Vom 25.-29. Juni nahm ich dank eines Comenius-Stipendiums an der Fortbildung „ForMoove“ am Centre international d’études pédagogiques (CIEP) in Sèvres bei Paris teil. Das Thema der Fortbildung war Mobilität in Europa. Beworben hatte ich mich für die Teilnahme, da es um Comenius- und eTwinning-Projekte gehen sollte, jedoch allgemein auch virtuelle Austauschmöglichkeiten angesprochen werden sollten. Da ich schon einige durch die neuen Medien unterstützte Austauschprojekte (z.B. den Austauschblog „Une aventure franco-allemande“) und einen ersten Versuch zu einem französisch-deutsche Twitterprojekt mit Chris Jaeglin durchgeführt hatte, erschien es für mich logisch, mich in dieser Richtung weiterzubilden. Meine Erwartungen an die Fortbildung, soviel schon im Voraus, wurden bei weitem übertroffen.

Am Montag, den 25. Juni, begab ich mich also dank der Finanzierung der Fortbildung durch die Comenius-Initiative gegen 9 Uhr nach Sèvres, einem kleinen Ort, der mit der Pariser Tram ca. 20 Minuten vor den Toren von Paris liegt. Dort erblickte ich zum ersten Mal das CIEP, ein äußerst eindrucksvolles und geschichtsträchtiges Gebäude in malerischer Umgebung. Dort traf ich auch zum ersten Mal auf die anderen Kursteilnehmer, die fast zur Hälfte aus Rumänien stammten. Weiterhin kamen die Teilnehmer aus Spanien, Frankreich, Tschechien und Griechenland.

Das Programm gestaltete sich recht abwechslungsreich. Die sechs großen Themenblöcke

  • M1 Prinzip und Überblick über die europäischen Programme
  • M2 Projekt-Management
  • M3 Projekt-Pädagogik und Mobilität
  • M4 Kommunikation und Verbreitung
  • M5 Dokumentation und Selbstevaluation
  • M6 Mobilität und virtuelle Austauschmöglichkeiten

waren in Form von Vorträgen und praktischen Arbeitsphasen auf die fünf Fortbildungstage verteilt. Dazwischen hatten wir die Gelegenheit uns in kürzeren Kaffeepausen und beim ausgezeichneten Mittagessen mit den anderen TeilnehmerInnen und den ExpertInnen des CIEP zu unterhalten. Die Mittagspause wurde für gewöhnlich im herrschaftlichen Garten beendet.

Während in den Vorträgen zu den einzelnen Themenblöcken in relativ kompakter Form die organisatorischen und administrativen Feinheiten von vor allem Comenius-Projekten vermittelt wurden, durften wir das neu erworbene theoretische Wissen in den anschließenden Praxisphasen in Gruppenarbeit auf ein fiktives Projekt übertragen und so den Ernstfall simulieren.

M1 Prinzip und Überblick über die europäischen Programme (Olivier STEFFEN, Annick BONNET)

Zu Beginn erhielten wir im ersten Themenblock einen Überblick über die momentanen Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen, welches es seit 2007 gibt und welches 2014 von „Erasmus für Alle“ abgelöst werden wird. So können Studenten dank des Erasmus-Programms in europäischen Ländern studieren, Comenius-Projekte im schulischen Bereich durchgeführt und berufliche Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen des  Leonardo da Vinci –Programms abgeleistet werden, während das Grundtvig –Programm für die allgemeine Erwachsenenbildung zuständig ist. Des Weiteren erhielten wir Einblick in Erasmus für Alle, welches ab 2014 die anderen Programme ablösen soll.

Im schulischen Bereich sind momentan Comenius-Projekte mit mehreren europäischen Partnern (mindestens drei verschiedene Länder) sehr beliebt. Obwohl es sich dabei für die betreuenden LehrerInnen um einen ziemlich großen Mehraufwand handelt, da von der Antragsstellung über die sorgfältige Planung und Durchführung bis hin zum abschließenden Bericht viele Feinheiten bedacht und alles akribisch dokumentiert werden muss, so scheint es doch im Allgemeinen so, dass die beteiligten SchülerInnen nicht nur im sprachlichen Bereich profitieren, sondern durch die Projektarbeit stark motiviert werden und lernen, fächerübergreifend zu arbeiten, eine Fähigkeit, die heutzutage in fast jedem beruflichen Bereich erforderlich ist, in der Schule jedoch durch die strikte Fächertrennung und den zu kurzen Stundenrhythmus nur selten vermittelt werden kann. Des Weiteren ist die Mitarbeit an einem Comenius-Projekt natürlich nicht nur vorteilhaft für das Image der beteiligten Schulen, sondern es handelt es sich auch um eine hervorragende Möglichkeit für LehrerInnen, mit hochmotivierten und engagierten KollegInnen aus den Partnerländern zusammenzuarbeiten, eine Erfahrung, die sich sicherlich stets als sehr bereichernd erweisen wird. Schließlich sollte auch der europäische Mehrwert, also die Erarbeitung gemeinsamer Wertvorstellungen, nicht unterschätzt werden. Dieser Mehrwert ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um überhaupt für eine Comenius-Finanzierung in Betracht gezogen zu werden.

