Da ich mich beruflich immer häufiger mit dem Problem „Cybermobbing“ konfrontiert sehe, mir jedoch auch immer mehr klar wird, wie hilflos wir als LehrerInnen diesem Problem gegenüberstehen, war es mir wichtig, mich mit diesem Problem der modernen Welt einmal  eingehender zu beschäftigen. Dank des Projekts „Virtuelle PH“ konnte ich dies abseits vom täglichen Stress mit Hilfe einer eLecture tun.

Manch Elternteil stellt das Internet und seine Nutzung in der Schule – nicht selten aufgrund von Cybermobbingfällen – als ein Werkzeug des Teufels dar und wünscht sich, dass man bei den altbewährten Unterrichtsmethoden bleibt, da die SchülerInnen „auch so schon genug Zeit im Internet verbringen“. Dabei übersehen sie, dass Cybermobbing nicht durch den nutzbringenden Umgang mit dem Internet ausgelöst wird, sondern durch eine fehlende Anleitung, wie man es richtig verwendet. Prävention ist einer der  Gründe, weshalb die Nutzung des Internets in den meisten (wenn nicht in allen) Lehr- und Bildungsplänen festgeschrieben ist. Es ist illusorisch, davon auszugehen, dass man ein Kind vor einen Computer setzt und es durch die schlichte Nutzung den richtigen Umgang damit lernt. Vielmehr muss man es dazu anleiten, seine Vorteile effektiv zu nutzen und seine Gefahren zu kennen und zu meiden.

Per definitionem ist Cybermobbing (wie auch das „herkömmliche“ Mobbing) stets mit einer Schadensabsicht verbunden, dauert über einen längeren Zeitraum hinweg an und ist immer durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet. Ausgehend von diesen drei Eckpunkten kann man daher  bei Cybermobbing durchaus von einer Art Gewaltakt sprechen, der für den Betroffenen immer eine Belastung darstellt.

Der Begriff „Mobbing“ wird heutzutage inflationär gebraucht (besonders von SchülerInnen und Eltern), daher ist es unbedingt notwendig, diese präzise Definition im Kopf zu behalten.

Von „Opfer“ und „Täter“ zu sprechen leuchtet ein, da wir es hier ja mit einer Gewalttat zu tun haben. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass ein „Opfer“ im Jugendjargon  nicht ein Mensch ist, der unsere Empathie braucht, sondern dass ein „Opfer“ für die heutige Jugend ein „Verlierer“ ist, der sich durch Differenz zur Gruppe auszeichnet. Daher sollte bei Mediationsgesprächen stets vermieden werden von einem „Opfer“ zu sprechen, um das Risiko auszuschließen, dass der „Täter“ das Opfer seiner Attacken nicht als Menschen wahrnimmt, der Gefühle hat.

Cybermobbing wird nicht selten von Frustration des Täters ausgelöst, mit der er fertig wird, indem er Andere demütigt und dadurch ein Gefühl der Macht verspürt. Nur indem er so in der von ihm hergestellten Hierarchie eine Machtposition inne hat kann er seiner Frustration Luft machen.

Besonders interessant fand ich die Feststellung von Frau Loucky-Reisner, dass Klassen in denen Mobbing in jeglicher Form auftritt nicht selten ein Spiegelbild des Kollegiums der Schule darstelle.

Das beste Mittel, sich gegen Cybermobbing zu wehren ist es, seine Rechte zu kennen und Probleme sofort zu melden. Allerdings besteht hier z.B. bei Facebook das Problem, dass man Vorfälle zwar melden kann, jedoch geschieht nur in den seltensten Fällen dann wirklich etwas, um die Attacken zu stoppen.

Dem Täter hingegen muss man vermitteln, dass es sich bei Cybermobbing keineswegs um einen „Spaß“ handelt und man muss ihm Wege zeigen, anders mit seinem Zorn umzugehen als Macht auszuüben, indem man sich z.B. einer Gruppe zugehörig fühlt, die den Außenseiter der Klasse mobbt. Ein Schulausschluss, so Frau Loucky-Reisner, helfe in den seltensten Fällen, gegen das Problem anzukämpfen. Vielmehr müsse man mit der Klasse arbeiten, um das Klassenklima wieder herzustellen bzw. um überhaupt eines zu schaffen. Davon fühlen sich jedoch viele LehrerInnen – und dies zurecht, da wir nicht als PsychologInnen ausgebildet wurden – überfordert, weshalb es meistens ratsam ist, sich Hilfe von Außen zu holen.

Ein Problem, welches zum Cybermobbing beiträgt, ist übrigens die vermeintliche Anonymität im Netz – u.a. auch durch die Verwendung von Pseudonymen, die man sich ganz im Sinne des Datenschutzes gerne zulegt. Allerdings sollte man SchülerInnen so früh wie möglich begreiflich machen, dass ein Pseudonym nicht ganz so anonym ist, wie sie es vielleicht denken und dass das Internet keinesfalls ein rechtsfreier Raum ist.

Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es auch, SchülerInnen eine Möglichkeit zu bieten, Cybermobbing (gegen sich oder Andere) anonym  zu melden, sei es nun über eine Art „Dropbox“ auf der Webseite oder über einen realen „Kummerkasten“ im Schulhaus.

Die Aufzeichnung der eLecture befindet sich im eLectures Archiv (Datum: 17/11/2011).

Weitere Informationen finden Sie z.B. hier.