Open Course 2012: Tablet Computing (Live-Event v. 09.05.2012) … Vielleicht sollten wir erstmal kleinere Brötchen backen!?

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Beim letzten Live-Event des Open Course 2012 ging es um Tablet Computing, welches so wie auch die Mobile Apps vom vorherigen Termin zum Bereich des m-Learning gehört. Da ich aufgrund eines Schüleraustauschs nicht am Live-Event teilnehmen konnte, habe ich mir die Aufzeichnung angeschaut und muss sagen, dass das Nachhören seine Vorteile hat, da man sich auf das Gesagte konzentrieren und erst im Anschluss das Chatprotokoll der in Spitzenzeiten bis zu 180 Teilnehmer nachlesen kann, womit der Konzentration durchaus gedient ist und nichts überhört oder überlesen werden kann.

Obwohl ich eigentlich nur eine kurze Zusammenfassung des Online-Events schreiben wollte, so ist mir beim erneuten Durchlesen des Beitrags klar geworden, dass die Auseinandersetzung mit der Frage, ob Tablet Computing die Zukunft der Schule sein könnte, sehr kritische Gedankengängen  und eine recht philosophische Reflexion in Bezug auf meine Position als Lehrerin in einem mehr als unzulänglichen Bildungssystem heraufbeschworen hat. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, diese sich durchaus teilweise desillusioniert klingenden Bemerkungen wieder zu streichen, da für mich eine Fortbildung weit mehr ist als mit Informationen gefüttert zu werden. Vielmehr geben mir Fortbildungen und die Dinge, die ich dort lerne, aber auch die Interaktion mit anderen TeilnehmerInnen oft den Anreiz, mich selbst und meine Position kritisch zu betrachten und bilden mich somit durch die Beschäftigung mit der Materie auch persönlich durchaus weiter. Lange Rede, kurzer Sinn: So desillusioniert und leicht wütend meine Äußerungen auch klingen mögen, ich liebe meinen Job und habe noch nicht die Hoffnung verloren, etwas zu bewirken.

Auch der Live-Event zum Tablet Computing wurde von Joachim Wedekind moderiert, Referenten waren Beat Döbeli Honegger aus der Schweiz, der zum Thema “Tablets in der Schule” sprach, sowie René Wegener, der über den Hochschulbereich berichtete. Die Veranstaltung war in zwei Teile aufgesplittet: Zuerst hatten die Referenten Zeit für einen kurzen Vortrag, der hauptsächlich aus Statements bestand, welche dann im zweiten Teil zur Diskussion gestellt wurden.

Joachim Wedekind erinnerte zu Beginn an Alan Kays Aussage im Jahre 1972, dass Kinder jeden Alters einen PC haben sollten. Er verwies dabei zum einen auf eine tragbare Hardware (“carry anywhere”), sprach jedoch auch schon damals, vor nunmehr 40 Jahren, von der Vernetzung, die wir heute erleben (“bring the libraries and schools of the world to the home”).

Wedekind berichtete im Anschluss daran kurz über seine eigene Idee der Initiative ETapPe, welche er im März 2011 beim Kongress Keine Bildung ohne Medien in Berlin vorstellte. Er möchte jedes Kind bereits in der Grundschule mit einem digitalen Medium ausstatten. Diese Geräte sollen laut dem Motto “BYOD” (“Bring your own device”) in die Schule mitgebracht werden, wodurch flächendeckend identische (oder vielmehr ähnliche aber individuell angepasste) Geräte zur Verfügung stünden, die über das Internet vernetzt sind und im Idealfall mit freier Software bzw. Open Source Software arbeiten.

René Wegener berichtete nachfolgend über das Pilotprojekt “Mobiles Lernen” der Uni Kassel. Für das Projekt des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik wurden 230 iPads zur Ausleihe angeschafft, es wurde erforscht, wie das W-Lan-Netz ausgebaut werden muss, um die Geräte effektiv nutzen zu können und didaktische Fragen wurden ebenfalls beleuchtet. Mittlerweile wurden zusätzlich noch 80 Android-Tablets angeschafft.

Die Vision des Pilotprojekts “Mobiles Lernen” ist es, Interaktion in Massenveranstaltungen zu ermöglichen (z.B. indem die Teilnehmer durch Umfragen und Übungen aktiviert werden, jedoch auch die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen), den Studierenden zu ermöglichen, überall mit Hilfe eines Video-Livestreams in Echtzeit an Vorlesungen teilzunehmen und Materialien zur Vor- und Nachbereitung einer Vorlesung in Form von eLearning-Modulen aus einer Art App-Store immer und überall zugänglich zu machen.

Schepplers Fazit war, dass sich der besonders zu Anfang zu meisternde zeitliche Aufwand eindeutig gelohnt habe, dass die Akzeptanz und das Interesse auf Studierenden- und Dozentenseite ganz gut sei, dass jedoch noch viel Arbeit anstünde, um das Pilotprojekt in den Alltag zu integrieren. In der Abschlussdiskussion wies er noch darauf hin, dass für ihn die technischen Fragen zweitrangig seien, da man sich mit ihnen erst dann befassen müsse, wenn man herausgefunden habe, ob es sich überhaupt lohnt, in die Richtung des Tablet Computing zu gehen.

Ich persönlich finde diese Projekt sehr interessant und sicher im Hochschulbereich ausbaufähig, wo die Studierenden ein großes Interesse und (meist) eine gesteigerte Selbständigkeit an den Tag legen und somit verantwortungsvoll mit den ihnen gebotenen Möglichkeiten umgehen werden – sofern sie Grundkompetenzen im Umgang mit mobilen Endgeräten bereits in der Schule erlernt haben.

Schließlich hatte Beat Döbeli Honegger Gelegenheit einige Thesen zum sehr provokant formulierten Thema “Tablets sind ein Hype” zu präsentieren. Er leitete seinen Vortrag mit den Worten ein, dass er sehr bewusst diesen provokanten Titel gewählt habe, da seiner Meinung nach die Bedeutung von Tablets im Schulbereich momentan stark überbewertet würde, so auch im Horizon Report 2012. Erklärend fügte er hinzu, dass im Prinzip alle Anwendungsbeispiele sich auch auf anderen Endgeräten umsetzen ließen und es für den Lernertrag absolut egal sei, ob ein Display nun hochauflösend sei oder nicht. Auch sei diese Eigenschaft nicht tabletspezifisch.

Die erste These, die genannt wurde, war, dass Tablets eigentlich nur im Kindergarten etwas Neues darstellten und als Revolution angesehen werden könnten. Ich kann nur vermuten, dass er dabei besonders an die Ausbildung von Fähigkeiten dachte, die durch die frühe Verwendung von Tablets im Kindergartenalter erworben werden und so später in der Schule vorausgesetzt werden können, was den späteren produktiven Umgang mit Tablets vorbereitet. Mit anderen Worten, diese frühe Heranführung an Tablets könnte die heute vielzitierte jedoch de facto (noch) kaum existierende Generation der “digital natives” hervorbringen.

Die zweite These war die Ansicht, dass sich unpersönliche Tablets, also Geräte, die sich im Klassenraum befinden und von allen SchülerInnen genutzt werden können, nicht für die Anwendung in der Schule eignen, sondern eher ein Rückschritt im Zeitalter des PLE  (personal learning environment, persönliche Lernumgebung) darstellen. Den gleichen oder einer übergeordneten Nutzen hätten hier z.B. Net- oder Notebooks.

Die dritte Behauptung war, dass Tablets einfach “hip” sind, dass jedoch langfristig wohl eher Modelle wie “1:1” (jeder Schüler hat sein eigenes Gerät) oder “BYOD” (Bring your own device, Bring Dein eigenes Gerät mit) relevant seien. Döbeli Honegger hegt keinerlei Zweifel daran, dass in nicht allzu ferner Zukunft Geräte allgemein verfügbar sein werden, dass man sich jedoch nicht auf eine Art von Gerät beschränken, sondern lieber auf “BYOD” setzen sollte, da es im Endeffekt zwischen den einzelnen Geräten – seien es nun Tablets, Ultrabooks oder Smartphones – immer weniger Unterschiede gäbe und ihre Verwendung lediglich von persönlichen Vorlieben abhänge.

Zudem wurde als vierte These geäußert, dass Tablets ab einer gewissen Schulstufe – auf die sich der Referent jedoch nicht festlegen wollte oder konnte – nicht mehr ausreichen, u.a. da sie zwar leistungsfähig sind, jedoch beispielsweise Multitasking (= das Nebeneinanderstellen von mehreren Fenstern) momentan noch nicht möglich, dies jedoch zum effektiven Arbeiten in den höheren Klassen unentbehrlich sei.

Abschließend wurde die Behauptung in den Raum gestellt, dass Tablets keinerlei wirkliche Innovation gebracht haben und dass im Prinzip alles, was man mit einem Tablet machen könne – und noch viel mehr – mit anderen Geräten wie Notebooks und Ultrabooks ebenso möglich sei und man Tablets eher als Zweitgeräte ansehen sollte, da sie im Alltag keinen richtigen Computer ersetzen können.

Ich stimme diesbezüglich mit Herrn Döbeli Honegger absolut überein, denn es ist eine Sache, die neuen Trends auf dem Elektronikmarkt mit Begeisterung wahrzunehmen und sich vorzustellen, wie sie im Schulbereich genutzt werden und wie sie zu einer Revolution der Schule allgemein führen könnten. Schülern Tablets zur Verfügung zu stellen allein reicht jedoch noch lange nicht für eine Revolution. Wenn ich mir meinen Arbeitsalltag anschaue, wo SchülerInnen der Mittel- und Oberstufe noch nicht einmal richtig mit einem PC umgehen können – allein das Rechtschreibprogramm von Texteditoren scheint eine zu große Hürde für manche SchülerInnen, zumindest wenn ich manche Aufsätze anschaue, die mir abgegeben werden – und auch das Web 2.0 eher zu Unterhaltungszwecken (z.B. Spiele) nutzen, zuweilen ohne sich jegliche Sorgen im Schutz auf ihre Privatsphäre zu machen (Stichpunkt: Facebookprofile richtig schützen) – so hege ich große Zweifel daran, dass sie durch Tablets mehr oder besser lernen würden. Und genau um diesen Mehrwert der Verwendung eines bestimmten Mediums geht es ja.