Mobilität in Europa allgemein kann ganz unterschiedliche Ausformungen haben: sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen können unterschiedliche Mobilitätsinitiativen in Anspruch nehmen und es kann sich dabei je nach Programm um SchülerInnen oder Erwachsene handeln. Bei Schülergruppen handelt es sich meist um Schulpartnerschaften zwischen zwei oder mehreren Ländern, die Mobilität kann reell (d.h. mit einem integrieren Schüleraustausch) oder auch virtuell (z.B. im Rahmen der eTwinning-Initiative) erfolgen, während Erwachsenengruppen oftmals auf regionale Partnerschaften zurückgreifen und an multinationalen Projekten teilnehmen. Einzelne SchülerInnen können hingegen an Austauschprogrammen (wie z.B. dem Brigitte-Sauzay-Programm zwischen Deutschland und Frankreich) teilnehmen, wohingegen sich Erwachsene meist in einem professionelleren Rahmen, z.B. betrieblicher Weiterbildungsmaßnahmen, ins Ausland begeben. All diese Maßnahmen haben jedoch gemeinsam, dass dabei die Kommunikation mit dem Anderen bei der Durchführung von Aktivitäten in einer gemeinsamen Arbeitssprache im Vordergrund steht und die Ergebnisse dieser Aktivitäten auf Nachhaltigkeit abzielen. Bei der Planung von jeglicher projektbezogenen Austauschmaßnahme sollte man sich im Hinblick auf die Bewerbung um Fördermittel der EU an den offiziellen Texten orientieren, die diesbezüglich veröffentlicht worden sind. Hierbei spielt offenbar auch die richtige Terminologie bei der Antragsstellung eine Rolle.

Annick Bonnet wies uns anschließend darauf hin, dass es eine relativ große, wenn auch überschaubare Anzahl an Austauschprogrammen gibt, dass jedoch oft die Lehrenden in den jeweiligen Bereichen entweder nicht über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um diese zu nutzen oder aus Sorge, den Anforderungen nicht gerecht werden zu können, davor zurückschrecken,  sich dementsprechend zu engagieren. Weiß man jedoch, welches Angebot für welche Lernergruppe gedacht ist und verfügt über grundlegende Kenntnisse in Projektmanagement und – pädagogik, so kann sich der Aufwand schnell bezahlt machen und zur erfolgreichen Zusammenarbeit von europäischen Lerneinrichtungen führen.

Beim Schüleraustausch geht es um Schüleraktivierung und die Förderung der Interaktion von Schülern aus verschiedenen Ländern. Dabei kann, muss aber nicht zwangsläufig eine reale Mobilität mit eingeplant werden. Hinzu kommt bei Schüleraustauschen zudem die sprachliche Komponente, die Kompetenzsteigerung in einer Fremdsprache. Diese Austauschmaßnahmen sind zumindest im Hinblick auf die Finanzierung zeitlich begrenzt und sie orientieren sich an einem Verlaufsplan, der einzelne Phasen und Etappen der Projektarbeit klar voneinander trennt. Sie können, müssen aber nicht auf offiziellen Schulpartnerschaften basieren und erfolgen zum Großteil, wenn nicht sogar zu 100%, auf Distanz. Neben Comenius-Projekten können Schulaustauschmaßnahmen auch im Rahmen von meist bilateralen Abkommen – z.B. die Initiative „Tele-Tandem“ vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, UK Global Partnerships und die PASCH-Initiative – stattfinden.

Bei Comenius-Projekten ist besonders darauf zu achten, dass die dem Programm zugrunde liegenden Ziele in die Vorüberlegungen, die zur Antragstellung führen, mit einfließen. Dazu gehören die Verbesserung der Mobilität in Europa, der Aufbau von Partnerschaften, die Integration der modernen Fremdsprachen und der neuen Medien, jedoch sollten auch die erhofften positiven Auswirkungen auf die Lehrenden sowie die Schulen nicht außer Acht gelassen werden. Somit sollen die Schüler etwas über andere Kulturen lernen und die von der EU festgehaltenen acht Schlüsselkompetenzen sowie sprachliche Kompetenzen erwerben. Die betreuenden Lehrer sollen ihre Kenntnisse über verschiedene Bildungssysteme verbessern und interdisziplinär arbeiten lernen. Die Schulen sollen von dieser europäischen Orientierung insofern profitieren, als dass sie sich für Europa öffnen, Innovationen zulassen und das Schulklima soll von dieser länderübergreifenden, sich jedoch an den Lehr- und Bildungsplänen der einzelnen Ländern orientierenden Zusammenarbeit positiv beeinflusst werden. Dabei müssen bei Comenius-Projekten im Interesse der Vielfalt mindestens drei Schulen aus drei verschiedenen europäischen Ländern an der zwei Jahre andauernden Austauschmaßnahme beteiligt sein, wovon ein Lehrer von einer der Schulen offiziell die Koordination des Projektes übernimmt und die anderen Partner ihm dann zuarbeiten. Die Projekte sollten sich auf jeden Fall an Schülerinteressen orientieren, bildungsrelevant sein und sich in den Schulalltag integrieren lassen. Die Bewerbungen werden bei den Nationalen Agenturen der einzelnen Länder eingereicht, die auch Auskunft über die Anforderungen für eine erfolgreiche Bewerbung informieren können. Bei bilateralen Austauschprogrammen hingegen kommt dem sprachlichen Faktor (d.h. Kompetenzausbildung in der jeweiligen Fremdsprache, die die Muttersprache des Partners ist) ein größerer Stellenwert zu. Hier sollte es sich um sprachlich orientierte Projekte handeln, die von einer jeweils mindestens 10 Tage dauernden Reise ins Partnerland begleitet werden. Die Schüler sollten hier älter als zwölf Jahre alt sein und wie bei den multinationalen Austauschprogrammen gibt es einen Koordinator. Die Lehrer sollten während des Austauschs pädagogische Materialien erarbeiten.

