In der letzten Woche bin ich – wieder einmal dank Twitter – auf die kostenlose Webseite von www.edmodo.com gestoßen. Da ich ja bekanntlich von Moodle aus verschiedenen Gründen nicht wirklich überzeugt bin, bzw. denke, dass es gute Alternativen gibt, meldete ich mich sogleich für die beiden wöchentlich stattfindenen Online-Seminare an um zu sehen, ob Edmodo eine Plattform ist, die ich in Zukunft zumindest einmal testen möchte.

Beim ersten Webinar handelte es sich um eine Einführung in die Plattform, beim zweiten um 20 Einsatzmöglichkeiten aus allen schulischen Bereichen.

Von Weitem ähnelt Edmodo Facebook stark und auch bei genauerem Hinschauen fühlt man sich oft an Facebook erinnert. So hat bei Edmodo der Lehrer/die Lehrerin eine Profilseite und kann Gruppen / Kurse gründen, in die die SchülerInnen, die ebenfalls ein eigenes Profil einrichten können, mit Hilfe eines Codes aufgenommen werden. Vorteil hierbei ist, dass sogar die Angabe einer Emailadresse von SchülerInnen-Seite optional ist. Dies könnte also besonders für die Verwendung von Edmodo sprechen, wenn es sich um jüngere SchülerInnen handelt oder wenn Eltern massive Sicherheitsbedenken äußern (welchen ich allerdings im Prinzip nur Aufmerksamkeit schenke, wenn das Kind noch keinen Facebook-Account hat, da jegliche Sicherheitsbedenken ad absurdum geführt werden, wenn man seinem Kind erlaubt, alle möglichen privaten Daten bei Facebook preiszugeben).

Wie bei Facebook kann man auch RSS-Feeds an Gruppen binden, sodass Neuigkeiten von bestimmten Webseiten (z.B. einem externem Weblog, einem Twitter-Hashtag, o.ä.) automatisch auf der Pinnwand der Gruppe erscheinen. Für die schulische Verwendung von Edmodo statt Facebook spräche jedoch besonders das Feature dass man neben Fragebögen in Quizform auch Arbeitsaufträge und Hausaufgaben posten kann, die dann über Edmodo von den SchülerInnen bis zu einem bestimmten Datum (welches im Kalender eines jeden Schülers festgehalten ist) abgegeben werden müssen. So hat man schnell eine Übersicht, wer die Hausaufgaben abgegeben hat und erspart sich unnötigen Papierkrieg bzw. eine Emailflut, die man zuerst sortieren muss. Weiterhin kann man jede eingereichte Aufgabe kommentieren und so ein individuelles Feedback geben (was bei Notenstreitigkeiten auch zur Dokumentation dient). Schließlich kann man die Aufgabe auch benoten und die Noten werden (leider bisher nur im Punktesystem) im elektronischen Notenheft gespeichert. Dort kann man – wenn man keine andere Notenverwaltung benutzt – auch Klassenarbeiten usw. eingeben.

Gegen die Nutzung für Edmodo – auch wenn ich darauf brenne, die Plattform demnächst mit einer Klasse zumindest auszutesten – spricht für mich jedoch eindeutig das Argument, welches immer auf der Hand liegt, wenn man den SchülerInnen neue Arbeitsmittel vorstellt und alleiniger Nutzer an seiner Schule ist: Im Gegensatz zu Facebook, wo sich die meisten SchülerInnen täglich aufhalten, teilweise sogar rund um die Uhr mit ihren Mobiltelefonen, muss man extra für die Schule (zusätzlich) daran denken, sich jeden Tag bei Edmodo einzuloggen. Dabei handelt es sich um einen Mehraufwand, den sicherlich einige SchülerInnen scheuen werden und sie somit wichtige Nachrichten vielleicht nicht erreichen, während man sie bei Facebook einfach erreicht, weil sie sowieso schon online sind. Möglicherweise würde diese Krux weniger ins Gewicht fallen, wenn man mehrere KollegInnen davon überzeugen kann, Edmodo parallel in der Klasse zu testen.

Übrigens habe ich vom zweiten Webinar zwei interessante Ideen „mitgenommen“, die sich besonders für FremdsprachenlehrerInnen eignen. Zum einen wurde vorgeschlagen, dass man sich im Zuge des landeskundlichen Unterrichts mit einem zusätzlichen Account als eine historische Person ausgeben könnte, um die SchülerInnen in einen Dialog mit dieser Person zu verstricken. So könnte man wenn es z.B. ums viktorianische Zeitalter geht als Queen Victoria auftreten und den SchülerInnen so zusätzliches Wissen vermitteln. Zum anderen wurde vorgeschlagen, während der Lektüre eines Romans  hin und wieder Fragen zu posten, um die SchülerInnen über den weiteren Verlauf der Handlung spekulieren,  sich in Personen hineinversetzen oder bestimmte Konflikte reflektieren zu lassen.

Angemeldet habe ich mich auf Edmodo schließlich auch deshalb, weil es dort spezielle Lehrercommunities gibt (zu gewöhnlichen aber auch zu etwas ungewöhnlicheren Themen) über die man international Kontakte knüpfen kann – und sei es nur um mögliche BriefpartnerInnen für SchülerInnen zu finden. Sollte sich ein Kontakt als besonders wertvoll erweisen – findet man doch eher selten KollegInnen, mit denen man so auf einer Wellenlänge liegt, dass man gerne zusammen ein Projekt aufziehen möchte – so kann man auf Edmodo auch Teamteaching machen bzw. Co-Classrooms einrichten, sodass die SchülerInnen von beiden Schulen zusammen an einem Projekt arbeiten können.