Für die SchülerInnen sind Tablets tatsächlich “hip” und als ich die ersten Wochen mit meinem Tablet im Unterricht auftauchte, so gab es alle möglichen Reaktionen, angefangen mit “Cool, kann man damit auch spielen?” bis hin zu “Elektronische Geräte sind laut der Hausordnung verboten”. Dass es sich dabei jedoch – wie im Übrigen seit drei Jahren mein Smartphone – um ein Arbeitswerkzeug handelt, welches mit erspart Wörterbücher mitzuschleppen, Dinge zu Hause nachzuschlagen und bei Fragen nach dem momentanen Leistungsstand darum zu bitten, dass mir eine Email geschickt wird, haben die meisten erst nach vielen Monaten oder bisher gar nicht begriffen. Inzwischen ist es jedoch für die meisten SchülerInnen relativ normal geworden, dass ich die Abwesenheit meiner SchülerInnen über AndroClass festhalte, sie an noch fehlende Entschuldigungen erst nach einem Blick aufs Gerät erinnere und dass ich hier und da mein Tablet einfach auf einen Schülertisch lege, damit selbst kurz ein Wort oder ein Sachverhalt recherchiert werden kann. Ebenso habe ich meinen OberstufenschülerInnen bereits mehrfach erlaubt, anstatt den unzuverlässigen Schulcomputer mein Tablet als Alternative zum eigenen Smartphone zum Twittern (in Projektphasen mit Twitter)  und als Wörterbuch zu verwendenMeinen Ruf als “Geek” habe ich dennoch bei den SchülerInnen inzwischen so gut wie sicher, auch wenn ich versuche, den Nutzen der technischen “Spielzeuge” in den Vordergrund zu rücken. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Bis elektronische Geräte ihren Einzug im Klassenzimmer unter dem Gesichtspunkt des effektiveren Lernens halten können, muss noch viel passieren, sowohl auf Schülerseite (z.B. Erwartungen an die Lehrer, Einstellung zu Schule und Lernen, Aufhebung der strikten Trennung von Lernen in der Schule und außerhalb und damit die Erkenntnis, dass der Computer nicht nur ins spaßerfüllte Privatleben gehört) als auch auf Lehrerseite (z.B. Bereitschaft, umzudenken und gemeinsam (hart) an einem Paradigmenwechsel zu arbeiten, welcher weder drastisch sein muss noch von Heute auf Morgen bewerkstelligbar ist) und im System “Schule” allgemein, welches nicht nur Geld zur Ausbildung von neuen Strukturen und Methoden benötigt, sondern auch eine Neudefinition dessen, was Schule überhaupt leisten soll, und zwar eine konkretere Definition als sie in den Bildungsplänen zu finden ist. Schließlich darf auch die qualitative Komponente in der Lehrerfortbildung nicht zu kurz kommen, denn Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich: die Tatsache, dass gestern die Kultusministerin von BW, Gabriele Warminski-Leitheußer, verkündete, dass die Mittel für die Lehrerfortbildung um 1,5 Millionen Euro aufgestockt werden sollen, sagt noch lange nichts über deren Qualität aus.

Der Einsatz von neuen Medien an sich macht den Unterricht nicht besser, da Apps altbekannte Lerninhalte, also reines Wissen, lediglich in einer anderen Form präsentieren. Wenn die Nutzung eines Tablets (oder eines andere digitalen Endgeräts) einen Mehrwert haben soll, z.B. die Förderung der Handlungs- und Medienkompetenz, so muss die Didaktik ans Werk, welche einzig und allein in den Händen des Lehrers liegt. Aufgrund der schnellen Entwicklungen in Punkto Technik ist es jedoch oftmals schwierig, nachhaltig zu agieren. Oftmals gehen Szenarien über den experimentellen Charakter nicht hinaus, da nach dem Abschluss einer Studie sich bereits neue Entwicklungen abzeichnen, denen man denkt, folgen zu müssen.

Der Vorteil des Einsatzes von Tablets liegt somit sicherlich nicht in der neuen Gestaltung alter Unterrichtsinhalte allein: Vielmehr stehen hier mehr Materialien (z.B. multimediale Komponenten, wie dies u.a. in den digitalen Schulbüchern des Klett-Verlags bald der Fall sein soll, wo z.B. Videos und Audiodateien in die Fremdsprachenbücher integriert sein sollen) und mehr Methoden zur Verfügung. Ein Mehr ist jedoch auch zuweilen gefährlich, da es leicht zur Sinnesüberreizung kommen kann, womit wieder einmal die didaktischen Fähigkeiten des Lehrers gefragt sind, diese Reize zu kanalisieren um zu einem echten Lernprozess zu gelangen. Dies gilt umso mehr, da die heutigen SchülerInnen oftmals bereits durch einen reizüberfluteten Alltag “abgestumpft” gegenüber bestimmten Impulsen sind, welche somit vom Lehrer, der die SchülerInnen zum Lernen animieren möchte, auch klassen- oder schülerspezifisch zugunsten anderer Impulse unter Umständen kompetent beiseite geschoben werden müssen.

Ein weitere Vorteil des Tablets, welches dieses letztendlich positiv von z.B. einem Ultrabook unterscheidet,  ist die Tatsache, dass es energiesparend und leise (sowohl im Bezug auf den Lüfter als auch auf die lautlose Tastatur), sowie schnell hochfahrbar ist, wenn es benötigt wird. Außerdem entsteht durch ein Tablet keine Distanz zwischen Lernern untereinander und Lernern und Lehrern, wie dies durch einen hochgeklappten Bildschirm geschieht. Eine gewisse Abhängigkeit von z.B. Stromquellen und der Batterielaufzeit ist jedoch unvermeidbar, d.h. wenn die SchülerInnen nicht daran denken, ihr Tablet jeden Abend aufzuladen (so wie sie auch mitunter nicht daran denken, alle Schulbücher für den nächsten Tag einzupacken), dann stoßen wir wieder an Grenzen, die außerhalb unseres Einflusses liegen.

Je nachdem wie stark elektronische Geräte in den Alltag unserer SchülerInnen integriert sind, d.h. als normales Werkzeug und nicht als Spielzeug gesehen werden, kann ich mir jedoch gut vorstellen, dass die Motivation bei der richtigen didaktischen Lenkung in Verbindung mit multimedial angereicherten Lerninhalten sicherlich enorm gesteigert werden kann – sofern man einen Weg findet, die SchülerInnen wieder dahingehend zu “erziehen”, bestimmte Reize wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Dies kann jedoch nicht die Aufgabe der Schule oder der Lehrer allein sein, sondern  es ist in einen größeren gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

Diese Vorteile dürfen jedoch nicht dazu verleiten, Grundfertigkeiten wie das Schreiben von Hand in Vergessenheit geraten zu lassen, da die Handschrift in gewisser Weise zur Persönlichkeit eines Menschen gehört und regelmäßig angewendet werden sollte. Dasselbe gilt für weitere menschliche Grundfähigkeiten, die den Umgang miteinander erleichtern und den Aufbau und Erhalt von persönlichen Beziehungen erst ermöglichen.

Allgemein denke ich, dass gut 50% der heutigen Lehrerschaft durchaus dazu bereit wäre, dazuzulernen und sich auf neue Lernmethoden mit elektronischen Medien einzulassen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Gäbe es landesweit schulinterne oder auch schulübergreifende Managementsysteme und Lernplattformen, mit denen man “nur” lernen müßte, umzugehen, wenn qualitativ hochwertige Materialien und Geräte inklusive der notwendigen Infrastruktur die Norm wären, man gewisse Orientierungshilfen in ihrer An- und Verwendung hätte  und wenn der gesellschaftliche Wert von Schule und Bildung ein anderer wäre, so könnte ich mir gut vorstellen, dass die “Schule von Morgen” ein wunderbarer Ort des “miteinander Lernens” sein könnte, ein Ort, den die SchülerInnen nicht komplett von ihrem außerschulischen Leben trennen und ein Ort, an dem die LehrerInnen ihren ganzen Idealismus einbringen und ausleben könnten. Solange wir jedoch mit schlechter Ausstattung, dem Gefühl, im Hinblick auf die neuen Medien allein in weiter Flur zu stehen und mit einem nicht zu vernachlässigenden Teil an SchülerInnen konfrontiert sind, die Schule als lästige Pflicht ansehen, ist es Irrsinn zu glauben, dass LehrerInnen ihre Freizeit noch weiter einschränken, um sich neben der allwöchentlichen Arbeitslast auch noch mit der Lösung der Frage zu beschäftigen, wie ein System, das dringend Veränderung braucht, aussehen soll und aktiv dafür zu kämpfen.

Sicherlich kann man den momentanen Zustand des Bildungssystems nicht allein auf die Gesellschaft abwälzen, auch wir LehrerInnen tragen zweifellos teilweise dazu bei, dass unsere SchülerInnen manchmal bei weitem weniger motiviert sind, als sie dies sein könnten, jedoch müssen wir in einer Zeit, in der beruflichen Überbelastung und Burnout aufgrund der Tatsache, dass sie immer mehr Opfer fordern, gesellschaftsfähige Themen geworden sind, auch an unsere Gesundheit denken. Ich persönlich hätte keinerlei Probleme, mich in meiner Freizeit – wäre sie denn nun großzügiger bemessen und könnte ich dennoch meiner Pflicht auf die Erhaltung meiner Gesundheit nachkommen – aktiv daran zu beteiligen, auf die Vision, die ich einmal von Schule hatte, hinzuarbeiten. Doch bei 25 Wochenstunden in teilweise sehr undisziplinierten Klassen, einer damit verbundenen Arbeitslast für Vor- und Nachbereitung und Korrekturen von bis zu 35 weiteren Stunden, institutionell eher ungünstigen Rahmenbedingungen und dem Wunsch, mich zumindest etwas fortzubilden (ca. 3 Stunden pro Woche), sehe ich mich außer Stande, noch mehr Zeit für die Schule zu opfern, vor allem wenn man bedenkt, dass dieses Opfer von einem Großteil der davon profitierenden Personen nicht einmal wahrgenommen wird.