Schulische Projekte sollten Beteiligte von verschiedenen Ebenen (Schüler, Lehrer, Schulleitung, Stadt, etc.) mit einbeziehen  und zugleich innovativ sein. Um eine Vorstellung von solch innovativen Projekte zu bekommen, gibt es die Möglichkeit, Webseiten wie „European Shared Treasure“ zu konsultieren, wo Kollegen ihre Erfahrungen teilen. Neben der Innovation wird auch Wert gelegt auf die interdisziplinäre Komponente und gemeinsam erarbeitete Endprodukte. D.h. während der Projektlaufzeit sollen die Akteure auf verschiedenen Ebenen in einer gewählten Arbeitssprache zusammenarbeiten. Dies schließt natürlich nicht aus, dass einzelne Aufgaben in der Muttersprache des einen Partners, welche für einen der anderen Partner eine lebende Fremdsprache ist, bearbeitet werden. Ebenso wird gern gesehen, wenn schulexterne Partner mit in die Projektarbeit einbezogen werden. Die Endprodukte aller Gruppen sollten für die anderen Beteiligten schließlich „greifbar“ sein, sodass jedem Teilnehmer am Schluss klar ist, welche Früchte eine multinationale Zusammenarbeit tragen kann.

Während also bei schulischen Projekten ganz deutlich Wert gelegt wird auf die gemeinschaftliche, europäische Komponente, werden TeilnehmerInnen, die sich für eine individuelle Mobilitätsmaßnahme bewerben unter anderem unter dem Gesichtspunkt ausgewählt, ob sie sich als Multiplikatoren dienen, d.h. ob sie ihre Erfahrungen an möglichst viele andere Menschen weitergeben werden. So ist die Bewerbung eines Lehrers, der gedenkt, in Fachkonferenzen seine Kollegen über den Inhalt der Fortbildung zu informieren und zugleich in einem Blogartikel wie dem vorliegenden Artikel darüber schreiben wird sicherlich attraktiver für die Auswahlkommission als die Bewerbung eines Kandidaten, der angibt, lediglich aus Interesse am Thema teilnehmen zu wollen.

Hinsichtlich der individuellen Schülermobilität gibt es die Comenius-Schülermobilität für SchülerInnen ab 14, die zwischen drei und zehn Monaten in einer Gastfamilie leben und im Partnerland die Schule besuchen. Die beteiligten Institutionen sind meist bereits durch eine Comenius-Partnerschaft verbunden und Sinn und Zweck der Austauschmaßnahme ist es, dass sowohl die beteiligten Schulen als auch die Schüler und die Gastfamilien davon profitieren. Allerdings bleibt dieses Programm deutschen SchülerInnen dann verwehrt, wenn die Möglichkeit besteht, SchülerInnen im Rahmen von binationalen Programmen (z.B. mit Frankreich Voltaire, Heinrich Heine oder das Sauzay-Programm) im Ausland unterzubringen. Neben Comeniusprogrammen gibt es jedoch noch Organisationen, wie AFS (Auslandsaufenthalte zwischen zwei und zwölf Monaten) und YFU (Youth for Understanding).

Für LehrerInnen gibt es ebenfalls mehrere Möglichkeiten, für einen bestimmten Zeitraum ins Ausland zu wechseln. Möchte man weniger als drei Monate im Partnerland verbringen, so bietet die Comenius-Initiative für lebenslanges Lernen die Möglichkeit, sich dort weiterzubilden. Ebenso kann man mit Hilfe von Comenius-Stipendien natürlich an Weiterbildungsmaßnahmen wie ForMoove teilnehmen, die zwischen ein und sechs Wochen dauern. Diese Maßnahmen können mit Hilfe des Europass Mobilität dokumentiert werden. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit des „Job-Shadowing“, d.h. man verbringt zwei Wochen an der ausländischen Partnerschule und hat dort die Möglichkeit, den ausländischen KollegInnen über die Schulter zu schauen. Möchte man für längere Zeit ins Ausland, so ist für französische LehrerInnen das Jules Verne – Programm äußerst interessant, welches Auslandsaufenthalte auf der ganzen Welt vermittelt. Ebenso gibt es lokale Partnerschaften wie CODOFIL (Frankreich – Louisiana) und für die USA gibt es zusätzlich noch die Möglichkeit, seine Stelle mit einem dortigen Lehrer für ein Jahr zu tauschen. Eventuell wird Erasmus für alle auch hier in Zukunft noch weitere Möglichkeiten bieten. Möchte man nicht unbedingt in einem anderen Land unterrichten, kann man sich auch um eine Comenius-Assistentenstelle bewerben, um im Ausland für drei bis zehn Monate an einer Schule tätig zu sein.

Neben LehrerInnen und SchülerInnen haben natürlich auch SchulleiterInnen, AusbilderInnen und FachberaterInnen die Möglichkeit, eine begrenzte Zeit im Ausland zu verbringen. Sie können dies im Rahmen von Besuchen tun und das Pestalozzi-Programm in Anspruch nehmen.

M2 Projekt-Management (Jonathan HOOLEY)

Im zweiten Modul der Fortbildung ging es um das Projektmanagement, kompetent vorgestellt durch Jonathan Hooley. Allgemein kann man das Projektmanagement in zwei Phasen unterteilen: Die Bewerbungsphase und die Durchführungsphase.

