Am 17. April 2012 präsentierte Stephan Waba, Lehrer für Englisch und Deutsch sowie eLearning-Experte, insgesamt 11 Teilnehmern das Konzept eines digitalen Werkzeugkastens. Bei der – übrigens hervorragenden – Fortbildung des LPM Saarbrücken am 19. April mit Chris Jaeglin ging es ebenfalls um solch einen digitalen Werkzeugkasten, jedoch etwas spezifischer um den eines Fremdsprachenlehrers. Stephan Waba hingegen stellte Werkzeuge für Lehrer im Allgemeinen vor.

Dieses Konzept beruht auf der medientheoretischen Idee der persönlichen Lernumgebung eines jeden Lerners, die der ganz individuelle Schlüssel zum Lernen einer jeden Person ist. Dies ist für einen optimalen Lernerfolg unabdingbar, da jeder Mensch anders lernt und dafür andere Werkzeuge braucht. Wo früher noch Karteikarten, ein Bibliotheksausweis und Literaturlisten genutzt werden, wird heute vornehmlich auf das Web 2.0 zurück gegriffen.

Anders als bei einer Lernplattform wie moodle, die von einer Lerninstitution gestaltet, betrieben und zur Verfügung gestellt wird, ist der Inhalt des digitalen Werkzeugkastens allein davon bestimmt, was ein Lerner zum Lernen braucht. Allerdings schließen sich der digitale Werkzeugkasten und die Lernplattform keineswegs gegenseitig aus, sondern ergänzen sich vielmehr. Mit den Hilfsmitteln in seinem persönlichen digitalen Werkzeugkasten kann sich ein Lerner die Inhalte einer ihm zur Verfügung gestellten Lernplattform optimal erarbeiten.

Es geht bei diesem digitalen Werkzeugkasten um Hilfmittel, die helfen Inhalte zu sammeln, aber auch zu kommunizieren, sich zu organisieren und Medien zu nutzen. Als LehrerInnen brauchen wir beides, da wir sowohl selbst unter Verwendung dieser Hilfsmittel neue Dinge lernen, aber gleichzeitig unseren SchülerInnen vermitteln sollen und wollen, wie man effektiv lernt. Die von uns aktiv gesammelten Erfahrungen bei der Nutzung der neuen Medien fließen somit in unseren Unterricht ein und verbreiten sich – genauso wie der Inhalt dieser Fortbildung den Teilnehmern Vorschläge machte, die Jeder für sich adaptieren wird und dadurch nicht nur selbst positiv beeinflusst, sondern diesen methodischen Zugewinn direkt oder indirekt auch an seine SchülerInnen weitergeben wird.

Eine Möglichkeit, sich eine übersichtliche Arbeitsoberfläche zu schaffen, ist die Anlegung eines virtuellen Schreibtischs mit Hilfe von Diensten wie Protopage oder iGoogle. All diese Dienste sind intuitiv zu bedienen und interaktiv. Über diesen virtuellen Schreibtisch kann man teilweise auch Foren anlegen oder interaktive Terminlisten erstellen, die bei Bedarf von anderen Nutzern eingesehen werden können. Während es sich bei Pakeflakes (leider momentan offline) um eine einfache Startseite handelt, ist Protopage etwas komplexer: Hier kann ich ein ganzes e-Portfolio anlegen, das ich auch nach und nach – z.B. im Laufe einer Unterrichtseinheit – veröffentlichen kann.

Für die Koordination von Terminen, besonders in größeren Gruppen, bietet sich ein Dienst wie Googles „Doodle“ an. Hier kann man einbettbare Umfragen starten und automatischen auswerten lassen. Der so vereinbarte Termin kann dann in einen öffentlichen oder mit bestimmten Personen geteilten Kalender (z.B. GoogleCalendar) übernommen werden und auch per im iCal-Format exportiert und z.B. in Outlook importiert werden.