Dies ist mit ein Grund, weshalb ich zwar selbst mein Tablet, mein Ultrabook, und mein Smartphone als Zweitgeräte zu meinem PC – auch hier schließe ich mich dem allgemeinen Tenor der Experten absolut an: es sollte sich nicht um ein entweder-oder von Tablet und anderen Geräten handeln, sondern um eine sinnvolle Kombination verschiedener Endgeräte zu verschiedenen Zwecken – und zu 80% als Werkzeuge betrachte mit Hilfe derer ich dank verschiedener “cloud services” (z.B. Dropbox und Evernote) von überall auf für mich wichtige mobile Daten zugreifen kann, weshalb ich aber jeglichen Idealismus, meine Kollegen von meiner Einstellung zu überzeugen, über Bord geworfen habe und hinnehme, dass meine Art zu arbeiten teils mit Verwunderung, teils mit Skepsis bis hin zu Unverständnis betrachtet wird. Dies macht mich zwar zu einer der Einzelkämpferinnen, die es mit unwahrscheinlich machen, dass wir in den nächsten 20 Jahren die Schule zu einem Ort machen, an dem effektiv und mit Spaß gelernt wird, jedoch dient es niemandem, wenn ich die Energie, die ich in meine Projekte mit den neuen Medien im Fremdsprachenunterricht stecke, stattdessen in einen aussichtslosen Kampf investiere, um Kollegen von meinen Ansichten zu überzeugen oder über große Distanzen hinweg mit Gleichgesinnten an Projekten zu arbeiten, die – hätten sie landesweit genügend Unterstützung – sicherlich zukunftsträchtig wären.

Man darf mir gerne unterstellen, dass ich den Weg des geringsten Widerstands gehe oder desillusioniert wirke, doch ich denke zuweilen, dass ich als Edubloggerin leise vor mich hinschreibend und als Lehrerin, die neben der Vermittlung von notwendigen Grundlagen und Arbeitstechniken (denn nichts ist schlimmer als SchülerInnen, die nicht wissen, wie man die Rechtschreibung eines Wortes ohne LEO überprüft oder die das kleine 1×1 nicht beherrschen!) ihren SchülerInnen zumindest ansatzweise (wenn auch teilweise gegen ihren Willen) die Möglichkeiten der neuen Medien vorstellt und -lebt im Endeffekt vielleicht mehr erreiche als wenn ich mich für eine Sache engagiere, die so unbezwingbar erscheint, dass auch der größte Idealismus nicht ausreicht, um diesen Berg zu versetzen.

Mein Fazit: Die neuen Medien sind toll, können bei richtiger Anwendung unseren Arbeitsalltag und durch ihren gezielten Einsatz im Unterricht auch den künftigen Arbeitsalltag unserer SchülerInnen immens erleichtern und Arbeitstechniken und Kompetenzen vermitteln, die universell adaptierbar sind. Die Geräte, die wir hierzu benötigen allein sind jedoch nur Mittel zum Zweck und ihre Bedienung muss erlernt werden, d.h. es muss LehrerInnen geben, die den Umgang damit beherrschen und aktiv lehren, denn nur weil man einem Kind ein Tablet in die Hand gibt, wird es noch lange nicht dazu fähig sein, seine Kapazitäten voll auszuschöpfen. Diese Illusion der “digital natives” sollten wir schnellstens zukunsten der Realität beiseite schieben: Kinder sind und bleiben Wesen, denen man Dinge erklären und zeigen muss, damit sie sich zu (hoffentlich verantwortungsbewussten) vollwertigen Mitgliedern unserer Gesellschaft entwickeln können und diese Ausbildung muss möglichst früh beginnen, wenn die Kinder noch begeisterungs- und aufnahmefähig sind.

Ob dies allerdings mit Tablets oder anderen Geräten geschieht ist meiner Ansicht nach zweitrangig. Wer einmal das Prinzip der Verwendung von digitalen Endgeräten verstanden hat und die Möglichkeit hatte, verschiedene Arten von Geräten kennen zu lernen, der begreift ganz von allein wann die Verwendung von welchem Gerät vorteilhaft oder auch nur individuell angenehmer sein könnte. Tablets sind sicherlich nicht das Allheilmittel gegen den momentan desolaten Zustand des Bildungssystems und die Tatsache, dass sie in Studien wie dem Horizon-Report auftauchen, liegt vermutlich wirklich nur darin begründet, dass sie momentan als Neuheit in aller Munde sind – wie dies vor einigen Jahren bei Second Life der Fall war, welches jedoch (sehr zu meinem Bedauern) trotz seiner Potenziale inzwischen zum belächelten Randphänomen mutiert ist.

Abschließend möglich ich noch einer Äußerung aus dem Chat aufgreifen, die daran erinnerte, dass Rousseau gesagt hat, man solle Kinder Kinder sein lassen und nicht von ihnen erwarten, dass sie sich wie kleine Erwachsene benehmen. Sicherlich war diese Äußerung für Rousseaus Zeit absolut akzeptabel, da die Welt, in der er lebte eine Andere war und die Kinder seinerzeit in ihrem späteren Beruf nicht mit einer Aufgabe vor einen Computer gesetzt wurden, die sie ohne Kenntnisse hinsichtlich der Verwendung dieses Geräts einfach nicht lösen konnten. Damals mussten die Menschen eher handwerklich geschickt sein um zu überleben und die Fähigkeiten dazu konnten sie in ihrer Kindheit sicherlich erwerben, indem sie einfach nur Kinder waren, ihre Motorik und damit Handlungskompetenz entwickelten und auf Bäume kletterten. Das heutige “Handwerk” erfordert jedoch den Umgang mit einer anderen Art von Werkzeug und die Handlungskompetenz wurde durch die Medienkompetenz ergänzt. Damit sollte klar sein, dass es unabdingbar ist, schon kleine Kindern mit dem Umgang mit den neuen Medien – spielerisch und didaktisch gut aufbereitet – vertraut zu machen, sodass sie ein Tablet oder ein Smartphone gar nicht erst “nur” als Spielzeug kennenlernen, sondern von klein auf als Werkzeug wahrnehmen. Wenn sie in ihrer Jugend dann den Spielefaktor als angenehmen Nebeneffekt entdecken, so ist diese engänzende Qualität des bekannten Werkzeugs sicherlich weitaus weniger gefährlich als wenn man einem Jugendlichen plötzlich begreiflich machen muss, dass sein geliebtes Spielzeug eigentlich kein Spielzeug ist. Der Weg von der Arbeit zum Spaß ist schließlich weitaus einfacher zu gehen als der vom Spaß zur Arbeit.

Hier noch ein interessanter Artikel aus dem Spiegel zur Frage, ob die zu frühe Beschäftigung mit digitalen Medien Kindern schaden kann.

Die Links zur Aufzeichnung des Live-Events, zum Kursblog, zu den Folien der Referenten und zu weiterem Material finden Sie hier.

1. DaFWEBKON 2012: Best Practice im webbasierten Unterricht (6.-7.5.2012) aus der Sicht einer Nicht-DaF-Lehrerin

Obwohl ich nicht Deutsch als Fremdsprache unterrichte, so war ich doch sehr neugierig, auf die von Heike Philp, Nadja Blust und Angelika Güttl-Strahlhofer organisierte 1. DaFWEBKON. Schon einige Wochen zuvor war ich auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht worden, als Heike Philp bei mir anfragte, ob ich nicht Lust hätte, ebenfalls einen Vortrag beizusteuern. Auch wenn ich dieser Bitte mit großem Bedauern aufgrund von Zeitmangel für die Vorbereitung leider nicht entsprechen konnte, so wollte ich dennoch als eine von insgesamt mehr als 400 TeilnehmerInnen aus vermutlich mehr als 20 Ländern möglichst vielen der 34 Veranstaltungen beiwohnen.

Da sich die WebKon mit dem Gegenbesuch unserer Austauschgruppe aus Paris überschnitt, hatte ich leider nur die Gelegenheit, am Sonntag fast allen Vorträgen beizuwohnen, die Aufzeichnungen der Veranstaltungen des Programms vom Montag werde ich mir in den Pfingstferien jedoch anschauen und darüber berichten.

Besonders gelungen fand ich die absolut phänomenale Moderation durch die drei Hauptveranstalterinnen, die als hervorragend eingespieltes Team zwischen den Meetingräumen hin- und her”flogen”, dabei stets gut gelaunt waren und auch hier und da die Zeit fanden für ein kleines Schwätzchen. Ich habe noch nie eine so gute Atmosphäre bei einem großen Online-Event erlebt – waren auch teilweise mehr als 100 Leute im Raum, so ging es bei Weitem ruhiger zu als z.B. bei den Live-Events des OPCO 2012, an dem ich momentan ebenfalls teilnehme. Es war mehr als deutlich, dass alle Veranstalterinnen über viel Erfahrung im Online-Fortbildungsbereich verfügen und großen Spaß daran haben. Es war einen Freude, Ihnen und den ReferentInnen zuzuhören.

Besonders schön fand ich es, unter den TeilnehmerInnen und ReferentInnen “alte” Bekannte wie Jürgen Wagner, Chris Jaeglin, Alf Peherstörfer und Thomas Strasser zu treffen. Fast ebenso schön war es jedoch, neue Bekanntschaften zu schließen und meinen zwar nicht gerade eingeschränkten aber für mich stets zu begrenzten Horizont im Hinblick auf die neuen Medien im Fremdsprachenunterricht zu erweitern.

