Seit einiger Zeit gibt es für Präsentationen eine Alternative zu PowerPoint und dessen Open Source-Pendant OpenOffice/LibreOffice Impress: das plattformunabhängige Präsentationsprogramm Prezi. Ich habe bereits an mehreren Fortbildungen teilgenommen, in denen Prezi verwendet wurde und obwohl ich mich bisher nicht wirklich mit dieser eher unruhigen Art der Präsentation anfreunden und mich eines gewissen Schwindelgefühls beim Anblick von Prezis nicht erwehren konnte, war es dennoch höchste Zeit, mich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen – bevor ich mir Jürgen Wagners Vortrag zu Prezi beim Colloque CyberLangues im August in Aix-en-Provence zu Gemüte führen werde.

Im Prinzip handelt es sich bei Prezi – anders als dem aus einzelnen Folien bestehende PowerPoint – um eine Art unendlich großes Poster oder Whiteboard, auf dem man sowohl Text als auch Fotos, (Online)Videos, Diagramme, Dokumente und Präsentationen beliebig einfügen kann. Anschließend legt man fest, auf welche Bereiche des Posters nacheinander gezoomt werden soll. Bei der Präsentation wird dann anstatt die Folien zu wechseln, die Zoombewegung ausgeführt und man erhält die Detailansicht eines Bereichs.

Bei der Anmeldung bekommt ein „normaler“ Nutzer einen Speicherplatz von 100MB zur Verfügung gestellt, ein Benutzer aus dem Edu-Bereich sogar 500MB, dies allerdings laut den Angaben der Webseite nur mit einer offiziellen Schulemailadresse (über die Schulen in Deutschland nicht unbedingt verfügen). Der kostenlose Edu-Account bietet außerdem die Möglichkeit, die Prezis privat zu halten und ein eigenes Logo zu verwenden. Braucht man mehr Speicherplatz, so kostet dies zwischen $59 und $159 pro Jahr.

Vorteile liegen darin, dass diese Präsentationslösung kostenlos, plattformunabhängig und online nutzbar ist und man synchron kollaborativ an Prezis arbeiten kann. Ebenso ansprechend ist die intuitive Bedienung des Editors, die gestalterischen Möglichkeiten und die Tatsache, dass Videos und andere Medien tendenziell wohl weitaus zuverlässiger funktionieren, da sie nur den Flashplayer benötigen anstatt im letzten Moment einen Codec zu verlangen, der auf dem verwendeten Computer nicht installiert ist, den man aber auch nicht installieren kann, weil man nicht über Administratorrechte verfügt. Schließlich dürfte sich diese Methode auch gut eignen für Vorträge zu Themen, bei denen es wichtig ist, dass man neben Detailinformationen auch den Bezug zum Gesamtbild nicht verliert. Dies gestaltet sich bei PowerPoint zugegebenermaßen meist recht steif.

Zu den Nachteilen gehören sicherlich die Abhängigkeit von einer gut gepflegten technischen Ausstattung (inkl. Flashplayer usw.) und einem Internetzugang. Wer die Offline-Version nutzen möchte, der muss tiefer in die Tasche greifen und das Jahreabo für $159 erwerben.

Im Endeffekt denke ich, dass Prezi durchaus seine Vorteile hat, besonders wenn es um ansprechende Präsentationen im Schulbereich geht, die besonders in der Unter- und Mittelstufe oft eher kreativ sein sollen. Anstatt herkömmliche Poster zu gestalten, können die SchülerInnen mit Prezi digitale Elemente einbinden und sie dann per Beamer präsentieren, anstatt alle um ein kleines Poster an der Tafel zu stehen und auf einzelne Punkte hinzuweisen, die besonders aus den hinteren Reihen nicht mehr erkennbar sind. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Prezis auch nach der Präsentation im Internet abrufbar sind und so von den SchülerInnen nochmals angeschaut werden können, z.B. um auf Klassenarbeiten zu lernen.

Allerdings ist hier zu bedenken, dass die SchülerInnen zum einen vorher gut über Datenschutz und Copyrightfragen informiert sein müssen und dass sie auch lernen müssen, mit Hilfe von digitalen Medien zu präsentieren – angefangen von der Tatsache, dass man am besten einen Computerbildschirm vor sich hat und die Beamerprojektionsfläche im Rücken, über die Verwendung von Laserpointer und Co bis hin zur richtigen Auswahl und ansprechenden Gestaltung der Prezis selbst. Schließlich sollte nicht vergessen werden, den SchülerInnen neben dem Umgang mit Prezi auch Alternativen für strukturiertere Präsentationen (wie z.B. Impress oder PowerPoint) und deren Verwendung vorzustellen, die Unterschiede zu thematisieren und ihnen Kategorien zur Auswahl des richtigen Mediums an die Hand zu geben. Denn je nach Thema und Art des Vortrags kann die eine oder andere Präsentationsform vorteilhafter sein.

Auch wenn ich diese Fortbildung nicht nur inhaltlich sehr präzise und interessant fand, sondern sowohl die gute Moderation durch Alf Peherstörfer und den hervorragenden Vortrag von Stefan Schmid sehr schätzte – nicht nur aufgrund der deutlich erkennbaren Struktur, sondern auch dank der ruhigen und angenehmen Art des Vortrags, dem ich sehr gern lauschte – so denke ich, dass Prezi durchaus seine Grenzen da hat, wo eine Struktur von Nöten ist und Arbeitstechniken vermittelt werden sollen. Dies ging übrigens auch aus dem Vortrag selbst hervor, der nicht durch eine Prezi-Präsentation unterstützt wurde, sondern aufgrund der Notwendigkeit einer klaren Struktur und einer „hands-on“-Demonstration der Anwendung mit Screensharing einher ging.

Sicherlich werde ich meinen SchülerInnen diese Art der Präsentation nicht vorenthalten und sie demnächst einmal mit ihnen austesten. Jedoch gehöre ich wohl eher zu den Menschen, die Struktur brauchen und lieben (auch wenn mein Arbeitsplatz und mein Arbeitsalltag eher vermuten lassen, dass ich ins Camp der kreativen Chaoten gehöre:)) und daher bei PowerPoint bleiben werden – zumal der Fortbildungs- und herkömmliche Präsentationsbereich per se weniger Kreativität als Geradlinigkeit in den Vordergrund stellen.

Hier der Link zur wirklich hervorragenden eLecture, die alle von mir nur kurz erwähnten Features und die Bedienung von Prezi äußerst einfach und dennoch detailliert erklärt.