Die Bewerbung, die mindestens ein Jahr an Vorlaufzeit benötigt, kann erst eingereicht werden, wenn Partner gefunden wurden und das Projekt genau definiert ist. Etwa ein Jahr vor dem Einreichen der Bewerbung sollte man sich auf die Suche nach geeigneten Partnern machen (z.B. im Rahmen von eTwinning-Kontaktseminaren) und ein der Bewerbung vorausgehendes Treffen arrangieren. Während diesem Treffen kann das Projekt näher definiert werden. Es obliegt danach dem von den Partnern bestimmten Koordinator mit Hilfe der anderen Partner die Bewerbung zu erstellen. U.a. enthält die Bewerbung eine Beschreibung des Projekts mit Begründung und einer Auflistung von Zielen und Strategien, die dann in der Erarbeitung eines konkreten Produkts kulminieren. Auch die betroffenen Fächer, die Methoden, die eingesetzt werden sollen, sowie die Einbindung der neuen Medien und eine genaue Beschreibung der zu trainierenden Kompetenzen sind Teil der Bewerbung. Hinzu kommt ein klar definierter europäischer Mehrwert, der die Durchführung des Projekts im Hinblick auf die europäische Dimension (im Rahmen der Partnerschaft, aber auch darüber hinaus) legitimiert. Eine mindestens jeweils 20-stündige Beschäftigung mit der Sprache der Partnerschulen (sofern es sich dabei nicht bereits um unterrichtete lebende Fremdsprachen handelt) ist damit ebenso notwendig wir die Nachhaltigkeit des Projekts über die Finanzierungszeit hinaus, d.h. die Frage, wie werden SchülerInnen, LehrerInnen, die Schule, die Region usw. auf Dauer einen Nutzen aus dem Projekt ziehen. Neben diesen Rahmenbedingungen muss dann schließlich noch ein Plan eingereicht werden, wie das Projekt umgesetzt und ausgewertet werden soll: Unter anderem ist hier zu bedenken, welcher Partner welche Aufgaben übernimmt, wie die im jeweiligen Land direkt beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen, aber auch die Schulleitungen und die nicht direkt beteiligen SchülerInnen und LehrerInnen eingebunden werden sollen und wie das Erreichen der Ziele regelmäßig und im Ganzen überprüft werden soll.

Bei der Ausarbeitung der Bewerbungsmappe sollte Wert auf eine klare Struktur gelegt werden, d.h jede konkrete Idee sollte mit einem Beispiel und ihrer logischen Folge transparent formuliert werden. Dabei sollte global darauf geachtet werden, dass die Bewerbung angenehm und flüssig zu lesen ist (z.B. durch die Verwendung von Titeln, Untertiteln, einer logischen Nummerierung, bewusst platzierten Abständen im Text) und dem Leser beim Lesen klar wird, an welchen Hauptgedanken sich das Projekt orientiert. Alles Wichtige sollte explizit und klar formuliert werden, Wiederholungen sind zu vermeiden. Schließlich sollte man auch bei jedem einzelnen Schritt den Bezug zu den Projektzielen herstellen.

Um zu überprüfen, ob eine Bewerbung Chance auf Erfolg hat, sollte man u.a. auch folgende Punkte berücksichtigen:

  • Sind die Grundbedingungen für die Finanzierung durch das jeweilige europäische Programm erfüllt?
  • Gibt es ein ähnliches Projekt schon? (s. European Shared Treasure)
  • Können die Pläne an den beteiligten Schulen überhaupt durchgeführt werden? (s. Ausstattung der Schulen mit Computern etc.)
  • Wie soll mit Problemen umgegangen werden? (s. Risikoanalyse : welche Probleme könnten auftreten ? Wie bedeutend sind sie? Wie kann man sie lösen?)
  • In wiefern sind die betroffenen Schulen bereit, sich zu engagieren?
  • Ist es absehbar, dass die beteiligten Kollegen und andere Partner produktiv zusammenarbeiten können?

Der wichtigste Teil der Bearbeitung ist der Teil, aus dem die konkrete Arbeit am eingereichten Projekt hervorgeht. Bei der Planung der in der Bewerbung bereits verbindlich festzulegenden Arbeitsschritte muss der Inhalt ebenso berücksichtigt werden wie organisatorische Gesichtspunkte (die verschiedenen beteiligten Schulsysteme, Schulferien, Lehrpläne usw.), die konkrete Organisation der einzelnen Phasen (wer erledigt wann welche Aufgaben à hilfreich hier: ein Gantt-Diagramm), die Verantwortlichkeitsbereiche der einzelnen Partner, die Frage, wann welcher Kontakt zwischen den SchülerInnen und LehrerInnen eingeplant ist und was die SchülerInnen daraus lernen werden. Jedoch muss auch die administrative Komponente (Budgetplanung, Finanzierung) im Auge behalten werden.

Bei jeden Schritt sollten folgende Überlegungen mit einfließen:

  • Warum? ( = konkrete und langfristige Ziele)
  • Was ? (= Ergebnisse und Produkte)
  • Wie ? (= Aktivitäten)
  • Mit wem ? (=welche Partner sollen beteiligt sein ?)
  • Womit? (=Welche Methoden und Hilfsmittel sollen eingesetzt werden?)