Eröffnet wurde die DaFWEBKON 2012 durch Marianne Hepp, der Präsidentin des internationalen Deutschlehrerverbands, die den IDV vorstellte und betonte, wie wichtig die neuen Medien im heutigen Fremdsprachenunterricht sind.

In seiner Keynote “Web 2.0 als digitaler Hype oder ernst zu nehmender Paradigmenwechsel” legte Thomas Strasser dar, wie wichtig es ist, die Informationsflut des Internets – welches sich 5 x so schnell wie das “wirkliche” Leben entwickelt – in die richtigen Bahnen zu lenken und dass die Nutzung der neuen Medien im Unterricht durchaus seine Legitimation hat, auch wenn viele Menschen nur den Selbstdarstellungs-Aspekt des Web 2.0 sehen mögen. Auch wenn dieser Vorwurf für einen Teil des Internets sicherlich zutrifft, so darf daduch nicht sein pädagogischer Nutzen übersehen werden. So ist das Web 2.0 nicht nur für LehrerInnen eine ausgezeichnete Informationsquelle, sondern hier arbeiten auch auf diesem Gebiet aktive KollegInnen produktiv in Netzwerken zusammen (wie dies auch bei der DaFWEBKON der Fall war) und arbeiten so gemeinsam daran, als Wegbereiter für den notwendigen Paradigmenwechsel in der Schule zu fungieren. Dies bedeutet nicht, dass alle althergebrachten Methoden über Bord geworfen werden sollen, sondern vielmehr sollen die neuen Methoden und Medien an den richtigen Stellen eingefügt werden, um die SchülerInnen auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten. Mit einem Augenzwinkern wurde verkündet, dass schon Mr. Spock vom Raumschiff Enterprise sagte, dass Veränderung der essenzielle Prozess einer jeden Existenz sei – ein Hinweis, den ich als “Trekkie” besonders gerne hörte:D. Um jedoch diesen Paradigmenwechsel vorzubereiten, ist es notwendig, das Web 2.0 zu didaktisieren, und genau dies ist unsere Aufgabe als medienbegeisterte LehrerInnen des neuen Jahrtausends, dessen Alltag von Google und Co. bestimmt wird – denn wer hat noch nie einen neuen Bekannten gegoogelt oder Bücher günstig im Internet erworben anstatt sie regulär im Buchhandel zu kaufen?

Im Anschluss an Thomas Strassers Keynote präsentierte Cornelia Steinmann die Möglichkeiten und Grenzen des Aussprachetrainings mit Hilfe von webbasierten Ressourcen und Online-Tools. Sie erklärte anschaulich, wie wir im Aussprachebereich vom Web 2.0 profitieren können, da unsere SchülerInnen z.B. Zugang zu allen nur denkbaren Varietäten einer Sprache haben und auch Tools zur Transkription von Texten in die IPA nutzen können. So kann man zum Beispiel im Unterricht einfach verschiedene Akzente thematisieren, das Hörverständnis aber auch die Sprachproduktion fördern und üben. Dies kann in einzelnen kleinen Einheiten geschehen, jedoch auch bis zur für den individuellen Schüler besonders lohnenden Portfolioarbeit ausgedehnt werden.

Ilpo Halonen aus Finnland stellte in einem der beiden parallel geschalteten Veranstaltungsräume ein zweijähriges EU-Projekt namens CEFcult (2009-11) vor, welches dazu dienen soll, die interkulturelle Kompetenz auszubilden, indem man interaktiv auf bestimmte Impulse reagiert und anschließend von anderen Teilnehmern ebenso evaluiert werden kann wie man sich selbst bewerten kann. Denn die Fremdsprache ist eigentlich nur ein (kleiner) Teil der interkulturellen Kompetenz, die in unserer Zeit immer wichtiger wird und den Subtext zu geschäftlichen Interaktionen in der Fremdsprache darstellt.

Interessant war auch die Diskussion der Frage, ob E-Learning in der Informationsgesellschaft von heute als selbstverständlich anzusehen ist. Da Martin Ebner nicht selbst anwesend sein konnte, hatte er seinen Vortrag aufgezeichnet und stand im Anschluss per Twitter für Rückfragen zur Verfügung. Laut Herrn Ebner ist es keineswegs so, dass die “Net-Generation“, die mit dem Internet aufwächst, so gut technisch ausgerüstet ist, wie man dies für gewöhnlich annimmt. Außerdem wies er darauf hin, dass der Lernerfolg an sich unabhängig von einem bestimmten Medium ist und eher von der didaktischen Innovations- und damit einhergehenden Motivationsfähigkeit des Lehrers abhängt. Nur er kann die zum erfolgreichen Lernen notwendigen Emotionen hervorrufen, Aufmerksamkeit wecken und erhalten, Vorwissen aktivieren und dessen Weiterentwicklung durch gezielte Impulse anregen. Allerdings kann Technologie im Unterricht – sei es nun in Form von e-Learning in Verbindung mit dem Web 2.0, m(obile)-Learning, p(ersonalized)-learning oder u(biquitous)-learning – durchaus einen Mehrwert haben, sofern der Lehrer es versteht, das Web 2.0 für genau diese Zwecke zu didaktisieren, worin laut meinem Verständnis ein Anknüpfungspunkt zu Thomas Strassers Keynote hergestellt wurde. Auch Herr Ebner betonte, wie wichtig es ist, die Informationsflut zu bändigen und bereits bestehende Strukturen, wie z.B. die Tatsache, dass fast 1/7 der Weltbevölkerung bereits auf Facebook aktiv ist, mit in den Lernprozess einzubinden. Denn schließlich sollen wir als LehrerInnen die SchülerInnen dort abholen, wo sie sind – und nicht nur im Hinblick auf inhaltliche und sprachliche Aspekte.

Besonders spannend fand ich die Podiumsdiskussion zu Ray Cliffords Aussage “Technologie ersetzt keine Lehrer, aber die Lehrer, die technisch fit sind, werden diejenigen ersetzen, die davon keine Ahnung haben“. Die grundlegende Frage war dabei, wie LehrerInnen die Kompetenzen entwickeln können, die nötig sind, um mit dem “neuen” Schüler umzugehen. Im Laufe der Diskussion wurde klar, dass der “neue” Schüler keineswegs so modern ist, wie wir dies immer annehmen und die “Digital Natives” eigentlich nicht existieren, dass es aber durchaus notwendig ist, die heutige Schülergeneration so auszubilden, dass sie den an sie gestellten Anforderungen genügen und die ihnen nachfolgende Generation so vielleicht wirklich als “digital natives” aufwächst. Eines der besonders im Chat vieldiskutieren Probleme ist und bleibt die Tatsache, dass die Rahmenbedingungen momentan weder finanziell, noch materiell, noch politisch stimmen. Fazit war, dass wir alle als LehrerInnen offen gegenüber Veränderungen sein sollten, dass wir uns jedoch keine Sorgen machen müssen, irgendwann entbehrlich zu werden, egal wie viel oder wenig wir über den Umgang mit den neuen Medien wissen. Bemerkenswert fand ich hier auch die hervorragende Moderation durch Anna Airikkala.

Ein weiteres Highlight war für mich Michael Hielschers Vorstellung von LearningApps.org, einer kollaborativen Plattform ähnlich Youtube, die es ermöglicht, individuelle Schwerpunkte mit Hilfe multimedialer Materialien zu trainieren. Erstellt werden können die Übungen von jedem angemeldeten Nutzer, jeder kann sie nutzen und bewerten. Aufgrund dieser Offenheit ist die Qualität einzelner Übungen natürlich nicht gewährt, jedoch kann man anhand der Bewertungen schnell die Spreu vom Weizen trennen. Aufgrund der großen Menge an guten wie auch schlechten Übungen bietet es sich hier an, als LehrerIn eine Vorauswahl für die SchülerInnen zu treffen und einzelne gute Lernbausteine, die thematisch zum momentanen Lernstoff passen, z.B. in einen Blog einzubinden. Ebenso sind die Apps auf mobilen Endgeräten verwendbar, wodurch sie überaus mobil und für SchülerInnen sicherlich noch attraktiver werden.

Jürgen Wagner präsentierte nachfolgend die Vorteile von Posterous um mit SchülerInnen einfach zu bloggen. Der Vorteil von Posterous gegenüber anderen Blogplattformen liegt darin, dass es nicht nur eine App für verschiedene mobile Endgeräte gibt, sondern dass auch per Email gebloggt werden kann und sowohl Bilder, als auch Videos, PDF- und andere Dokumente einfach als Anhang mitgeschickt werden können. Ebenso einfach ist die Einbindung von Podcasts und dergleichen. Laut Aussagen Jürgen Wagners sind WordPress und Blogger im Prinzip zwar ressourcenreicher für erfahrene Blogger, möchte man jedoch mit wenig Aufwand und unerfahrenen SchülerInnen bloggen, so bietet sich Posterous durchaus als gute Alternative an.

Bei der letzten Veranstaltung, die ich am Sonntag miterlebte, thematisierte Elke Kolodzy den Nutzen von Videokonferenzen im Rahmen des interkulturellen Lernens. So handelt es sich bei dieser Art der Kommunikation um eine reale Kommunikation, die fremdsprachiges Handeln erfordert und mit Landeskunde verbunden werden kann. Beim Austausch mit einem Gegenüber, das aus einer anderen Kultur stammt, wird somit nicht nur die fremdsprachliche Kompetenz gefördert, sondern auch die Medien-, Sozial-, Selbst und interkulturelle Kompetenz. Vom praktischen Standpunkt aus kann beispielsweise ein Französischlehrer in Deutschland mit einem französischen Kollegen, dessen SchülerInnen Deutsch lernen, ein- bis zweimal im Monat Videokonferenzen organisieren, bei denen die SchülerInnen bestimmte Sprechanlässe bekommen oder auch füreinander Übungen zu bestimmten Themen erstellen. Wenn man gut mit dem Kollegen im Team arbeitet, lässt man so die SchülerInnen der beiden Länder die Globalisierung hautnah erleben und fördert nicht nur deren sprachliche Kompetenz, sondern auch die Völkerverständigung. Möchte der eine oder andere Schüler den Kontakt zu einem Mitschüler aus der Partnerklasse vertiefen, können sogar Sprachtandems gebildet werden, die in ihrer Freizeit noch mehr voneinander lernen und eine Freundschaft aufbauen können. Allerdings gilt auch hier, dass die materiellen Voraussetzungen (Ausstattung der Computerräume, Offenheit der Eltern- und Schülerschaft) hier dem professionellen Eifer schnell Grenzen setzen können.

