Seit circa drei Monaten beschäftige ich mich eingehender mit den Möglichkeiten und Grenzen von Podcasts im Fremdsprachenunterricht. Nach mehreren Fortbildungen (z.B. an der Virtuellen PH Österreich) zu diesem Thema bin ich mir sicher, dass der Einsatz von Podcasts und Audiodateien nicht nur das Hörverständnis, sondern auch die aktive Sprachproduktion verbessern kann.

Ich hätte gerne  ein Projekt mit Audiodateien von Audio-Lingua gestartet, dies scheiterte jedoch leider an organisatorischen Problemen: Weder meine Schule noch ich selbst verfügen über einen Klassensatz an MP3-Playern und mehrere meiner SchülerInnen besitzen kein digitales Abspielgerät. Ich werde mich bis zum Beginn des neuen Schuljahres mit der Frage auseinandersetzen, wie ich an einen Klassensatz MP3-Player kommen kann.

Da leider auch die Computerräume meiner Schule nur unzulänglich für Podcast-Experimente ausgestattet sind, beschloss ich, meine Abschlussklasse in Eigenregie eine Serie an Podcasts zum abiturrelevanten Literaturthema „One Language Many Voices“ anfertigen zu lassen. Ich überwachte lediglich den sprachlichen Inhalt und gab Tipps zur kreativen Umsetzung, die Aufnahme musste jedoch ohne meine Anleitung am heimischen Computer stattfinden. Die Klasse hat diese Aufgabe bravourös gemeistert und qualitativ recht hochwertige Aufnahmen abgegeben.

Dieser erste „Erfolg“ ermutigte mich dazu, auch ein Projekt in meinen drei Französisch-Mittelstufeklassen in Angriff zu nehmen. Da die französische Geschichte in unseren momentanen Lehrwerken eher stiefmütterlich behandelt wird und kaum ein Schüler einen Überblick über wichtige Entwicklungen der französischen Geschichte jenseits von aus dem Geschichtsunterricht bekannten Ereignissen wie der Französischen Revolution hat, beschloss ich, dieses Thema mit meinen drei Klassen arbeitsteilig zu erarbeiten.

Als Ausgangspunkt diente mir eine in Frankreich gekaufte Schreibtischunterlage für Kinder, die die wichtigsten Ereignisse der französischen Geschichte sowie einige Meilensteine der europäischen und Weltgeschichte beinhaltete. Diese Themen wurden auf die drei Klassen verteilt und die SchülerInnen erhielten den Auftrag, innerhalb einer überschaubaren und nicht zu knappen Zeit einen kurzen Text zu ihrem Thema zu verfassen. Ursprünglich war es Teil der Aufgabe, die Bedeutung des jeweiligen Themas für die gesamte französische Geschichte in einem abschließenden Satz zu erläutern. In meiner neunten Klasse erledigten die meisten SchülerInnen die Aufgabe paarweise, während die sehr guten SchülerInnen dieser Klasse und alle SchülerInnen aus meinen beiden zehnten Klassen alleine arbeiteten.

Nachdem mir fast alle SchülerInnen mehr oder minder pünktlich einen ersten Entwurf ihres Themas per Email zugeschickt hatten, erhielten sie eine sprachlich überarbeitete Version zurück, teilweise mit der Bitte, inhaltliche Veränderungen vorzunehmen. Die Endversion sollte mir nochmals zugeschickt werden, sodass nur sprachlich und inhaltlich einwandfreie Texte aufgenommen werden würden.

Im Anschluss daran sollten die SchülerInnen mit Hilfe des Google-Übersetzers die Aussprache ihres Textes üben. Vorgesehen war auch eine Übungsphase im Unterricht mit Peer-Korrektur, die leider aufgrund von Stundenausfällen und dem Paris-Austausch, um den ich mich parallel kümmern musste, ausfiel. Im Anschluss an diese bewusste Beschäftigung mit der Aussprache sollten dann die Audiodateien zu Hause oder mit geliehenen Headsets in der Mittagspause in der Schule aufgenommen werden. Eine Aufzeichnung im Computerraum wäre unmöglich gewesen, da bei Einzelaufnahme die Nervosität der einzelnen SchülerInnen aufgrund der Anwesenheit der anderen SchülerInnen zu groß gewesen wäre und eine gleichzeitige Aufnahme für zu große Hintergrundgeräusche gesorgt hätte.