Bei der Formulierung der gemeinsamen Zielvereinbarung kann man auf das SMART-Kriterium zurückgreifen. D.h. alle angegebenen sowohl langfristigen als auch mittel- und kurzfristigen Ziele sollten

  • Spezifisch (eindeutig und präzise definiert)
  • Messbar
  • Akzeptiert (manchmal auch: angemessen, attraktiv, ausführbar, anspruchsvoll)
  • Realistisch
  • Terminierbar

sein. Weiterhin sind diese Ziele schriftlich festzuhalten. Diese schriftliche Zielvereinbarung dient dann als Grundlage des Projektplans, der für die Umsetzung der Ziele maßgebend ist. Der Projektfortschritt sollte schließlich regelmäßig überprüft und die Ziele gegebenenfalls angepasst werden.

M3 Projekt-Pädagogik und Mobilität (Manon HÜBSCHER, Haydée MAGA)

Zu Beginn der dritten Einheit wurde ein kurzer Überblick über die Ideen der beiden Pädagogen John Dewey und Célestin Freinet vermittelt. Bei beiden pädagogischen Ansätzen geht es um die Handlungs- und Produktorientierung die laut der Meinung der beiden daraus entstandenen reformpädagogischen Schulen einer guten Schulbildung zugrunde liegen sollte. Aufgabe des Lehrers ist damit die Begleitung dieses mehr oder minder selbstgesteuerten Lernprozesses.

Im Anschluss daran wurde nochmals klar formuliert, dass die Mobilität im Rahmen eines gemeinsam zu erarbeitenden Projekts zur Öffnung gegenüber dem Fremden führt aber ebenso die Möglichkeit gibt, eine Fremdsprache anzuwenden und am eigenen Leib zu erleben, was es bedeutet, ein Bürger Europas zu sein. Zusätzlich führt die gemeinsame Arbeit am Projekt auf der menschlichen Ebene dazu, dass neue Freundschaften und neue Projekte entstehen.

Die pädagogisch relevanten Aspekte bei der Projektarbeit drehen sich um die Fragen, wieso das Projekt durchgeführt werden sollte, welche Aufgaben die verschiedenen Beteiligten erledigen sollen, um die gesetzten Ziele zu erreichen und wie das Erreichen dieser Ziele gemessen werden kann. Hinzu kommen, auch im Hinblick auf die Mobilitätsphase, organisatorische und logistische Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.

Bei der Definition des pädagogischen Projekts werden sollten neben dem Titel des Projekts seine Autoren, der institutionelle Kontext, die Partner, das globale Ziel, die einzubeziehenden Fächer und das Zielpublikum genannt werden. Hinzu kommen die bildungsrelevanten, didaktischen und pädagogischen Ziele, mit anderen Worten, das zu vermittelnde Allgemeinwissen,  das Fachwissen und das methodische Können. Schließlich darf auch eine Beschreibung des Endprodukts eben so wenig fehlen wie eine klare Definition über die Arbeitsverteilung und der einzelnen Arbeitsphasen (s. Gantt-Diagramm).

Je nachdem, was das angestrebte Endprodukt eines Projekts ist, gibt es ganz unterschiedliche Arten von Projekten: so kann zum Beispiel die Dokumentation der gemeinsamen Arbeit oder der Korrespondenz im Vordergrund stehen, es kann um die persönlichen Erfahrungen während der Projektarbeit gehen, wobei das Endprodukt ein individuelles Tagebuch sein könnte, oder aber es geht darum, etwas gemeinsam zu erschaffen. Konkrete Beispiele gibt es natürlich bereits unzählige, so zum Beispiel das gemeinsam gestaltete interaktive Märchenbuch des Projekts mit dem Namen „Fairydusted Tales“ (welches mir auch bei Cyber-Langues 2012 erneut begegnete) oder ein Projekt der gemeinsamen Lektüre, „Lectures Partagées“.

M4 Kommunikation und Verbreitung (Pernelle BENOIT)

Wenn mehrere Schulen und viele Beteiligte zwei Jahre an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, so ist es wichtig, dass die interne Kommunikation genauso gut funktioniert wie die Kommunikation mit dem nicht unmittelbar oder gar nicht am Projekt beteiligten Umfeld. Ersteres ist Voraussetzung für den erfolgreichen Ablauf einer Zusammenarbeit, Letzteres ist das, was das Projekt an sich legitimiert. Daher muss es nicht nur konkrete Regeln geben, die die Kommunikation innerhalb der Partnerschaft festlegen, sondern es muss auch ein Plan existieren, wie das Ergebnis nach Fertigstellung der Außenwelt präsentiert werden soll.