Hier geht es zum Programm, hier zu den Aufzeichnungen fast aller Beiträge.

Fortsetzung (mit anderen Worten meine Eindrücke vom Montagsprogramm) folgt  demnächst…

Update: Cyber-Langues 2012 (Aix-en-Provence, 21.-23. August)

Hier noch ein kurzer Hinweis für all jene, die es bisher versäumt haben, sich zum Colloque Cyber-Langues in Aix-en-Provence im August anzumelden: Seit Anfang Mai können sich die Mitglieder von Cyber-Langues bereits anmelden, seit dem 12. Mai steht die Anmeldung auch Nicht-Mitgliedern offen. Bereits am letzten Dienstag wurde gemeldet, dass sich schon mehr als 80 Teilnehmer angemeldet haben.

Bis zum 26. Mai haben Unentschlossene noch die Möglichkeit, sich anzumelden

Das vorläufige Programm gibt es hier, weitere Infos zu Unterkunft und Organisation hier.

Worauf warten Sie noch???? ;)

eLecture: Prezi (Projekt Virtuelle PH, Österreich)

Seit einiger Zeit gibt es für Präsentationen eine Alternative zu PowerPoint und dessen Open Source-Pendant OpenOffice/LibreOffice Impress: das plattformunabhängige Präsentationsprogramm Prezi. Ich habe bereits an mehreren Fortbildungen teilgenommen, in denen Prezi verwendet wurde und obwohl ich mich bisher nicht wirklich mit dieser eher unruhigen Art der Präsentation anfreunden und mich eines gewissen Schwindelgefühls beim Anblick von Prezis nicht erwehren konnte, war es dennoch höchste Zeit, mich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen – bevor ich mir Jürgen Wagners Vortrag zu Prezi beim Colloque CyberLangues im August in Aix-en-Provence zu Gemüte führen werde.

Im Prinzip handelt es sich bei Prezi – anders als dem aus einzelnen Folien bestehende PowerPoint – um eine Art unendlich großes Poster oder Whiteboard, auf dem man sowohl Text als auch Fotos, (Online)Videos, Diagramme, Dokumente und Präsentationen beliebig einfügen kann. Anschließend legt man fest, auf welche Bereiche des Posters nacheinander gezoomt werden soll. Bei der Präsentation wird dann anstatt die Folien zu wechseln, die Zoombewegung ausgeführt und man erhält die Detailansicht eines Bereichs.

Bei der Anmeldung bekommt ein “normaler” Nutzer einen Speicherplatz von 100MB zur Verfügung gestellt, ein Benutzer aus dem Edu-Bereich sogar 500MB, dies allerdings laut den Angaben der Webseite nur mit einer offiziellen Schulemailadresse (über die Schulen in Deutschland nicht unbedingt verfügen). Der kostenlose Edu-Account bietet außerdem die Möglichkeit, die Prezis privat zu halten und ein eigenes Logo zu verwenden. Braucht man mehr Speicherplatz, so kostet dies zwischen $59 und $159 pro Jahr.

Vorteile liegen darin, dass diese Präsentationslösung kostenlos, plattformunabhängig und online nutzbar ist und man synchron kollaborativ an Prezis arbeiten kann. Ebenso ansprechend ist die intuitive Bedienung des Editors, die gestalterischen Möglichkeiten und die Tatsache, dass Videos und andere Medien tendenziell wohl weitaus zuverlässiger funktionieren, da sie nur den Flashplayer benötigen anstatt im letzten Moment einen Codec zu verlangen, der auf dem verwendeten Computer nicht installiert ist, den man aber auch nicht installieren kann, weil man nicht über Administratorrechte verfügt. Schließlich dürfte sich diese Methode auch gut eignen für Vorträge zu Themen, bei denen es wichtig ist, dass man neben Detailinformationen auch den Bezug zum Gesamtbild nicht verliert. Dies gestaltet sich bei PowerPoint zugegebenermaßen meist recht steif.

Zu den Nachteilen gehören sicherlich die Abhängigkeit von einer gut gepflegten technischen Ausstattung (inkl. Flashplayer usw.) und einem Internetzugang. Wer die Offline-Version nutzen möchte, der muss tiefer in die Tasche greifen und das Jahreabo für $159 erwerben.

Im Endeffekt denke ich, dass Prezi durchaus seine Vorteile hat, besonders wenn es um ansprechende Präsentationen im Schulbereich geht, die besonders in der Unter- und Mittelstufe oft eher kreativ sein sollen. Anstatt herkömmliche Poster zu gestalten, können die SchülerInnen mit Prezi digitale Elemente einbinden und sie dann per Beamer präsentieren, anstatt alle um ein kleines Poster an der Tafel zu stehen und auf einzelne Punkte hinzuweisen, die besonders aus den hinteren Reihen nicht mehr erkennbar sind. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Prezis auch nach der Präsentation im Internet abrufbar sind und so von den SchülerInnen nochmals angeschaut werden können, z.B. um auf Klassenarbeiten zu lernen.

Allerdings ist hier zu bedenken, dass die SchülerInnen zum einen vorher gut über Datenschutz und Copyrightfragen informiert sein müssen und dass sie auch lernen müssen, mit Hilfe von digitalen Medien zu präsentieren – angefangen von der Tatsache, dass man am besten einen Computerbildschirm vor sich hat und die Beamerprojektionsfläche im Rücken, über die Verwendung von Laserpointer und Co bis hin zur richtigen Auswahl und ansprechenden Gestaltung der Prezis selbst. Schließlich sollte nicht vergessen werden, den SchülerInnen neben dem Umgang mit Prezi auch Alternativen für strukturiertere Präsentationen (wie z.B. Impress oder PowerPoint) und deren Verwendung vorzustellen, die Unterschiede zu thematisieren und ihnen Kategorien zur Auswahl des richtigen Mediums an die Hand zu geben. Denn je nach Thema und Art des Vortrags kann die eine oder andere Präsentationsform vorteilhafter sein.

Auch wenn ich diese Fortbildung nicht nur inhaltlich sehr präzise und interessant fand, sondern sowohl die gute Moderation durch Alf Peherstörfer und den hervorragenden Vortrag von Stefan Schmid sehr schätzte – nicht nur aufgrund der deutlich erkennbaren Struktur, sondern auch dank der ruhigen und angenehmen Art des Vortrags, dem ich sehr gern lauschte – so denke ich, dass Prezi durchaus seine Grenzen da hat, wo eine Struktur von Nöten ist und Arbeitstechniken vermittelt werden sollen. Dies ging übrigens auch aus dem Vortrag selbst hervor, der nicht durch eine Prezi-Präsentation unterstützt wurde, sondern aufgrund der Notwendigkeit einer klaren Struktur und einer “hands-on”-Demonstration der Anwendung mit Screensharing einher ging.

Sicherlich werde ich meinen SchülerInnen diese Art der Präsentation nicht vorenthalten und sie demnächst einmal mit ihnen austesten. Jedoch gehöre ich wohl eher zu den Menschen, die Struktur brauchen und lieben (auch wenn mein Arbeitsplatz und mein Arbeitsalltag eher vermuten lassen, dass ich ins Camp der kreativen Chaoten gehöre:)) und daher bei PowerPoint bleiben werden – zumal der Fortbildungs- und herkömmliche Präsentationsbereich per se weniger Kreativität als Geradlinigkeit in den Vordergrund stellen.

Hier der Link zur wirklich hervorragenden eLecture, die alle von mir nur kurz erwähnten Features und die Bedienung von Prezi äußerst einfach und dennoch detailliert erklärt.

Podcast: L’Histoire de France en 70 Minutes

Seit circa drei Monaten beschäftige ich mich eingehender mit den Möglichkeiten und Grenzen von Podcasts im Fremdsprachenunterricht. Nach mehreren Fortbildungen (z.B. an der Virtuellen PH Österreich) zu diesem Thema bin ich mir sicher, dass der Einsatz von Podcasts und Audiodateien nicht nur das Hörverständnis, sondern auch die aktive Sprachproduktion verbessern kann.

Ich hätte gerne  ein Projekt mit Audiodateien von Audio-Lingua gestartet, dies scheiterte jedoch leider an organisatorischen Problemen: Weder meine Schule noch ich selbst verfügen über einen Klassensatz an MP3-Playern und mehrere meiner SchülerInnen besitzen kein digitales Abspielgerät. Ich werde mich bis zum Beginn des neuen Schuljahres mit der Frage auseinandersetzen, wie ich an einen Klassensatz MP3-Player kommen kann.

Da leider auch die Computerräume meiner Schule nur unzulänglich für Podcast-Experimente ausgestattet sind, beschloss ich, meine Abschlussklasse in Eigenregie eine Serie an Podcasts zum abiturrelevanten Literaturthema “One Language Many Voices” anfertigen zu lassen. Ich überwachte lediglich den sprachlichen Inhalt und gab Tipps zur kreativen Umsetzung, die Aufnahme musste jedoch ohne meine Anleitung am heimischen Computer stattfinden. Die Klasse hat diese Aufgabe bravourös gemeistert und qualitativ recht hochwertige Aufnahmen abgegeben.

