Seit dem Kauf meines Tablet-PCs sind nun etwa zweieinhalt Monate vergangen, Zeit genug, um bei der aktuellen Diskussion um Apples Schulbuchoffensive und die Ankündigung der deutschen Schulbuchverlage, bis zu Beginn des nächsten Schuljahrs elektronische Versionen der Schulbücher auf einer eigens dafür vorgesehen und vom Betriebssystem unabhängigen Plattform zu veröffentlichen, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Wenn wir mal vom Spaßfaktor abends auf der Couch absehen, den man mit dem Tablet haben kann, so hat er sich bei mir inzwischen als wertvolles Hilfsmittel im Schulalltag erwiesen.

Ganz allgemein kann ich sagen, dass der Tablet-PC stabil läuft, inzwischen schon mehrere Updates bekommen hat (auf Android 4 – Ice Cream Sandwich warte ich momentan noch, aber mehr aus Neugier als aufgrund irgendwelcher Probleme, die ich mit dem aktuellen Android hätte) und die Akkulaufzeit beeindruckt mich immer wieder. Musste ich bei meinem Netbook von Samsung noch Ladekabel oder Ersatzakku mitschleppen, weil nach vier Stunden Schluss war, hält das A501 bisher jeden auch noch so anstrengenden Schultag durch. Ich gehe davon aus, dass bei intensiver Nutzung mindestens 7-8 Stunden herausholbar sind. Bei gelegentlicher Nutzung bräuchte man es nur alle 2 Tage laden.

Das einzige wirkliche Problem, welches ich bis vor einigen Tagen hatte, war, dass sich das Tablet regelmäßig beim Aufwecken aus dem Standby und beim Verlassen des Hauses (Wechsel zwischen W-Lan und 3G) neu startete, weil es angeblich eine neue Simkarte erkannte. Ich betreibe Handy und Tablet mit einer Multi-Sim von T-Mobile und damit über einen Vertrag. Dieses lästige Problem hat sich (zumindest bis jetzt) durch einen Wechsel meiner beiden Simkarten lösen lassen. Die neuere der beiden Karten, die bisher im Tab steckte, verfügt über einen Chip, der die Größe einer Micro-Sim hat. Die ältere Karte, bisher im Handy, hat noch den größeren Chip, welchen man bei T-Mobile inzwischen nicht mehr geliefert bekommt, welcher aber nach wie vor z.B. auf den 02-Karten verwendet wird. Ich nehme nun an, dass der Micro-Chip nicht genug Kontaktfläche bietet und deshalb die Karte ständig neu erkannt wurde. Der größere Chip scheint dieses Problem nun nicht mehr zu haben.

Einige der Anwendung, die ich installiert habe, erleichtern mir das Arbeiten in der Schule inzwischen sehr. Zudem kann ich die meisten Anwendungen auch auf meinem Smartphone nutzen, jedoch ist der große Bildschirm des Tablets eindeutig die angenehmere Variante, wenn es nicht nur um einen kurzem Blick ins Postfach geht.

Evernote: Dank Evernote habe ich die vielen, vielen Zettel, die man jede Woche in seinem Fach findet endlich im Griff. Kurzer Griff zum Handy, Foto schießen, Papierversion wegwerfen während das Handy das Foto zu Evernote hochlädt. Da ich ziemlich viel Speicherplatz brauche, habe ich inzwischen das Upgrade zur Bezahl-Version durchgeführt. Das einzige was mich ein wenig stört ist, dass ich die neuen Dokumente, die aus Zeitgründen  in einem Notizbuch „Neu“ gespeichert sind (zwischen Tür und Angel erstmal die richtige Notiz finden und dann das Foto dorthinschicken ist illusorisch), zu Hause am Computer in die richtigen Notizen verteilen muss. Ebenso komprimiere ich die Fotos zu Hause, da sie sonst unnötig Speicherplatz blockieren. Bei einer Kamerauflösung von 1MP ist trotzdem alles gut lesbar, auch nach der Komprimierung mit dem Microsoft Office Picture Manager. Eine automatische Komprimierung wäre zwar wünschenswert, aber vermutlich bleibt das ein Wunschtraum. Übrigens lege ich auch elektronische Kopien der Entschuldigungen von Schülern aus meiner Klasse an, sodass ich schneller der Überblick über die abgegebenen Entschuldigungen habe und mögliche Unterschriftsdiskrepanzen zur Not schnell erkenne.

Quickoffice Pro HD: Nachdem ich anfangs noch mit GoogleDocs und Dropbox hantierte, habe ich inzwischen für knapp 10 Euro die QuickOffice Pro HD installiert. Sie vereint den Zugriff auf den internen Speicher, die SD-Karte, Dropbox, Evernote und GoogleDocs. So hat man schnell und komfortabel Zugriff auf alles, was man braucht.