Bei der Vereinbarung der Regeln zur internen Kommunikation sollte bedacht werden, dass sie darüber bestimmen, ob ein gemeinsames Projekt erfolgreich sein kann. Es sollte also u.a. festgelegt werden, wer wann zu welchem Zweck wie mit wem in welcher Sprache kommuniziert und jeder Ansprechpartner sollte einen Vertreter haben, sollte er einmal nicht erreichbar sein. Es versteht sich von selbst, dass die Kommunikation an sich nie ins Stocken geraten sollte, da sonst der weitere Projektverlauf auf der Kippe steht. Jedoch sollten trotz allem bestimmte Termine schriftlich fixiert werden, vor allem an den Übergängen der einzelnen, ebenfalls festgelegten Phasen des Projekts. Denn nur so kann man eine Zwischenbilanz ziehen, seine Ziele überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Hilfreich ist es auch, diese Zwischenbilanzen jeweils schriftlich festzuhalten und allen Partnern – auch denen, die nicht am besagten Gespräch teilgenommen haben – zukommen zu lassen. Je nachdem wer zugegen ist, können Kommunikationsmedium, die gesprochene Sprache und der Ablauf des Gesprächs variieren. Neben den unbedingt notwendigen Zwischenbilanzen sollten auch regelmäßig alle Beteiligten über den Arbeitsfortschritt in den Partnerschulen informiert werden (z.B. über einen Newsletter) und sowohl die beteiligten als auch die nicht beteiligten SchülerInnen in den einzelnen Ländern sollten (beispielsweise mit Hilfe eines eigens dafür eingerichteten schwarzen Bretts) auf dem Laufenden gehalten werden. Hier geht es nicht nur um die Frage, welche Aufgaben als nächstes anstehen, sondern es geht auch darum zu motivieren und die Schulgemeinschaft am Projekt teilhaben zu lassen und wo nötig Unterstützung zu erhalten (von SchülerInnen und nicht direkt beteiligten KollegInnen). Natürlich sollten auch die Elternschaft und die Schulleitung der Schulen ebenso informiert werden, wie die nationalen Agenturen, die die Finanzierung bewilligt haben – dies gilt besonders bei Abweichungen vom ursprünglichen Projektplan.

Zur Organisation der direkten internen Kommunikation bieten sich vor allem kollaborative Plattformen wie der eTwinning-Twinspace an, zur konkretenTerminabsprache können Dienste wie doodle eingesetzt werden.

Da es sich bei europäischen Projekten um Projekte handelt, die über die Schulgrenzen hinaus Wirkung zeigen sollen, ist es neben der internen Kommunikation sehr wichtig, den Kontakt nach Außen auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene zu halten. Diese Kontakte verleihen dem Projekt Legitimität und stellen zugleich sicher, dass seine Ergebnisse wahrgenommen werden. Teil davon kann auch eine Werbekampagne für das Projekt mit Werbeartikeln aller Art (Taschen, Mützen … mit dem Logo des Projekts) sein. Im Gegenzug kann dadurch das Image der beteiligten Schulen gegenüber der Öffentlichkeit aufpoliert werden und es kann auch ganz unerwartet die eine oder andere helfende Hand (oder eine Finanzspritze in Form einer Spende [jegliche Zweitfinanzierung ist jedoch verboten!]) auftauchen, die dem Projekt zuarbeiten möchte. Die Frage, wie und wann geworben werden soll kann pauschal nicht beantwortet werden. Im Prinzip sollte man immer dann werben, wenn es notwendig erscheint und auf die Art und Weise, wie man die Zielgruppe am besten erreicht. Sei es nun über eine Anzeige in der örtlichen Zeitung, eine Webseite, einen Blog oder einen Flashmob auf dem Schulhof. Eine Möglichkeit, sein Projekt auf europäischer Ebene zu präsentieren ist die Seite von European Shared Treasure.

Hinweis zur Werbung im Internet mit Hilfe einer Webseite oder eines Blogs: Es muss auf jeden Fall sowohl ein einfach und auf jeder Seite zu findendes  Impressum geben als auch eine Kontaktadresse. Ebenso ist es hier besonders wichtig, dass die Rechte an Bild und Text nicht verletzt werden, d.h. dass gegebenenfalls die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten für Bildveröffentlichungen vorliegt und jegliche Veröffentlichung fremder Elemente mit einer Quellenangabe versehen sind.

M5 Dokumentation, Qualitätssicherung und Selbstevaluation (Stéphanie FAVRE)

Beim Prinzip der Qualitätssicherung geht es darum, zu garantieren, dass die gesteckten Ziele auch erreicht werden und dass bei negativen Tendenzen diesbezüglich sofort reagiert werden kann. Auf diese Idee aufbauend wurde der sogenannte Demingkreis erdacht, der zur kontinuierlichen Verbesserung animieren soll.

Bildquelle: Karn G. Bulsuk (http://www.bulsuk.com)

Die Qualitätssicherung ist bei Comenius-Projekten unabdingbar und wird auch immer mehr in den Schulsystemen verschiedener Länder verankert.

Bei der Qualitätssicherung hilft die Dokumentationspyramide bestehend aus

  • Bewerbungsunterlagen
  • Konkreter Arbeitsplan
  • Modelle, an denen sich die einzelnen Aufgaben orientieren
  • Aufzeichnungen, die beweisen, dass die vereinbarten Modelle angewandt worden sind

Die Qualitätssicherung erfolgt schließlich auf verschiedenen Ebenen

  • Projektebene: Vereinbarungen der Partner zu Kommunikation, Koordination, Archivierung … und interne Mechanismen der Qualitätssicherung
  • Nationale Ebene: z.B. Gütezeichen von Ministerien
  • Internationale Ebene: Normen zur Qualitätssicherung

Schwachpunkte sind für gewöhnlich eine zu hoher Anspruch, die beteiligten Akteure, Unsichtbarkeit, doch können diese durch regelmäßige Zwischenbilanzen (und notwendige, belegbare Modifikationen  des ursprünglichen Projektplans) ausgehebelt werden.

Ausgewertet werden in der Qualitätssicherung eines Projekts für gewöhnlich die Ergebnisse (Aktivitäten, Kompetenzen, Methoden), die Zusammenarbeit (u.a. Zufriedenheit der Partner) und die Nachhaltigkeit.

Bei dieser abschließenden Analyse schließt sich dann auch der Kreis und die in der Bewerbung angegebenen Ziele werden überprüft: sind Termine eingehalten, die angestrebten Endprodukte realisiert und der Finanzierungsplan respektiert worden? Wurden die pädagogischen Ziele erreicht? Wurde das Projekt als Ganzes so umgesetzt wie geplant?