Die Aufnahme erfolgte wo möglich mithilfe von einer auf meiner Webseite eingebauten Audio-Dropbox, die mir eine fertige MP3-Datei zum Download bereitstellte. Als Alternative – weil z.B. an den Schulcomputern die Flashplayer versagten – bot ich eine Aufnahme über Audioboo an. Da auch dies aufgrund aus unerfindlichen Gründen nicht funktionierender Headsets nicht bei allen SchülerInnen funktionierte, bot ich als letzten Ausweg die Aufnahme über mein eigenes Mobiltelefon an – hier jedoch in meiner Anwesenheit.

Die meisten der SchülerInnen schickten mir qualitativ relativ hochwertige Aufnahmen, abgesehen von Rauschen oder Lautstärkemängeln, die ich im Nachhinein durch Bearbeitung mit Audacity meist beheben konnte. Einige SchülerInnen schickten mir mit dem iPhone aufgenommene Dateien im mp4-Format, die ich der Einfachheit halber selbst mit einem Konverter in MP3-Dateien konvertierte.

Mein ursprünglicher Plan, das Projekt innerhalb eines Monats fertigzustellen, scheiterte leider kläglich. Dies lag jedoch weniger an äußeren Umständen als vielmehr an der Tatsache, dass einige SchülerInnen es nicht gewohnt sind, Termine einzuhalten und ich sie immer wieder an ihre Versäumnisse erinnern musste. Einige SchülerInnen weigerten sich leider sogar bis zuletzt standhaft, am Projekt teilzunehmen, weshalb ich ihre Themen dann auf freiwilliger Basis an andere SchülerInnen verteilte und die Mehrarbeit entsprechend belohnte.

Allgemein war das Projekt auf jeden Fall ein Erfolg, da zum ersten Mal jeder (teilnehmende) Schüler seine mündliche Ausdrucksfähigkeit zeigen konnte. Dabei stellte ich fest, dass einige sehr schwache SchülerInnen eine hervorragende Aussprache haben, während eher leistungsstarke SchülerInnen teilweise enorme Probleme mit der Aussprache hatten.

Obwohl ich mit dem Ergebnis eigentlich sehr zufrieden bin, gibt es einige Dinge, die ich aus diesem ersten klassenübergreifenden Projekt gelernt habe und die sicherlich beim nächsten Mal berücksichtigt werden müssen.

Erstens sollten die SchülerInnen über grundlegende Kenntnisse in Punkto Sprachaufnahme verfügen bzw. man sollte ihnen in mindestens zwei Unterrichtsstunden die Gelegenheit geben, unter Anleitung erste Gehversuche zu machen, um z.B. die optimale Position des Mikros herauszufinden, die notwendige Sprachlautstärke und auch den Umgang mit einem Tool wie Audacity – nicht zuletzt zu Diagnosezwecken hinsichtlich der Sprachqualität indem man die Audiodarstellung kurz thematisiert.

Zweitens muss eindeutig mehr Zeit für die Aussprache eingeplant werden. Wenn es in der Klasse viele SchülerInnen gibt, die über eine gute Aussprache verfügen, so kann man die Aussprache eventuell in Partnerarbeit üben lassen, haben viele SchülerInnen Probleme mit der Aussprache, sollte darüber nachgedacht werden, nochmals grundlegende Ausspracheregeln zu wiederholen und dann in variierenden Gruppen-, Partner- und Plenumsphasen die Aussprache so lange zu üben, bis sie nahezu perfekt ist. Dies sehe ich als keine Zeitverschwendung an, da die SchülerInnen durch die Beschäftigung mit einem kurzen Text Kenntnisse erwerben, die sie auf andere Texte übertragen können. Besonders bei Klassen, in denen es nicht ausreicht, z.B. den Google-Übersetzer vorsprechen zu lassen, weil die SchülerInnen das Gehörte nicht 1:1 imitieren können (owbohl sie keinerlei Unterschied zwischen ihrem Text und dem vorgelesenen Text wahrnehmen), könnte ich mir auch gut vorstellen, dass eine erste Aufnahme erstellt und abgegeben wird, die dann von mir mit gesprochenen Korrekturen zurückgeschickt wird. Dies würde zwar einen immensen Arbeitsaufwand für den Lehrer bedeuten, jedoch wird dann an andere Stelle wieder Zeit eingespart, da z.B. kein Transkript erstellt werden muss, wie wir dies zur Sicherung des Verständnisses einzelner Teile getan haben.

