Am 20.04.2012 nahm ich an einer von Sandra Paulhart-Hebenstreit angebotenen eLecture des Projekts Virtuelle PH Österreich zum Thema Podcasting teil. Obwohl nur zwei Teilnehmerinnen sich zu Beginn des wohlverdienten Wochenendes einfanden, fand die Fortbildung wie geplant statt. Für mich gehört sie zu den gelungensten eLectures, die ich bisher besucht habe, nicht zuletzt deshalb, weil man deutlich merkte, dass die Referentin nicht nur wusste, wovon sie spricht, sondern auch methodisch versiert war und mit dem Thema bereits selbst viel Erfahrung hat.

Bei der Verwendung von Podcasts im Unterricht handelt es sich um eine Methode, die – anders als der herkömmliche Unterricht – das Hör- und Sprechvermögen unserer SchülerInnen trainieren soll. Dies ist besonders im Fremdsprachenunterricht von großer Bedeutung, da es laut Bildungsplan unsere Aufgabe ist, die SchülerInnen dazu zu befähigen in der Fremdsprache zu kommunizieren. Leider ist es jedoch so, dass in der Praxis nicht alle SchülerInnen in jeder Schulstunde aktiv teilnehmen können (z.B. aufgrund von Klassenstärken von mehr als 30) oder wollen (z.B. aus Schüchternheit oder der Angst, Fehler zu machen).

Früher gab es für das Trainieren der Sprechfertigkeit an vielen Schulen noch ein Sprachlabor und das Hörverstehen wurde im Unterricht mit der gesamten Klasse mit Hilfe von Tonträgern geübt. Dies lag unter anderem darin begründet, dass die Vervielfältigung von Tonträgern aus Copyright- und technischen Gründen so gut wie unmöglich war. Nun ist es jedoch so, dass Sprachlabore schon längst der Vergangenheit angehören, auch deshalb, weil wir und inzwischen bemühen, uns dem einzelnen Schüler zu widmen und Binnendifferenzierung in unseren Unterricht einzubinden, damit jeder Schüler seinen Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechend gefördert werden kann. Zumindest sollte es so sein – leider ist auch dies in der Praxis nur vereinzelt möglich, da wir uns an den 45-Minuten-Rhythmus der Schulstunden halten müssen, es oftmals mit sehr großen Klassen zu tun haben und unsere Arbeitstage es für gewöhnlich nicht erlauben neben Korrekturen, der Vorbereitung der Stunden des nächsten Tages und unserem dabei meist sowieso zu kurz kommenden Privatleben auch noch jedem einzelnen von bis zu 200 Schülern gerecht zu werden.

Eine Möglichkeit, die Hör- und Sprechfähigkeit zu verbessern bieten hierbei Podcasts, die man sowohl konsumieren als auch selbst produzieren kann. Der Konsum von authentischen Hörtexten wurde durch das rasche Wachstum des Web 2.0 immens erleichtern, da wir heute im Internet die Qual der Wahl haben, wenn wir nach MP3-Dateien suchen. Hier ist es besonders wichtig, qualitativ hochwertige Quellen (wie z.B. Audio-Lingua) auszuwählen und den SchülerInnen, die dank des technischen Fortschritts meist einen MP3-Player oder auch ein MP3-fähiges Handy besitzen, diese zu empfehlen.

Eine Möglichkeit, das Hörverstehen mit Hilfe von Seiten wie Audio-Lingua zu trainieren ist zum Beispiel, den SchülerInnen einer Klasse eine Auswahl von kurzen Audiodateien unterschiedlicher Niveaustufen zu einigen vorher bestimmten Themen zur Verfügung zu stellen und ihnen die Aufgabe zu geben, innerhalb von mehreren Wochen diese Dateien anzuhören und ein Hörtagebuch zu führen. Dabei sollten sie sich einfachere Texte zuerst anhören. Wenn sie dann langsam das Niveau gesteigert haben, hören sie sich bereits zu Beginn angehörte Texte ein zweites Mal an und dokumentieren wieder, was sie verstanden haben. Wenn sie die beiden Einträge im Hörtagebuch dann vergleichen, werden sie in den meisten Fällen feststellen, dass sich ihr Hörverständnis mit der Zeit verbessert hat. Der zweite Schritt wäre dann, zu den gehörten Themen selbst eine Tondatei aufzuzeichnen und durch das Hören neu gelernte Wörter und Redewendungen mit einzubauen. Diese Idee stammt von Katrin Goldmann, die die exakte Vorgehensweise in einer Online-Fortbildung des LPM Saarbrücken 2009 erläutert hat. Natürlich setzt die Umsetzung dieses Projekts voraus, dass die SchülerInnen Zugang zu MP3-Playern und einem Aufnahmegerät (Smartphone oder Computer mit Mikrofon) haben.

Neben Diensten wie Audio-Lingua gibt es auch noch die Möglichkeit, im iTunes-Store Podcasts zu abonnieren, die in der Mediathek abgespeichert werden und angehört werden können. Auch hier gibt es Podcasts zu den unterschiedlichsten Themen, teils sogar mit Video.