Natürlich ist die Idealvorstellung auch, und vielleicht besonders bei einem Comenius-Projekt, dass die abschließende Analyse zeigt, dass das Projekt tatsächlich so realisiert wurde, wie vorgesehen. Da in der Realität jedoch nichts zu 100% so ablaufen kann wie geplant, vor allem wenn so viele einzelne Akteure beteiligt sind, ist es noch viel wichtiger zu zeigen, dass man die Ergebnisse der abschließenden Analyse nutzt, um daraus zu lernen, ebenso wie man die Zwischenbilanzen genutzt hat um das Projekt an die Gegebenheiten anzupassen.

Es hat sich bei früheren Projekten bewährt, die Qualitätssicherung über die zwei Jahre des Laufzeit sichtbar für alle durchzuführen und den ursprünglichen Auswertungsplan so zu gestalten, dass er flexibel genug ist, um ihn gegebenenfalls an veränderte Gegebenheiten anzupassen. Ebenso sollte von vorne herein festgelegt sein, wer welche Aufgabe hat und man sollte auch die Auswertungen der nationalen Agenturen in die eigene Qualitätssicherung mit einbeziehen. Beim abschließenden Bericht, der an die nationale Agentur geht, muss auf jeden Fall ein einziges schlüssiges Dokument abgegeben werden und nicht eine Ansammlung von aus den einzelnen Ländern kommenden Evaluationen.

Eine Hilfestellung bei der Frage, wie Comenius-Projekte evaluiert werden sollen, kann MICE-T geben und auch die SMART-Kriterien sind hier sehr hilfreich. Anhand der SMART-Kriterien kann beispielsweise eine Liste an konkreten (Teil)Zielen erstellt werden, die in einem zweiten Schritt anhand von bestimmten Indikatoren und mit Hilfe von geeigneten Werkzeugen in der jeweiligen Zielgruppe überprüft werden. Dabei solle darauf geachtet werden, dass im Verlauf des Projekts der Indikator jeder Zielgruppe konstant bleibt, die Art der Evaluation selbst (Autoevaluation, Fremdevaluation…) jedoch variiert. Eine Möglichkeit bei der Qualitätssicherung bezüglich des globalen Projekts ist es, zu bestimmten Zeitpunkten Zufriedenheits-Fragebögen an alle Partner zu schicken, jedoch darf die Evaluation sich nicht darauf beschränken.

Schließlich durften wir auch noch zwei Kolleginnen kennenlernen, die über ihre Projekte berichteten. Dabei handelt es sich zum einen um Corinne Lambin, die das Comenius-Projekt „To become a European Eco-Citizen“ vorstellte, zum anderem um Claudine Coatanea, die mit ihrem eTwinning-Projekt „Fairydusted Tales“ 2011 den eTwinning-Förderpreis gewann. Im Gespräch mit Mme Coatanea stellte ich dann sogar fest, dass sie wie ich 2011 am Colloque Cyber-Langues in Marly-le-Roi teilgenommen hatte.

Insgesamt war diese Fortbildung ein sehr bereicherndes Ereignis, bei dem ich nicht nur fachliches Wissen erwerben, sondern auch unschätzbare Kontakte knüpfen konnte, die mir und meinen unmittelbaren Kollegen sicherlich im einen oder anderen Fall in nicht allzu ferner Zukunft zugutekommen könnten. Ich habe auch schon einen ersten Kontakt zwischen einem Kollegen von meiner alten Schule und einer Teilnehmerin an ForMoove herstellen können, der vielleicht schon bald Früchte tragen könnte.

Die Fortbildung war überaus gut organisiert und wurde von einer zwar kleinen, aber überaus kompetenten Gruppe von Fortbildnern, Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet, durchgeführt. Sie verschafften uns in ihren Vorträgen das nötige Wissen, um in den praktischen Arbeitsphasen, die allesamt auch didaktisch sehr gut aufbereitet waren, effektiv arbeiten zu können. Schade war es lediglich, dass die Materialfülle so dicht war, dass nicht viel Zeit war, um Fragen zu stellen, die nicht unmittelbar die momentan behandelten Themen betrafen. Die Arbeitsatmosphäre innerhalb der ganzen Gruppe litt zudem leider etwas darunter, dass circa die Hälfte der TeilnehmerInnen aus Rumänien kamen und bereits etliche Comenius-Projekte durchgeführt zu haben schienen. Dadurch hatten sie bereits recht eingefahrene Vorstellungen, wie ein Projekt ablaufen sollte und waren weitaus weniger flexibel als die anderen, zumeist unerfahrenen Teilnehmer. Leider war es jedoch auch durch diese unflexible Haltung recht schwierig aus ihren Erfahrungen zu lernen. Allerdings hatte ich das Glück, mich in einer gemischten und sehr gut zusammenarbeitenden Gruppe von Kollegen wiederzufinden.