Dieser erste “Erfolg” ermutigte mich dazu, auch ein Projekt in meinen drei Französisch-Mittelstufeklassen in Angriff zu nehmen. Da die französische Geschichte in unseren momentanen Lehrwerken eher stiefmütterlich behandelt wird und kaum ein Schüler einen Überblick über wichtige Entwicklungen der französischen Geschichte jenseits von aus dem Geschichtsunterricht bekannten Ereignissen wie der Französischen Revolution hat, beschloss ich, dieses Thema mit meinen drei Klassen arbeitsteilig zu erarbeiten.

Als Ausgangspunkt diente mir eine in Frankreich gekaufte Schreibtischunterlage für Kinder, die die wichtigsten Ereignisse der französischen Geschichte sowie einige Meilensteine der europäischen und Weltgeschichte beinhaltete. Diese Themen wurden auf die drei Klassen verteilt und die SchülerInnen erhielten den Auftrag, innerhalb einer überschaubaren und nicht zu knappen Zeit einen kurzen Text zu ihrem Thema zu verfassen. Ursprünglich war es Teil der Aufgabe, die Bedeutung des jeweiligen Themas für die gesamte französische Geschichte in einem abschließenden Satz zu erläutern. In meiner neunten Klasse erledigten die meisten SchülerInnen die Aufgabe paarweise, während die sehr guten SchülerInnen dieser Klasse und alle SchülerInnen aus meinen beiden zehnten Klassen alleine arbeiteten.

Nachdem mir fast alle SchülerInnen mehr oder minder pünktlich einen ersten Entwurf ihres Themas per Email zugeschickt hatten, erhielten sie eine sprachlich überarbeitete Version zurück, teilweise mit der Bitte, inhaltliche Veränderungen vorzunehmen. Die Endversion sollte mir nochmals zugeschickt werden, sodass nur sprachlich und inhaltlich einwandfreie Texte aufgenommen werden würden.

Im Anschluss daran sollten die SchülerInnen mit Hilfe des Google-Übersetzers die Aussprache ihres Textes üben. Vorgesehen war auch eine Übungsphase im Unterricht mit Peer-Korrektur, die leider aufgrund von Stundenausfällen und dem Paris-Austausch, um den ich mich parallel kümmern musste, ausfiel. Im Anschluss an diese bewusste Beschäftigung mit der Aussprache sollten dann die Audiodateien zu Hause oder mit geliehenen Headsets in der Mittagspause in der Schule aufgenommen werden. Eine Aufzeichnung im Computerraum wäre unmöglich gewesen, da bei Einzelaufnahme die Nervosität der einzelnen SchülerInnen aufgrund der Anwesenheit der anderen SchülerInnen zu groß gewesen wäre und eine gleichzeitige Aufnahme für zu große Hintergrundgeräusche gesorgt hätte.

Die Aufnahme erfolgte wo möglich mithilfe von einer auf meiner Webseite eingebauten Audio-Dropbox, die mir eine fertige MP3-Datei zum Download bereitstellte. Als Alternative – weil z.B. an den Schulcomputern die Flashplayer versagten – bot ich eine Aufnahme über Audioboo an. Da auch dies aufgrund aus unerfindlichen Gründen nicht funktionierender Headsets nicht bei allen SchülerInnen funktionierte, bot ich als letzten Ausweg die Aufnahme über mein eigenes Mobiltelefon an – hier jedoch in meiner Anwesenheit.

Die meisten der SchülerInnen schickten mir qualitativ relativ hochwertige Aufnahmen, abgesehen von Rauschen oder Lautstärkemängeln, die ich im Nachhinein durch Bearbeitung mit Audacity meist beheben konnte. Einige SchülerInnen schickten mir mit dem iPhone aufgenommene Dateien im mp4-Format, die ich der Einfachheit halber selbst mit einem Konverter in MP3-Dateien konvertierte.

Mein ursprünglicher Plan, das Projekt innerhalb eines Monats fertigzustellen, scheiterte leider kläglich. Dies lag jedoch weniger an äußeren Umständen als vielmehr an der Tatsache, dass einige SchülerInnen es nicht gewohnt sind, Termine einzuhalten und ich sie immer wieder an ihre Versäumnisse erinnern musste. Einige SchülerInnen weigerten sich leider sogar bis zuletzt standhaft, am Projekt teilzunehmen, weshalb ich ihre Themen dann auf freiwilliger Basis an andere SchülerInnen verteilte und die Mehrarbeit entsprechend belohnte.

Allgemein war das Projekt auf jeden Fall ein Erfolg, da zum ersten Mal jeder (teilnehmende) Schüler seine mündliche Ausdrucksfähigkeit zeigen konnte. Dabei stellte ich fest, dass einige sehr schwache SchülerInnen eine hervorragende Aussprache haben, während eher leistungsstarke SchülerInnen teilweise enorme Probleme mit der Aussprache hatten.

Obwohl ich mit dem Ergebnis eigentlich sehr zufrieden bin, gibt es einige Dinge, die ich aus diesem ersten klassenübergreifenden Projekt gelernt habe und die sicherlich beim nächsten Mal berücksichtigt werden müssen.

Erstens sollten die SchülerInnen über grundlegende Kenntnisse in Punkto Sprachaufnahme verfügen bzw. man sollte ihnen in mindestens zwei Unterrichtsstunden die Gelegenheit geben, unter Anleitung erste Gehversuche zu machen, um z.B. die optimale Position des Mikros herauszufinden, die notwendige Sprachlautstärke und auch den Umgang mit einem Tool wie Audacity – nicht zuletzt zu Diagnosezwecken hinsichtlich der Sprachqualität indem man die Audiodarstellung kurz thematisiert.

Zweitens muss eindeutig mehr Zeit für die Aussprache eingeplant werden. Wenn es in der Klasse viele SchülerInnen gibt, die über eine gute Aussprache verfügen, so kann man die Aussprache eventuell in Partnerarbeit üben lassen, haben viele SchülerInnen Probleme mit der Aussprache, sollte darüber nachgedacht werden, nochmals grundlegende Ausspracheregeln zu wiederholen und dann in variierenden Gruppen-, Partner- und Plenumsphasen die Aussprache so lange zu üben, bis sie nahezu perfekt ist. Dies sehe ich als keine Zeitverschwendung an, da die SchülerInnen durch die Beschäftigung mit einem kurzen Text Kenntnisse erwerben, die sie auf andere Texte übertragen können. Besonders bei Klassen, in denen es nicht ausreicht, z.B. den Google-Übersetzer vorsprechen zu lassen, weil die SchülerInnen das Gehörte nicht 1:1 imitieren können (owbohl sie keinerlei Unterschied zwischen ihrem Text und dem vorgelesenen Text wahrnehmen), könnte ich mir auch gut vorstellen, dass eine erste Aufnahme erstellt und abgegeben wird, die dann von mir mit gesprochenen Korrekturen zurückgeschickt wird. Dies würde zwar einen immensen Arbeitsaufwand für den Lehrer bedeuten, jedoch wird dann an andere Stelle wieder Zeit eingespart, da z.B. kein Transkript erstellt werden muss, wie wir dies zur Sicherung des Verständnisses einzelner Teile getan haben.

Drittens würde ich bei einem weiteren Projekt die Podcasts in einen größeren Themenkomplex zur Geschichte (mit Texten usw.) einbinden und auch von Anfang an klar machen, was mit dem Endprodukt geschehen soll. Ich plane momentan, die fertige Podcastserie mit meinen SchülerInnen im Unterricht anzuhören und eine kurze Feedbackrunde anzuschließen um Probleme, die ich nicht bedacht habe, beim nächsten Mal auszuschließen. Wenn die Podcastserie jedoch Teil einer thematischen Einheit wäre, so könnte die Motivation der SchülerInnen eventuell steigen, wenn in Aussicht gestellt wird, dass die neu erworbenen inhaltlichen Kenntnisse klassenarbeitsrelevant sind und sowohl der Produktionsprozess (z.B. durch Führen eines Produktionstagebuchs) als auch der Podcast selbst in die Klassenarbeitsnote mit einfließen.

Viertens wäre es aus all diesen und weiteren Gründen sicherlich gut, das Projekt in einen Zeitraum zu legen, wo alle Beteiligten und besonders der betreuende Lehrer genügend Zeit hat, um sich auf die Korrekturphasen zu konzentrieren und den Arbeitsablauf kleinschrittiger und für die SchülerInnen nachvollziehbarer (mit konkretem Zeitplan über mehrere Wochen hinweg) zu gestalten. So kämen inhaltlich und sprachlich sicherlich noch hochwertigere Podcasts heraus. Unter anderem habe ich diesmal aus Zeitmangel zu wenig darauf geachtet, dass das Fazit zu jedem Beitrag vorhanden war und die Bedeutung des Ereignisses oder der Person für die französische Geschichte bis heute klar daraus hervorgeht. Ebenso wäre es im Rückblick sicherlich gut, den SchülerInnen eine klarere Struktur und strukturierende Elemente vorzugeben, sodass die Beiträge einheitlicher klingen. Schließlich wäre es auch eine gute Idee, computertechnisch besonders versierte SchülerInnen das Projekt selber schneiden und gestalten zu lassen, anstatt dies selbst zu tun.

Der Arbeitsauftrag: Projet Balladodiffusion 910

Die Podcastserie 


Das Transkript: Histoire9a10a10b

Im Anschluss an die Aufzeichnung der Podcasts nahmen wir den zweiten Teil des Projekts in Angriff. Die SchülerInnen erhielten die Aufgabe, ihre jeweiligen Themen auf ca. 130 Zeichen zu reduzieren, um sie im Anschluss mit dem Hashtag #histfra und dem Hashtag ihrer Klasse über Twitter zu veröffentlichen. Sie konnte dies entweder in beschreibender Form tun oder auch eine für ihr Thema bedeutende Person in wörtlicher Rede “sprechen” lassen. Dies erlaubte es ihnen, ihr Thema nochmals kurz zusammenzufassen und sie mussten sich dabei sehr kurz und dennoch in korrektem Französisch ausdrücken. Die Tweets wurden von mir kontrolliert und eingesammelt. Um die Chronologie einhalten zu können, erfolgte dieser Schritt nicht zu Hause, sondern ich  nutzte den Computerraum bzw. ein Klassenzimmer mit einem Computer. Wir begannen beim aktuellsten Thema und gingen in der Zeit rückwärts, da ich die Tweets mit Hilfe von Tweetdoc sammeln wollte und dort die Tweets automatisch von neu bis alt angeordnet sind.

