Da viele SchülerInnen inzwischen bereits ab Klasse 7 auf Facebook vertreten sind und die meiste Zeit, die sie im Internet verbringen (dürfen) auf Facebook surfen bzw. Facebook über ihr Smartphone oder den iPod-Touch nutzen, habe ich mich zusätzlich zu meinem eigenen Webangebot für SchülerInnen dazu entschlossen, für jede Klasse eine geschlossene Facebook-Gruppe zu gründen. Davon versprach ich mir – die nächsten Monate werden zeigen, ob zurecht – dass Informationen die SchülerInnen eher erreichen, als wenn ich Rundmails verschicke, die die Hälfte der SchülerInnen realistisch gesehen nicht liest.

Die Nutzung der Facebook-Gruppe ist freiwillig, da ich Sicherheitsbedenken von Elternseite im Bezug auf Facebook – welches nach wie vor in den Medien starker Kritik ausgesetzt ist – gut nachvollziehen kann. Allerdings gebe ich stets zu bedenken, dass es eventuell wünschenswerter ist, dass das Kind den Umgang mit Facebook – gegebenenfalls nur unter Aufsicht, indem die Eltern das Facebook-Passwort für sich behalten – lieber lernen sollte, als dass es sich eines Tages heimlich dort anmeldet und das soziale Netzwerk nutzt, ohne zu wissen, wie es sich schützen kann.

In der Facebook-Gruppe einer jeden Klasse erscheinen über RSS Graffiti neue Blogeinträge und Tweets (hier anders als auf meiner Webseite nicht nur von der eigenen Klasse, sondern auch von den anderen relevanten Klassen, da die Blogs und Tweets klassenübergreifend eingesetzt werden) sowie aktuelle Meldungen zu Updates auf meiner Webseite. Ebenso erscheinen automatisch Links von ausgewählten Seiten (wie z.B. „Les clés de l’actualité junior“ und „Spotlight“), um die SchülerInnen, die meine Webseite eher seltener konsultieren ebenfalls über neue Artikel auf diesen Seiten zu informieren. Außerdem veröffentliche ich hier hin und wieder interessante Fotos oder Links, die zum momentanen Lernstoff passen. Weiterhin ist die Facebook-Gruppe zur Kommunikation mit MitschülerInnen und mir gedacht. Kommentare dürfen jederzeit – nach einer kleinen Anweisung, wie man vernünftig kommentiert – veröffentlicht werden, werden jedoch natürlich von mir moderiert und Fehlverhalten wird nicht geduldet. Hier ist mir auch das Konzept der (N)Etiquette wichtig, um die SchülerInnen an bestimmte formale Kriterien im Umgang mit z.B. LehrerInnen und MitschülerInnen zu gewöhnen.

Die Kontaktaufnahme per Facebook habe ich meinen SchülerInnen untersagt, da Facebook für mich primär ein Dienst ist, den ich privat nutze, um Freundschaften und berufliche Kontakte zu pflegen. Auch dies gehört zum Lernprozess der SchülerInnen, da sie begreifen müssen, dass nicht jedes Werkzeug zu jedem Zweck eingesetzt werden sollte.

Einzige Einschränkung bezüglich dieser Regel: Ich akzeptiere Freundschaftanfragen von SchülerInnen, da ich eine Liste angelegt habe, in der sich alle SchülerInnen wiederfinden. Für diese Liste sind all meine Pinnwandeinträge, sowie der Chat, die meisten Fotos und sonstigen Profilinformationen gesperrt. Allerdings ermöglicht mir diese Vorgehensweise einen gewissen außerschulischen Zugang zu meinen SchülerInnen, sodass ich – bei entsprechenden Privatsphäreeinstellungen – einen kleinen Einblick habe, was bei einzelnen SchülerInnen passiert. Natürlich stalke ich meine SchülerInnen nicht, jedoch erlauben mir diese sporadischen Einblicke zum einen, unerklärlichen Verhaltensweisen bestimmter SchülerInnen zu verstehen (z.B. geistige Abwesenheit aufgrund von Liebeskummer), zum anderen jedoch kann ich auch gezielt nach Hinweisen auf Cybermobbing, welches leider Alltag ist, suchen. Natürlich habe ich meinen SchülerInnen zu Beginn des Schuljahres gesagt, dass sie sich gut überlegen sollen, was sie für mich freigeben, allerdings scheinen die wenigsten damit ein Problem zu haben, wenn ich freien Zugriff auf ihr Profil habe. Weiterer Vorteil: ich kann sie auch gegebenenfalls darauf hinweisen, wenn sie sich Gefahren aussetzen bzw. sich selbst in einem schlechten Licht präsentieren und sie so im Umgang mit Facebook sensibilisieren.

Von der Nutzung von Google+ rate ich meinen SchülerInnen momentan ab, da ich persönlich große Bedenken hege, Google neben den Informationen, die über mich bei der Nutzung der Suchmaschine und diverser von Google angebotener und sehr nützlicher Dienste sowieso bekannt werden, auch noch freiwillig mein gesammtes soziales Netzwerk inkl. meiner Kontakte, Fotos usw. selbst dort preiszugeben. Sollte Google  trotzdem an bestimmte Informationen kommen, so ist es vermutlich auf meine eigene Unachtsamkeit oder Unwissenheit im Bezug auf Datensammlung zurückzuführen, jedoch weigere ich mich – momentan zumindest – diese Daten selbst dorthin zu bringen.