurde und die viele LehrerInnen schon seit längerer Zeit in ihrem Unterricht verwenden, sind Weblogs, die gemeinsam mit den SchülerInnen erstellt werden. Hier lohnt es sich, auf Dienste zurückzugreifen, die das Bloggen per Email erlauben, sodass sich die SchülerInnen nicht selbst irgendwo registrieren und mit einem Userinterface auseinandersetzen, sondern lediglich eine Email schreiben können müssen. Solche Blogs können u.a. bei Posterous und WordPress kostenlos erstellt werden.

Mit Hilfe eines Blogs können die SchülerInnen ihre Ergebnisse von Schreibaufträgen und kreativen Arbeitsaufträgen veröffentlichen (u.a. auch durch die Einbettfunktion, die z.B. Diagram.ly anbietet), sie können mobil arbeiten, ihre eigenen Überlegungen zu bestimmten Themen posten oder im Rahmen von Blended-Learning-Szenarien einen Teil des Lernstoffs über vom Lehrer gepostete Blogbeiträge selbst erarbeiten. Ebenso gibt es die Möglichkeit, das reguläre Übungsheft durch ein virtuelles Heft in Form eines Blogs führen zu lassen, wie dies Etienne Kneipp bei seinem Vortrag bei CyberLangues 2012 vorschlug.

Hinweis: Für die meisten der oben genannten Dienste stehen übrigens inzwischen diverse Smartphone- und Tablet-Apps zur Verfügung.

Abschließend verwies Nik Peachey noch auf folgendes Video, welches den vorbildlichen modernen Schüler vorstellt, der die ihm zur Verfügung stehenden Hilfsmittel gut zu nutzen weiß.

Insgesamt waren Nik Peacheys Vorschläge allesamt wunderbare und für mich teilweise neue Ideen, die sich in meiner persönlichen Situation mal mehr, mal weniger gut umsetzen lassen.

Die Idee des Backchannels habe ich bereits einmal versucht und obwohl ich davon überzeugt bin, dass es sich dabei um eine tolle Idee handelt, auch sonst sehr ruhige SchülerInnen in die eher lehrerzentrierten Phasen des Unterrichts einzubeziehen, so sehe ich mich aufgrund der mangelnden Ausstattung meiner Schule und vermutlich auch der SchülerInnen leider nicht im Stande, regelmäßig mit einem Backchannel zu arbeiten. Zudem hege ich große Zweifel an meiner eigenen Fähigkeit, mit dieser Unterrichtsmethode so umzugehen, dass meine SchülerInnen tatsächlich davon profitieren, weil ich trotz meiner Fähigkeit zum Multitasking vermutlich auf Dauer damit überfordert wäre, meinen Unterricht zu leiten und den Backchannel im Blick zu behalten. Allerdings spricht nichts dagegen, hier und da ein kleines Experiment einzuschieben, um meinen SchülerInnen die Idee vorzustellen und zu sehen, wie sie darauf reagieren, zumindest sofern in einer Lösung finde, wie es technisch bewerkstelligbar ist – z.B. durch Nutzung des Multimediaraums.

Den Einsatz von SMS-Sprache im Unterricht habe ich ebenfalls in sehr kurzen Einheiten im Französischunterricht bereits ausgetestet. Dabei ging es jedoch stets nur darum, den SchülerInnen Spaß an der französischen Sprache und einen Einblick in die Lebenswelt von französischen Jugendlichen zu vermitteln. Ich werde vermutlich hier und da einmal versuchen, in SMS-Sprache übersetzte kurze Texte als Einstieg im Fremdsprachenunterricht zu verwenden, jedoch wird der Einsatz sicher nicht über die Einstiegsphase hinausgehen, auch deshalb nicht, weil der Unterricht in den meisten Klassenstufen auf den aktiven Spracherwerb ausgerichtet ist und es nur selten darum geht, mit Literatur umzugehen. Ich gebe jedoch gerne zu, dass die Tatsache, dass ich immens viel Zeit in die Vorbereitung neuer Unterrichtsmaterialien und -sequenzen stecken müsste, mit ein Grund ist, weshalb ich die SMS-Sprache nur selten einsetzen werde. Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, mit meinen Kräften zu haushalten und habe auch vor, diesem Vorsatz treu zu bleiben🙂 .