Drittens würde ich bei einem weiteren Projekt die Podcasts in einen größeren Themenkomplex zur Geschichte (mit Texten usw.) einbinden und auch von Anfang an klar machen, was mit dem Endprodukt geschehen soll. Ich plane momentan, die fertige Podcastserie mit meinen SchülerInnen im Unterricht anzuhören und eine kurze Feedbackrunde anzuschließen um Probleme, die ich nicht bedacht habe, beim nächsten Mal auszuschließen. Wenn die Podcastserie jedoch Teil einer thematischen Einheit wäre, so könnte die Motivation der SchülerInnen eventuell steigen, wenn in Aussicht gestellt wird, dass die neu erworbenen inhaltlichen Kenntnisse klassenarbeitsrelevant sind und sowohl der Produktionsprozess (z.B. durch Führen eines Produktionstagebuchs) als auch der Podcast selbst in die Klassenarbeitsnote mit einfließen.

Viertens wäre es aus all diesen und weiteren Gründen sicherlich gut, das Projekt in einen Zeitraum zu legen, wo alle Beteiligten und besonders der betreuende Lehrer genügend Zeit hat, um sich auf die Korrekturphasen zu konzentrieren und den Arbeitsablauf kleinschrittiger und für die SchülerInnen nachvollziehbarer (mit konkretem Zeitplan über mehrere Wochen hinweg) zu gestalten. So kämen inhaltlich und sprachlich sicherlich noch hochwertigere Podcasts heraus. Unter anderem habe ich diesmal aus Zeitmangel zu wenig darauf geachtet, dass das Fazit zu jedem Beitrag vorhanden war und die Bedeutung des Ereignisses oder der Person für die französische Geschichte bis heute klar daraus hervorgeht. Ebenso wäre es im Rückblick sicherlich gut, den SchülerInnen eine klarere Struktur und strukturierende Elemente vorzugeben, sodass die Beiträge einheitlicher klingen. Schließlich wäre es auch eine gute Idee, computertechnisch besonders versierte SchülerInnen das Projekt selber schneiden und gestalten zu lassen, anstatt dies selbst zu tun.

Der Arbeitsauftrag: Projet Balladodiffusion 910

Die Podcastserie 

Das Transkript: Histoire9a10a10b

Im Anschluss an die Aufzeichnung der Podcasts nahmen wir den zweiten Teil des Projekts in Angriff. Die SchülerInnen erhielten die Aufgabe, ihre jeweiligen Themen auf ca. 130 Zeichen zu reduzieren, um sie im Anschluss mit dem Hashtag #histfra und dem Hashtag ihrer Klasse über Twitter zu veröffentlichen. Sie konnte dies entweder in beschreibender Form tun oder auch eine für ihr Thema bedeutende Person in wörtlicher Rede „sprechen“ lassen. Dies erlaubte es ihnen, ihr Thema nochmals kurz zusammenzufassen und sie mussten sich dabei sehr kurz und dennoch in korrektem Französisch ausdrücken. Die Tweets wurden von mir kontrolliert und eingesammelt. Um die Chronologie einhalten zu können, erfolgte dieser Schritt nicht zu Hause, sondern ich  nutzte den Computerraum bzw. ein Klassenzimmer mit einem Computer. Wir begannen beim aktuellsten Thema und gingen in der Zeit rückwärts, da ich die Tweets mit Hilfe von Tweetdoc sammeln wollte und dort die Tweets automatisch von neu bis alt angeordnet sind.

Auch bei diesem Teil des Projekts verlief nicht alles reibungslos. Ich hatte zwar daran gedacht, die Tweets für den Fall, dass ein Schüler in der darauffolgenden Stunde erkrankt sein sollte, einzusammeln, jedoch hatte ich nicht mit der Verlegung einer Stunde gerechnet, die die geplante Chronologie komplett durcheinander brachte. Hinzu kam noch die Tatsache, dass in einer Stunde nicht alle SchülerInnen dazu kamen, ihren Tweet zu schreiben, da sie nur langsam tippten wenn ich daneben stand und ich vor dem Abschicken des Tweets darauf bestand, die Rechtschreibung zu überprüfen. So zog sich der Twitter-Teil des Projekts anstatt über einen Tag über eine ganze Woche hin. Überdies hatten einige SchülerInnen ihre Twitter-Zugansgdaten nicht mitgebracht oder verloren, sodass sie über einen fremden, meist meinen Account twittern mussten. Schließlich stellte ich beim anschließenden Abruf des Tweetsdocs fest, dass einige Tweets verloren gegangen waren, da Tweetdoc die Twitter-Hashtagsuche benutzt und diese bei schnell aufeinanderfolgenden Tweets mit demselben Hashtag leider recht unzuverlässig ist.

Die TweetsHistoire-de-France