Da ich dieses Jahr  erstmalig und (fürs Erste) allein die Organisation des Austauschs mit einem Collège in Paris übernommen habe, habe ich beschlossen, diesen Freiraum zu nutzen, um noch weiter vom gewöhnlichen Prozedere bei Austauschen abzuweichen als dies schon im letzten Jahr möglich war.

Beim letztjährigen Austausch habe ich erfolgreich vorgeschlagen, das traditionelle Austauschtagebuch durch ein Weblog zu ersetzen, welches die SchülerInnen aus beiden Ländern gemeinsam mit Inhalten speisten. So hatten die Austauschpartner in beiden Ländern vor Ort den Auftrag, einen Teil des Programms zu dokumentieren (10 Sätze auf Deutsch, 10 Sätze auf Französisch) und mit Fotos zu illustrieren. Die Weblogs wurden per Email veröffentlicht und die Fotos wurden ebenfalls per Email an meinen Flickr-Account geschickt, von wo aus ich sie über Vodpod in ein Video umwandelte, welches ich dann in den Blogeintrag einband. Diese Umwandlung in ein Video nahm ich vor, damit einzelne Fotos nur unter erschwerten Bedingungen vom Weblog kopiert werden konnten. Im Anschluss an den jeweiligen Besuch im Gastland hatten die SchülerInnen dann noch den Auftrag ihr persönliches Wörterbuch (5 neue Wörter, die sie gelernt hatten) und eine kurze Reflektion über kulturelle Unterschiede in ihrer Muttersprache zu veröffentlichen.

Das Weblog wurde im letzten Jahr besonders von den Eltern freudig angenommen, da sie über einen Link auf der Webseite der Schule Zugriff darauf hatten und so in Echtzeit sehen konnten, was ihre Kinder im Gastland erlebten.

Probleme traten lediglich deshalb auf, weil manche SchülerInnen Kabel bzw. Kartenlesegerät für ihre Digicam zu Hause vergessen hatten, vergaßen überhaupt Fotos zu machen bzw. das Handy als Fotoapparat benutzen und somit – selbst wenn sie dieses Kabel dabei hatten – nur mäßige Aufnahmen ablieferten. Ebenfalls gab es bei einigen SchülerInnen das Problem, dass sie sich nicht an den Zeitplan hielten und ich so die Einträge manuell in die richtige Reihenfolge bringen musste, was mit meinem Netbook und einer ständig abbrechenden W-Lan-Verbindung nicht gerade ein einfaches Unterfangen war. Abgesehen davon wurden die Einträge jedoch vorbildlich und in Kooperation mit dem Austauschpartner erledigt.

Abgesehen vom Weblog waren wir im letzten Jahr bei traditionellen Methoden geblieben und die SchülerInnen fertigten Referate zur Zeit von Louis XIV an. Leider hatten wir keine Zeit, diese Referate in Frankreich zu hören und so wurden sie vor unseren Besuch in Frankreich gehalten.

Dieses Jahr habe ich vor, das Austauschweblog mit neuem Leben zu füllen (in der Hoffnung, dass die Partnerklasse wieder mitmacht). Inhaltlich wird es wieder Berichte, das „dico personnel“ und eine Reflektion über kulturelle Unterschiede geben. Allerdings werde ich diesmal die Fotos vermutlich als gewöhnliche Flickr-Diashow einbetten, da die SchülerInnen sowieso angewiesen sind, nicht unbedingt ihre MitschülerInnen zu fotografieren, sondern den Ausflug selbst zu dokumentieren.

Neu dieses Jahr wird sein, dass die Referate gestrichen sind und wir stattdessen kleine Videoreportagen anfertigen werden. Dies soll die Zusammenarbeit zwischen den AustauschpartnerInnen bereits im Vorfeld fördern, jedoch zugleich die Medienkompetenz meiner SchülerInnen schulen. Da mich mehr als die Hälfte der SchülerInnen bereits kennt  und mit meinen Methoden vertraut ist, dürfte ich für meine unkonventionelle Art nicht mehr von ihnen „gehasst“ werden als dies schon der Fall ist. Bisher wurden meine Methoden von den meisten SchülerInnen lediglich als „notwendiges Übel“ gesehen, die wenigsten sind schon so reif, dass sie den Nutzen darin sehen. Den Eltern kann ich am eigens für den Austausch anberaumten Elternabend hoffentlich meine Beweggründe verständlich machen.

Im Dezember werden die SchülerInnen ihr Thema erhalten. Die Themen werden sich mit einem Ort oder eine Besonderheit aus den dem Collège in Paris am nächsten liegenden 5. und 13. Arrondissements befassen. Diese Orte und Besonderheiten werden von mir gezielt ausgewählt, um den SchülerInnen zu zeigen, wie viel Geschichte an den Straßen von Paris schon vorbeigezogen ist und welche Dinge man verpaßt, wenn man nur das touristische Paris im Sinn hat und seine Augen für andere Dinge verschlossen lässt.

Aufgabe der SchülerInnen ist es also zuerst einmal mit Hilfe des Internets und ihrer Austauschpartner das Thema näher kennenzulernen und – auf Deutsch- eine kurze Beschreibung zu formulieren. Diese Kurzreportage wird dann vor Ort mit einer Digitalkamera aufgezeichnet. Im Anschluss daran sollen die SchülerInnen ein oder zwei Passanten oder Ortsansässige auf Französisch interviewen. Dazu benötigen sie eventuell die Hilfe der AustauschpartnerInnen. So treten sie in Kontakt mit Einheimischen und können diesen im Gespräch vielleicht sogar neue Dinge über ihr Viertel erzählen. Wenn Kurzreportage und Interview „im Kasten“ sind, sollen die SchülerInnen zusammen mit ihren AustauschpartnerInnen ein Transkript anfertigen, welches sie dann zu Hause in Deutschland für die deutsche Untertitelung des Interviews benutzen sollen.

Was genau mit diesen 27 Kurzreportagen im Endeffekt passieren wird – ob sie ebenfalls auf dem Weblog veröffentlicht oder lediglich auf DVD gebrannt und beim Abschlussabend in Auszügen zusammen mit einer von mir als Geschenk an die Schüler angefertigen Diashow den Eltern vorgeführt werden – hängt u.a. von der Aufgeschlossenheit der Eltern ab: wenn sie damit einverstanden sind, würde ich die Reportagen jedoch sehr gerne (unter Verwendung von Viewpoint, nicht von youtube) ins Weblog einbinden.