Scrible und im Zusammenhang damit Storify und Infografiphics werde ich allerdings sicherlich ebenso in meinen Unterricht einbinden wie der für mich schon selbstverständlich gewordene Klassenblog.

Im Hinblick auf Scrible bin ich davon überzeugt, dass es notwendig ist, meinen SchülerInnen eine adäquate Herangehensweise an Internettexte zu vermitteln, da ich seit nunmehr sechs Jahren sehe, wie SchülerInnen falsch mit Informationen, die sie im Internet finden, umgehen, und wie selten es sich tatsächlich als nützlich erwiesen hat, auf interessante Internetquellen hinzuweisen. Als kleine Einschränkung muss ich jedoch hier sagen, dass ich zu allererst die in Frage kommenden Dienste ausprobieren muss und wenn ich mich für eins davon entschieden habe, selbst erst einmal lernen muss, wie ich damit umgehe. Denn auch wenn ich bereits mehrfach solche Dienste im Internet gefunden habe, so hatte ich bisher leider noch keine Zeit, mich näher damit zu befassen. Und auch wenn ich meinen SchülerInnen bei manchen Themen nur ein paar Schritte vorauseile, so ist es mir bei der Vermittlung von Arbeitstechniken wichtig, dass ich selbst über ausreichende Erfahrungen in der Anwendung dieser Techniken verfüge. Danach werde ich allerdings das ausgewählte Werkzeug meinen SchülerInnen (wahrscheinlich ab Klasse 9, weil diese SchülerInnen dann bereits ausreichende Erfahrung mit dem Umgang mit herkömmlichen Printmedien gesammelt haben und alt genug sind um zu verstehen, dass es für verschiedene Textarten verschiedenen Arbeitstechniken bedarf) vorstellen und ihnen die Gelegenheit geben, damit zu arbeiten – u.a. auch indem ich ihnen von mir erstellte Multimedia-Mashups als Text gebe. Wenn sie dann ein wenig Erfahrung mit dem rezeptiven Umgang von Internettexten gesammelt haben, dürfen sie natürlich auch selbst solche Texte erstellen und im Klassenblog veröffentlichen.

Auch Infographics fallen natürlich in die oben genannten Arbeitsbereiche und ich habe vor, zum Kennenlernen meiner neuen SchülerInnen, ihrer Einstellung gegenüber der jeweiligen Fremdsprache und ihrer Sprachkenntnisse in der ersten Schulwoche Infographics erstellen zu lassen, jedoch wahlweise per Computer oder mit Bleistift und Papier (mit nachträglichem Einscannen). Zum Einstieg in dieses Thema werde ich ihnen ein Infographic zeigen, welches ich selbst erstellt habe.

Ich halte Infographics für eine der besten Methoden um komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen und arbeite selbst bereits seit vielen Jahren mit Visualisierungen, wenn es um größere Zusammenhänge geht. Ich bin auch davon überzeugt, dass Prezi ein ausgezeichnetes Werkzeug ist, um solche Sachverhalte zu präsentieren.

Bezüglich der Arbeit mit einem Weblog habe ich bereits fürs kommende Schuljahr fest eingeplant, einen neuen Blog zu erstellen, den einige meiner Klassen selbst aktiv mitgestalten werden, während andere eher rezeptiv involviert sein werden, da ich mir für sie bereits eine andere Art von Projektarbeit überlegt habe. Schließlich wird eine Klasse auch als „Versuchskaninchen“ für ein online geführtes Heft dienen.

Die einzige von Nik Peachey vorgestellte Idee, die ich vermutlich eher weniger in meinen Unterricht einbauen werde, ist die Videokommunikation. Zum einen bin ich selbst momentan eher zurückhaltend wenn es um diese Art der Kommunikation geht. Daher werde ich noch einige Zeit brauchen um mich selbst dabei wohl zu fühlen und kann aus diesem Grund nicht von meinen SchülerInnen verlangen, so zu kommunizieren. Die einzige Ausnahme könnte ein potenzielles Austauschprojekt sein, bei dem ich selbst wohl auch über meinen Schatten springen werde, um so den Kontakt zur neuen Austauschklasse herzustellen und zu halten.

Alles in Allem war diese Fortbildung wieder einmal eine große Bereicherung für mich und ich freue mich bereits darauf, die vorgestellten Ideen auszuprobieren. Sollten Sie Interesse an der Aufzeichnung der Fortbildung haben, so finden Sie sie hier.