Auch bei diesem Teil des Projekts verlief nicht alles reibungslos. Ich hatte zwar daran gedacht, die Tweets für den Fall, dass ein Schüler in der darauffolgenden Stunde erkrankt sein sollte, einzusammeln, jedoch hatte ich nicht mit der Verlegung einer Stunde gerechnet, die die geplante Chronologie komplett durcheinander brachte. Hinzu kam noch die Tatsache, dass in einer Stunde nicht alle SchülerInnen dazu kamen, ihren Tweet zu schreiben, da sie nur langsam tippten wenn ich daneben stand und ich vor dem Abschicken des Tweets darauf bestand, die Rechtschreibung zu überprüfen. So zog sich der Twitter-Teil des Projekts anstatt über einen Tag über eine ganze Woche hin. Überdies hatten einige SchülerInnen ihre Twitter-Zugansgdaten nicht mitgebracht oder verloren, sodass sie über einen fremden, meist meinen Account twittern mussten. Schließlich stellte ich beim anschließenden Abruf des Tweetsdocs fest, dass einige Tweets verloren gegangen waren, da Tweetdoc die Twitter-Hashtagsuche benutzt und diese bei schnell aufeinanderfolgenden Tweets mit demselben Hashtag leider recht unzuverlässig ist.

Die TweetsHistoire-de-France

Ankündigung: Online-Fortbildung mit dem Moodle-Experten Uwe Klemm (Jena) am 31.05.

Uwe Klemm, Englischlehrer und Fortbildner aus Jena wird für das Landesinstitut für Pädagogik und Medien in Saarbrücken einen Online-Fachvortrag über dessen Adobe Connect Pro-Server halten.

Veranstaltungsnummer: L1.724-5812
Termin: 31.05.2012, 19.00-20.30 Uhr
Thema: Einsatzmöglichkeiten von Moodle im Fremdsprachenunterricht
- Nutzen der Möglichkeiten von Moodle zur Schulung von Sprachrezeption, -produktion und Kommunikation
- Geeignete Szenarien für soziales (Sprachen-)Lernen
- Unterstützung mündlicher Kommunikation
- Ergänzung von Moodle durch sprachorientierte Web 2.0 – Dienste
- Neue Wege mit Moodle 2.0 beschreiten
Anmeldung: http://fortbildung-online.lernnetz.de/?p=1340#more-1340
Zugangslink: http://breeze.lpm.uni-sb.de/moodleimfsu
Handreichungen zur Teilnahme und Hilfe beim Soundcheck: http://bit.ly/IkXk4I

Projekt Medienerziehung: Facebook – Das beste Kommunikationsmittel!?

Da ich das Thema Medienerziehung auch im Fremdsprachenunterricht für sehr wichtig halte – nicht zuletzt weil die Medienvielfalt des Internets unsere beste Quelle an authentischen Texten ist und da mittlerweile fast jeder Schüler täglich auf Facebook surft. Obwohl die meisten Französisch- und Englischbücher versuchen, mit der rasend schnellen Entwicklung der neuen Medien Schritt zu halten, so sind sie schon nach wenigen Monaten überholt. Soziale Netzwerke u.ä. kommen in den Büchern daher meist gar nicht vor, Blogs werden teilweise zwar angesprochen, jedoch nur als Textart. Kritisch hinterfragt wird die Nutzung der von unseren SchülerInnen genutzten Medien zudem sehr selten, abgesehen von allgemeinen Fragen zum eigenen Nutzungsverhalten. Eine Diskussion zur Veränderung der Kommunikation in der heutigen Gesellschaft und die kritische Beleuchtung dieser Frage fehlt völlig.

Aus diesen Gründen habe ich in meinen beiden 10. Klassen in Französisch nach der Besprechung der eigenen Nutzung des Internets im Unterrichtsgespräch eine Gruppenarbeitsphase angeschlossen, in der meine SchülerInnen erarbeiten sollten, ob Facebook – das hier stellvertretend für soziale Netzwerke steht – nun wirklich im Vergleich zu anderen Kommunikationsmitteln die beste Art der Kommunikation ist. Die Ergebnisse wurden mangels der Möglichkeit, den Computerraum zu bekommen auf “altmodischen” Papierplakaten festgehalten und im Anschluss fotografiert, um sie auf den Klassenblog zu stellen. In den nächsten Stunden werden die SchülerInnen ihre Produkte dann in einer gut vorbereiteten Präsentation vorstellen.

Hier sind die Ergebnisse, die meine Erwartungen – besonders auch in Bezug auf die Gestaltung – stark übertroffen haben:

Anmerkung: einige SchülerInnen haben sogar kurzzeitig die Sprache der Benutzeroberfläche ihres Facebookkontos auf Französisch umgestellt, um die Seite richtig zu gestalten. Auch davon sollten sie sprachlich ein wenig profitiert haben, Stichwort “Internetvokabular”.

Bei der vorangehenden Diskussion zur Nutzung von Facebook und dem Internet allgemein gab es übrigens erstaunlicherweise zwischen meinen beiden Klassen starke Diskrepanzen. Während in der einen Klasse eine heute als normal anzusehende Nutzung von Facebook & Co festgestellt werden konnte, überraschte es mich in der anderen Klasse sehr, dass die SchülerInnen ihnen offenbar weitaus weniger als ich selbst “verfallen” zu sein scheinen.

Online-Fortbildung LPM Saarbrücken: Web 2.0-Projekte im Englischunterricht: Schülerinszenierungen auf der digitalen Bühne (Prof. Dr. Torben Schmidt)

Heute bot Prof. Dr. Torben Schmidt, Professor für Didaktik des Englischen am Institute of English Studies an der Leuphana Universität Lüneburg und Experte für den Einsatz des Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht, unterstützt von Jürgen Wagner vom LPM Saarbrücken eine äußerst interessante Fortbildung zum Thema „Schülerinszenierungen auf der digitalen Bühne“ an. Er legte den 18 TeilnehmerInnen anhand von konkreten Beispielen äußerst eindrucksvoll dar, welche Einsatzmöglichkeiten denkbar (und realisierbar) sind und fasste kompetent den didaktischen Hintergrund zusammen, der solchen Projekten zugrunde liegen sollte.

Kurz nach der Jahrtausendwende  begann der rasante Aufschwung des von nun an partizipatorischen Web 2.0. Im Jahre 2006 titelte der Spiegel „Du bist das Netz“ und das Time Magazine ernannte alle Internetuser zur Person des Jahres, bevor 2010 dann Facebookgründer Mark Zuckerberg den gleichen Titel erhielt. Youtube, WordPress, Twitter und Facebook sind für eine Vielzahl an Menschen nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Zahlen vom Januar 2012 besagen, dass es über 845 Mio. Facebooknutzer gibt und diese Zahl pro Monat um ca. 50 Mio., vornehmlich aus Europa und Asien, anwächst. Auf Youtube werden pro Minute ca. 60 (!!!) Stunden Videomaterial hochgeladen. Schließlich nutzen auch viele Internetuser die zum Fernsehen komplementär angebotenen Inhalte von verschiedensten Sendern (z.B. CNN) und dies zunehmend auch ortsunabhängig auf mobilen Endgeräten. Laut der JIM-Studie 2011  verbringen Teenager (12-19 Jahre) durchschnittlich 134 Minuten pro Tag vor dem Computerbildschirm (gegenüber ca. 115 Minuten TV) und nutzen besonders häufig Communities, Videoportale und Musikangebote. Mit anderen Worten: sie nutzen die Möglichkeit, ihren individuellen Vorlieben nachzugehen, diese zu teilen und mit anderen zu kommunizieren.

Dies alles sollte Beweis genug sein, dass die Bedeutung des Web 2.0 in der heutigen Zeit nicht mehr zu leugnen ist. Da wir jedoch nicht nur in der Gegenwart leben, sondern auch an die Zukunft denken müssen, stellt sich uns als LehrerInnen die Frage, wie wir unsere SchülerInnen zum verantwortungsbewussten und nutzbringenden Umgang mit den neuen Medien erziehen können und sie somit auf die sie erwartenden Anforderungen vorzubereiten, sodass sie das Morgen optimal mitgestalten können.

Youtube ist in vielen Bereichen zum virtuellen Inszenierungsraum geworden: So nutzen Politiker wie Angela Merkel und Barack Obama dieses Medium, um neue Zielgruppen zu erreichen – Obama hat nicht zuletzt so im Wahlkampf viele Wählerstimmen für sich gewinnen können – aber die Bandbreite der aktiven Nutzer reicht von Privatpersonen mit bestimmten Interessen und Talenten bis hin zu Stars, die so den Kontakt zu ihren Fans halten. Videoportale dienen zu Selbstinszenierung ebenso wie zum sozialen Austausch und auch im Hinblick auf die Musikindustrie und die Werbebranche ist ihre Bedeutung nicht zu unterschätzen. Was liegt also näher, als diese Quelle der Authentizität, die Videos in vielen verschiedenen Sprachen zu uns nach Hause und ins Klassenzimmer bringt (zumindest solange die Internetverbindung und die eingerichteten Filter dies erlauben) rezeptiv zur Förderung des Hör- und Sehverstehens, aber auch produktiv zur Förderung der Mündlichkeit einzusetzen?