Wer viel im Internet surft, der stößt hier und da (und überall… ;)) auf interessante Links, die Kollegen mit den gleichen Interessen ebenfalls interessieren könnten. Anstatt diese Links z.B. per Email weiterzuleiten, bietet es sich an, bei sogenannten Social Bookmarking – Diensten ein Konto anzulegen und gemeinsam Links zu sammeln. Dies ist z.B. möglich bei Delicious oder Mister Wong (hier können auch Dokumente integriert werden). Social Bookmarking – Dienste können auch eine interessante Alternative zu Suchmaschinen sein, da hier gezielter in zu bestimmten Themen angelegten Linklisten gesucht werden kann und man sich nicht auf das Suchscript einer großen Suchmaschine verlassen muss. Aufgrund der Tatsache, dass man hinter den Links die Anzahl der Accounts findet, die einen bestimmten Link in ihren Favoriten gespeichert haben, ergibt sich zudem ein Anhaltspunkt, um die Relevanz einer Seite einzuschätzen. Außerdem kann man so zu weiteren Nutzern gelangen, deren Linklisten aufgrund der offenbar ähnlichen Interessen ebenfalls hilfreich sein könnten. Schließlich kann man sich auch per RSS-Feed über Aktualisierungen der Linklisten informieren lassen, so dass man nicht jede Linkliste manuell auf Neues durchsuchen muss.

Arbeitet man gerne konstruktiv mit Anderen zusammen, ist es auch eine Möglichkeit, gemeinsam Mindmaps zu erstellen. Dies kann u.a. bei Diensten wie Mindmeister oder Popplet  getan werden. Meist bieten diese Dienste auch den Export als PDF oder JPG-Datei, Einbettcodes und dergleichen an. Die kostenfreien Accounts sind zwar meist in der Anzahl der anlegbaren Mindmaps begrenzt, jedoch stellt dies aufgrund der Exportmöglichkeit kein Problem dar, es sei denn man möchte konstant an vielen Mindmaps parallel über einen längeren Zeitraum hinweg arbeiten.

Wer auf Prüfungen lernt, der weiß, dass die Organisation des Lernens und Wiederholens sehr wichtig ist, handelt es sich nun um Grammatik, Wortschatz oder komplexere Themen. Hier helfen oft Lernkarteien. Dank der virtuellen Revolution kann man heute bei vielen Internetdiensten Lernkarteien anfertigen, so z.B. bei Beaversity und Cobocards. Wie gut eine solche virtuelle Lernkartei ist, hängt stark von dem von ihr benutzen Wiederholungsalgorithmus ab. Einige Seiten bieten auch eine automatische oder manuelle Ermittlung des Lernerfolgs an, was sehr motivierend wirken kann. Eine gute Idee ist es beispielsweise, die Vokabeln eines Schuljahres auf die SchülerInnen zu verteilen und die so erstellten Lernkarten mit der gesamten Klasse zu teilen. So muss der einzelne Schüler nicht allzu viel Arbeit investieren und kann seine Energie auf das Lernen an sich verwenden. Bei Cobocards gibt es sogar die Möglichkeit, eine App für das Mobiltelefon (iPhone, Android) herunterzuladen und so auch unterwegs zu lernen.

Möchte man nicht nur Lernkarteien gemeinsam verwenden, sondern auch Dateien austauschen, so bieten sich Dienste wie Dropbox an. Hier kann man zum einen den Online-Speicher mit einem Ordner auf dem PC synchronisieren, kann auf die eigenen Dateien jedoch auch von Smartphone und Tablet sowie online zugreifen. Ordner können zudem geteilt und somit gemeinsam genutzt werden, was zum Datenaustausch ideal ist. Ein Highlight von Dropbox ist, dass es einen Versionsverlauf gibt, sodass man auf ältere Versionen von mittlerweile bearbeiteten Dokumenten zurückgreifen kann. Die kostenlose Variante von Dropbox (Sie haben noch kein Konto bei Dropbox? Melden Sie sich an!) bietet 2GB Speicherplatz, der durch die Werbung von Neukunden und einen Trick jedoch leicht auf mindestens 5GB erhöht werden kann. Alternativ kann man seit Kurzem auch GoogleDrive nutzen.

Schließlich kann man auch in Livekonferenzen zusammenarbeiten. Natürlich kann man dafür Skype mit Screensharing nutzen, die komfortablere Version ist jedoch ein Dienst wie Scribblar, der ein gemeinsam von allen nutzbares Whiteboard integriert. So kann man auch z.B. Kurse abhalten bzw. zur Wiederholung rekonstruieren.

Obwohl ich einige dieser Dienste bereits vom Hörensagen kannte oder schon seit längerer Zeit nutze, so habe ich wieder einige Dinge hinzugelernt. Außerdem hat mir die erneute Erwähnung von Social Bookmarking und Cobocards (schon begegnet bei einer anderen Fortbildung von Stephan Waba) ins Gedächtnis gerufen, dass ich mich vielleicht doch einmal näher mit diesen Themen befassen sollte, da sie sehr vielversprechend klingen.

Insgesamt wieder eine gelungene und interessante Fortbildung mit Stephan Waba.