Hinsichtlich des Inhalts der einzelnen Module fand ich die Materialien, mit denen wir versorgt wurden, sehr umfangreich, was sicherlich hilfreich sein wird, sobald man den ersten Projektantrag tatsächlich ausfüllen möchte. Die überaus kompakte Information, wie viel Arbeit allein schon in die Vorbereitung eines Projektantrags gesteckt werden muss und wie akribisch alles vorbereitet, durchgeführt und dokumentiert werden muss, hat sicherlich im Laufe der ersten zwei Tage nicht nur mich etwas abgeschreckt und ich fragte mich, wie ich diese ganze zusätzliche Arbeit neben meinem Vollzeitjob überhaupt erledigen sollte. Jedoch begriff ich im Laufe des dritten Tages langsam, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird und dass es natürlich unumgänglich ist, sich an die Bewerbungsmodalitäten zu halten, die richtige Terminologie (mein Schwachpunkt…) zu wählen und anschließend zwei Jahre lang den vorher erarbeiteten Plan einzuhalten. Allerdings wurde mir auch klar, dass viele der Dinge, die zu berücksichtigen sind für mich eine Frage des gesunden Lehrerverstands sind. Ich gehe davon aus, dass die Durchführung eines Comenius-Projekts (das laut Aussagen unserer Fortbilder als Beispiel gewählt wurde, weil das Antragsverfahren und die Durchführung am umfassendsten sind) nicht nur Überlehrern vorbehalten sein soll, deren Tag 48 Stunden hat oder die nachts am Projekt arbeiten und dann tagsüber gut vorbereitet ihren normalen Unterricht halten und in diesen Unterricht gekonnt und termingerecht die notwendige Projektarbeit einbinden. Sofern man ein Projekt, das einen selbst interessiert und motiviert, mit Kollegen plant und durchführt, mit denen man gut zusammenarbeitet – und mit der Unterstützung der jeweiligen Schulleitung und weiteren Helfern aus dem Kollegium – und solange die Kommunikation erhalten bleibt, dürfte es absolut machbar sein, Erfolg zu haben.

Ein klein wenig war ich zugegebenermaßen vom letzten Modul zur virtuellen Mobilität enttäuscht, da hier lediglich Basics, vor allem zwar interessante, jedoch bei weitem nicht die besten, Web 2.0-Tools vorgestellt wurden, die ich zudem allesamt schon längst kannte, sei es aus eigener Erfahrung oder aus diversen Fortbildungen, über die ich auch berichtet habe. Allerdings war ich in diesem Fall mit meinem Vorwissen und meiner Erfahrung aus meinem eigenen Unterricht vielleicht auch einfach nicht die Zielgruppe. Die wenigsten der anderen TeilnehmerInnen kannten diese Online-Tools und waren überaus begeistert ob dessen, was man ihnen mitteilte. Ich nehme an, dass für meinen Kenntnisstand in diesem einen Aspekt auch eher die Fortbildung for-e-site die richtige Wahl wäre – weshalb ich mich auch umgehend darum bemühen werde, zum nächstmöglichen Termin an ihr teilzunehmen.

Das von meiner Arbeitsgruppe während der Fortbildung erarbeitete fiktive Projekt sieht folgendermaßen aus:

EDUCIMULTINE

(Education à la citoyenneté par l’apprentissage du multiculturalisme national et européen, Dt. : Erziehung der SchülerInnen zu verantwortungsbewussten Staatsbürgern durch das Kennenlernen von nationaler und europäischer Multikulturalität)

Beteiligte Länder

Frankreich, Deutschland, Tschechische Republik, Rumänien

Themen

  • Minderheiten
  • Toleranz
  • Immigration
  • Integration
  • kulturelle Praktiken
  • Traditionen
  • Medien (= der Blick auf „das Andere“)

Endprodukte

  • Gemeinsam erstellte Zeitung
  • Reportage
  • Gemeinsam erstellte und gespeiste Webseite
  • DVD mit künstlerischen Darbietungen (Theater, Tanz…)
  • Gleichzeitige Ausstellung in den verschiedenen Schulen mit Liveschaltung per Videokonferenz

 Langfristige Ziele

  1. Die SchülerInnen lernen die kulturelle, sprachliche … Diversität der verschiedenen Ländern kennen
  2. Die SchülerInnen lernen, Stereotypen zu überwinden und entwickeln Verständnis für andere und Toleranz und Respekt gegenüber anderen Völkern ( à Blick auf sich selbst und auf „das Andere“)
  3. Die SchülerInnen entwickeln eine europäische Identität indem sie gemeinsame und divergierende Werte entdecken
  4. Die SchülerInnen entwickeln unter Berücksichtigung der multikulturellen Beschaffenheit eines jeden Landes eine neue Weltanschauung
  5. Die SchülerInnen verleihen dieser neuen Weltanschauung Ausdruck und verbreiten sie

Kurz- und mittelfristige Ziele (SMART)

  • Nach drei Monaten können die SchülerInnen nach angeleiteten Recherchephasen die historischen, kulturellen, gesellschaftlichen, georgraphischen und sprachlichen Gegebenheiten von jedem beteiligten Land präsentieren
  • Nach sechs Monaten kennen die SchülerInnen Stereotypen zu jedem Land und können sie entweder bestätigen oder widerlegen, um sich dadurch abzulegen
  • Entwicklung der Fähigkeit, fächer- und länderübergreifend zusammen zu arbeiten (SchülerInnen und LehrerInnen)
  • Verbesserung des Umgangs mit den neuen Medien, der Kommunikationskompetenz in der Fremdsprache, der Lese- und Schreibkompetenz durch die Erarbeitung von innovativen und eigenständigen Materialien (DVD, Webseite, interaktive Ausstellung, Zeitschrift, Videokonferenzen, Europäischer Reiseführer…)
  • Nutzen für die beteiligten LehrerInnen und ihre KollegInnen

Link zur ausführlichen Projektbeschreibung auf Französisch