Tweetcaster: Tweetcaster habe ich als Alternative zur Twitteranwendung installiert und bin mit der Übersichtlichkeit und der Möglichkeit schnell zwischen verschiedenen Konten zu wechseln äußerst zufrieden. Habe ich einmal eine freie Minute in der Schule, so kann ich kurz die neuesten Tweets anschauen, interessante Informationen als Favoriten markieren und sie dann schnell zu Hause am Rechner in meiner Favoritenliste wiederfinden.

WordPress: Dank der WordPress-App kann ich jederzeit die Frage meiner Schüler beantworten, ob ihr Weblog den nun veröffentlicht wurde. Außerdem kann ich so zwischen zwei Stunden auch mal kurz einen Kommentar freischalten, der somit möglichst zeitnah erscheint.

MyPhone Explorer: Mit Hilfe des MyPhone Explorers synchronisiere ich schnell und zuverlässig per W-Lan die Kalender von Tablet-PC, Smartphone und Outlook. So bin ich stets überall auf dem Laufenden und vergesse nicht wichtige Termine (eine der drei eingestellten Erinnerungen nehme ich immer wahr:))

Amazon Kindle: Auch wenn ich anfangs skeptisch war, so muss ich sagen, dass ich die Amazon Kindle App inzwischen liebgewonnen habe. Nicht nur brauche ich kein Buch mehr mitzuschleppen für den Fall, dass ich einmal unverhofft eine Hohlstunde habe, sondern ich kann mir am Tab beim Lesen Notizen machen, die ich dann zu Hause auf der PC-App weiter bearbeiten kann. Sehr komfortabel und praktisch, besonders weil ich so auch schnell englischsprachige Fachliteratur für andere Zwecke (z.B. im Hinblick auf meine geplante Dissertation) downloaden und nutzen kann.

Relay: Die Anwendung von Relay.com nehme ich gerne zur Entspannung. Da ich die französische Presse bevorzuge, kann ich mir hier auf schnellem Wege Zeitschriften aus Frankreich herunterladen und muss nicht erst nach Strasbourg fahren, um sie im richtigen Relay am Bahnhof zu besorgen.

AndroClass: Vor wenigen Wochen habe ich mir AndroClass zur Schüler- und Notenverwaltung heruntergeladen. Zwar war ich mit Schulfix sehr zufrieden – und bin es immer noch, ich arbeite momentan noch parallel – doch fehlt mir einfach die Möglichkeit, die aktuellen Noten stets bei mir zu haben. Noch ist AndroClass nicht ganz perfekt für meine Zwecke, aber ich denke, das könnte es dank des hervorragenden Service und schnellen Updates bald werden. (s. hierzu: AndroClass).

Vor Weihnachten habe ich mir im Übrigen noch den Logitech Z515 Bluetooth-Lautsprecher besorgt, da ich so unabhängig von CDs und großem CD-Player Lehrbuchtexte übers Tab abspielen kann. Noch habe ich den Lautsprecher nicht in einer lauten Klasse getestet, aber die Tests zu Hause lassen vermuten, dass die Lautstärke auf jeden Fall ausreichen müsste. Klanglich war ich für ein nur 55 Euro billiges Gerät sehr überrascht. Natürlich kann man nicht die beste Bassleistung erwarten (dafür müsste es wahrscheinlich der große Bruder des Z515 sein), aber für meine Zwecke und mein unmusikalisches Ohr reicht es.

Eventuell werde ich in Zukunft das Tab auch nutzen, um meine Schüler aus dem Unterricht twittern zu lassen. Momentan versuche ich es mit einem Zweithandy, welches übers Tab W-Lan zur Verfügung gestellt bekommt, aber es wird sich erst noch herausstellen, in wie fern diese Lösung zufriedenstellend ist. (s. hierzu: Twitter als Backchannel im Unterricht)

Abschließend ist noch zu sagen, dass ich vor einigen Tagen das Tab per HDMI-Kabel an einen Großbildfernseher angeschlossen habe und mehr als begeistert über die Qualität der Wiedergabe eines selbst hergestellten Videos war. Die Verwendung an einem Beamer werde ich demnächst testen, da ich zuerst ein passendes VGA-Kabel kaufen muss, haben doch unsere Beamer leider keinen direkten HDMI-Eingang. Allerdings dürfte dann der Nutzung von z.B. YouTube im Unterricht – die leider durch Sicherheitseinstellungen des Schulnetzes und diverser Internetprobleme bei fehlendem W-Lan – dank 3G-Verbindung nichts mehr im Wege stehen.

Und nun… warte ich mit Spannung auf die von den deutschen Schulbuchverlagen angekündigte Lehrbuchplattform, sodass mein Tablet endlich zum vollwertigen Begleiter im Schulalltag wird. Ich hoffe sehr, dass die Schulbuchverlage nicht nur die Schülerbücher, sondern auch Zusatz- und Lehrermaterialien sowie Modelltafelbilder auf der Plattform bereitstellen werden, sodass die Schultasche endlich leichter und das Lehrerdasein dank Beamer hoffentlich kreidelos(er) wird.