Des Weiteren findet man inzwischen im Internet auch unzählige Seiten von Podcasts, die entweder von LehrerInnen oder auch von SchülerInnen hergestellt und für Andere zur Verfügung gestellt worden sind. Dabei kann, muss es aber nicht um schulische Themen gehen.

Beispiele für solche Podcasts sind zum Beispiel:

  • „Mathe mit Herz“
  • Mit Fehlern versehene Musikerrätsel
  • Musterdialoge zu bestimmten Situation (z.B. in der Tourismusbranche „Englisch im Restaurant“)
  • Übung der indirekten Rede durch die Wiedergabe von der gehörten direkten Rede
  • Arbeitsanweisungen (oder auch bei kleineren Schülern Richtungsangaben), die umgesetzt werden müssen um zu einem bestimmten Ziel zu kommen

Jedoch kann man natürlich neben inhaltlichen Podcasts für die ganze Klasse auch besonders gute SchülerInnen so mit Zusatzmaterialien versorgen, den schneller als ihre KlassenkameradInnen arbeitenden SchülerInnen schon den nächsten Arbeitsauftrag als Podcast zur Verfügung stellen, eine Höraufgabe als Hausaufgabe versenden oder zum Download bereitstellen.

Bezüglich der Herstellung eigene Podcasts, bietet sich an, ein Projekt oder eine Veranstaltungn zu dokumentieren, ein Audioprojekt zu einem bestimmten Thema zu erarbeiten oder auch einmal gute SchülerInnen zu fördern, indem sie mit der Aufnahme eines Podcasts „beauftragt“ werden.

Bei der Herstellung von Podcasts ist zu bedenken, dass die Korrektur und die Benotung nicht einfach ist, d.h. man muss vorher Kriterien definieren (z.B. Aussprache, Grammatik, Inhalt usw.), die den SchülerInnen bekannt sein sollten. Außerdem sollte man ihnen vor der endgültigen Aufnahme die Möglichkeit geben, sich mit der Podcastherstellung vertraut zu machen und ihnen auch Tipps an die Hand geben, wie ein Podcast möglichst gut wird (z.B. Sprechtempo, klar und deutlich sprechen, frei sprechen, etc.).

Zur Aufnahme braucht man entweder ein aufnahmefähiges Smartphone (mit einer App wie der von ipadio oder Audioboo) oder einen Computer, der über ein gutes Mikrofon verfügt (bzw. an den ein Headset angeschlossen werden kann – wobei nicht gerade das billigste Headset auf dem Markt verwendet werden sollte). Nutzt man den Computer zur Aufnahme braucht man noch ein Aufnahmeprogramm wie Audacity, mit dem man Aufnahmen erstellen und bearbeiten sowie in verschiedene Formate exportieren kann. Möchte man die Aufnahmen veröffentlichen (z.B. auf einem Blog oder der Schulwebseite), benötigt man schließlich noch eine Webseite, auf der man die Dateien hosten kann (idealerweise ein Anbieter, der Einbettcodes anbietet) und die Erlaubnis der Eltern (und ggf. SchülerInnen) für die Veröffentlichung. Die Veröffentlichung kann bei SchülerInnen zu einem Motivationsschub führen, da sie wissen, dass viele Menschen die Aufnahme anhören können.

Insgesamt können mit Podcasts unsere SchülerInnen also ihre Hör- und Sprechfertigkeit trainieren, jedoch auch selbstgesteuert lernen, ihrer Kreativität freien Lauf lassen, die ihnen zur Verfügung stehende Medienvielfalt kennenlernen und nutzen lernen, sowie auf diesem Wege ihre Medienkompetenz ausbilden, die in der heutigen Zeit zu den Schlüsselkompetenzen zählt.

Ich selbst habe bisher einige Podcastprojekte mit meinen SchülerInnen gemacht, dabei handelte es sich jedoch eher um erste Experimente, bei denen mir klar wurde, dass ich beim nächsten Mal auf jeden Fall mehr Zeit für die methodische Komponente einplanen muss, sodass meine SchülerInnen bei der endgültigen Aufnahme wissen, was sie beachten müssen und wie sie zu einem möglichst guten Ergebnis kommen.

Mein erstes Podcastprojekt war eine Radioshow zum 25-jährigen Todestag des chinesischstämmigen Amerikaners Vincent Chin in drei Teilen (im Rahmen meiner 2. Staatsexamensarbeit)

(Vorspulen zum nächsten Teil durch Klick auf den rechten Pfeil)

Hierbei konnte ich glücklicherweise auf die Hilfe eines sehr lieben Kollegen zurückgreifen, der mir und den SchülerInnen mit Rat und Tat und seinem technischen Equipment (incl. Aufnahmegerät) zur Seite stand.

Weitere Projekte waren

  • Echoes from the Empire (auf meiner Webseite gehostet, da ich den MP3-Player von WordPress erst heute gefunden habe)
  • L’Histoire de France

Insgesamt war diese Fortbildung für mich ein schöner Überblick, der mir noch einmal klar strukturiert gezeigt hat, wie ich gegebenenfalls auch bei Eltern argumentieren kann, die eventuell die Herstellung von Podcasts im Unterricht als unnötig oder gar bedenklich erachten.