Auch wenn man heute oftmals davon ausgeht, dass die Jugend nicht mehr liest und dem durch das Internet überall zugänglichen Medienkonsum verfallen ist, sprechen z.B. Fan Fiction-Seiten (z.B. www.harrypotterfanfiction.com) und Videoportale eine ganz andere Sprache. Viele Jugendliche leben ihre Kreativität aus, indem sie – bisher meist in ihrer Freizeit – den partizipatorischen Aspekt des Web 2.0 „(er)leben“ und Fan Fiction schreiben bzw. selbstproduzierte oder mit Originalmaterialien vermischte Audio- und Videoaufnahmen ins Netz stellen.

Seit der kommunikativen Wende in der Fremdsprachendidaktik nehmen Projekte einen immer größeren Stellenwert ein. Projekte haben im Vergleich mit herkömmlichem Unterricht den Vorteil, dass sie den SchülerInnen einen größeren Handlungsspielraum einräumen und so Schlüsselkompetenzen (z.B. Teamfähigkeit, Methoden der Informationsbeschaffung, Präsentier- und Kommunikationskompetenzen) trainieren. Während Prof. Michael Legutke bei seinem „Projekt Airport“ in den frühen 80er-Jahren seine SchülerInnen mit kommunikativen „Ernstfällen“ konfrontierte, indem er sie auf den Flughafen mitnahm

genügt es im Zeitalter des Web 2.0, den Computerraum aufzusuchen und die SchülerInnen in die Weiten des Internets zu „entführen“. Der Mehrwert des Web 2.0 liegt eindeutig im Kontakt zu Muttersprachlern, z.B. im Rahmen einer eTwinning-Klassenpartnerschaft, und in der Integration von aktuellen, authentischen und zugleich schülernahen Materialien in den alltäglichen Unterricht. Werden Projekte realisiert, so können deren Ergebnisse schnell mit Partnerklassen oder auch der gesamten Internetcommunity geteilt werden.

Wichtig ist, dass die SchülerInnen den Mehrwert des Einsatzes des Web 2.0 erkennen, was nur möglich ist, wenn geeignete Themen und Inhalte verwendet und anhand einer adäquaten Aufgabenstellung erarbeitet werden. Nur so können wir uns vom „Lernen“ statischer Fakten entfernen und uns dem Erlernen von Kompetenzen durch Erleben zuwenden. Dies soll nicht heißen, dass man den traditionellen Unterricht ganz vergessen und nur noch projektorientiert arbeiten soll. Vielmehr kommt es darauf an, eine gesunde Mischung von Projektunterricht und anderen Unterrichtsbestandteilen anzuvisieren. Zu diesen „anderen Unterrichtsbestandteile“ gehört u.a. die Vermittlung von Methodenkompetenz, aber auch das Lehren des zur Erarbeitung der Projekte notwendigen Faktenwissens.

Da Projekteunterricht schwer mit dem 45-Minuten-Rhythmus der Schule vereinbar ist, ist es vorteilhaft, die Projekte in dafür vorgesehen Zeitfenstern zu platzieren (z.B.  Projektwochen oder Verfügungstage) oder auch vom regulären Schulunterricht abzukoppeln, z.B. in Form einer Projekt-AG. Ebenso wäre es hinsichtlich des immensen Arbeitsaufwands, der mit Projekten automatisch verbunden ist, vorteilhaft, die Projekte mit gleichgesinnten Kollegen im Team zu planen und durchzuführen.

Die Dramapädagogik hat sich schon seit Längerem in der Fremdsprachendidaktik etabliert, da sie erfordert, dass die im Unterricht erlernte Sprache praktisch angewandt wird. War dies lange Zeit nur im Rahmen von Rollenspielen zwischen Fremdsprachlernern oder im Unterrichtsgespräch mit dem Lehrer möglich, geht die Nutzung des Web 2.0 einen Schritt weiter und eröffnet ganz neue Möglichkeiten, indem es den SchülerInnen erlaubt, mit Muttersprachlern zu kommunizieren und die Fremdsprache zu (er)leben. Diese „Erlebnisse“ können dank der neuen Medien dokumentiert und kostenlos publiziert und so einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht werden. Der interaktive Aspekt einer Veröffentlichung im Web 2.0 liegt darin, dass das Klassenzimmer der Welt geöffnet wird und Internetnutzer weltweit Feedback geben können und so auch die interkulturelle Kommunikation gefördert wird.

Prof. Dr. Torben Schmidt stellte zu Ende der Fortbildung ein sehr anschauliches Beispiel einer solchen projektorientierten Nutzung des Internets vor: Das Schulradio der Tilemannschule Limburg von 2008. Das Projekt entstand über einen längeren Zeitraum hinweg und war auch für die Lehrkraft mit erheblichem Arbeitsaufwand – der sich jedoch absolut gelohnt hat – verbunden. Die Beiträge wurden selbstbestimmt und mit Hilfe eines Redaktionsteam, welches sich an gemeinsam definierten Regeln orientierte, produziert. Nach der Veröffentlichung waren laut Schüleraussagen besonders die Blogstatistiken sehr motivierend, da sie den SchülerInnen zeigten, dass ihre Podcasts ein authentisches Publikum hatten. Die Evaluation des Projektes (und damit auch die Notenfindung) basierte zum einen auf einem individuellen Projektbericht, zum anderen auf einer Bewertung der Gruppenergebnisse. Der Projektbericht enthielt eine Selbsteinschätzung, eine Beschreibung der Arbeitsschritte, eine Bewertung der Kooperation innerhalb der Gruppe und einer kritischen Reflexion. Die Evaluation des Endprodukts beruhte auf einer Prozessbewertung, die komplettiert wurde durch eine Bewertung der Sprache und des Inhalts.

Weitere Unterrichtsideen sind Youtube-Video-Wettbewerbe oder Blogprojekte zu bestimmten Themen mit multimedialen Inhalten.

Zusammenfassend kann man auf jeden Fall sagen, dass Schülerinszenierungen auf der digitalen Bühne bei guter Planung eindeutig eine Bereicherung des Unterrichts darstellen und dass das Web 2.0 einen wahrend Mehrwert in der Förderung der Mündlichkeit hat. Es ist auch denkbar, durch solch ein Projekt einen Austausch zu bereichern (z.B. mit dem Projekt Teletandem).

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die Zeit, die man in Projektarbeit steckt eine lohnenswerte Investition ist, auch wenn man zuweilen mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert wird, wie zum Beispiel einer mangelhaften technischen Ausstattung der Schule, Unverständnis und fehlende Unterstützung vom Arbeitsumfeld oder der Schüler- oder Elternschaft und rechtlichen Fragen bezüglich des Datenschutzes, die nur sehr ungenau für den schulischen Kontext definiert sind. Es gilt stets auf der Hut vor potenziellen Stolpersteinen zu sein, doch wenn man das Endprodukt vor Augen hat, dann treten viele dieser Widrigkeiten bald in den Hintergrund und weichen einer inneren Zufriedenheit, die durch nichts zu übertreffen ist. Für mich wäre es außerordentlich wünschenswert, dass alle im Schulsystem relevanten Akteure – von den Schülern bis hin zu den richtungsweisenden Politikern – die Potenziale des Web 2.0 in der Ausbildung der heutigen Jugend nicht nur auf dem Papier anerkennen, sondern auch aktiv ihre Nutzung fördern.

Ich persönlich habe aus dieser Fortbildung einiges „mitgenommen“: Obwohl meine bisherigen Projekte im Vergleich zu den vorgestellten eher wie spontan erdachte Miniprojekte wirken, so denke ich dennoch, dass ich meinen SchülerInnen damit bereits eine beachtlichen Leistung entlockt habe, zumal sie bisher noch kaum bis keinerlei Erfahrung mit dieser Art von Projekten hatten. Die SchülerInnen waren hierbei zum Großteil bereit, sich zunehmend auf Experimente einzulassen und ein Lernfortschritt ist deutlich sichtbar. Und auch wenn ich auch mit dem System innewohnenden Widrigkeiten zu kämpfen hatte und meine Fähigkeit, verantwortungsbewusst mit dem Internet umzugehen und meine SchülerInnen nicht zu gefährden mehrfach angezweifelt wurde, so würde ich es jederzeit wieder so machen – und gedenke auch nicht aufzugeben. Meine einzige Hoffnung ist, dass sich die Umstände mit der Zeit verändern werden und ich eines Tages auf mehr Unterstützung und eine gewisse grundlegende Anerkennung für mein Engagement stoße, als dies momentan noch der Fall ist. Sollten sich die Gegebenheiten zum Positiven hinwenden, so hätte ich z.B. großes Interesse daran, auch virtuelle Welten wie Second Life und ihre Potenziale zur Förderung der Mündlichkeit (aber auch anderer Schlüsselkompetenzen) mit meinen SchülerInnen zu erkunden und so vielleicht auch einige Datenschutzbedenken aus dem Weg zu räumen. Schließlich würde ich mir wünschen, eines Tages aus dem Zwang (sowohl des Systems als auch von Seiten der Schülerschaft), für jede Leistung eine Note geben zu müssen, entlassen zu werden, um meine SchülerInnen dazu animieren zu können, ihre Kreativität um ihrer selbst willen einzusetzen und auszuleben – doch weiß ich zugleich, dass dies eine Utopie bleiben wird.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass auch dieses Mal im Online-Meetingraum des LPM eine entspannte und konstruktive Atmosphäre herrschte, mit interessanten Gesprächen unter Kollegen und einem fachkompetenten Referenten mit hervorragenden didaktischen und methodischen Fähigkeiten und einem Schatz an praktischen Erfahrungen, der diese Veranstaltung zu einer wahren Bereicherung machte.

Open Course 2012: Mobile Apps (Live-Event v. 25.04.2012)

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Das Thema des ersten Themenblocks vom 23. April bis zum 4. Mai ist „Mobile Apps“. Beim ersten thematischen Live-Event des OPCO 2012 war als Moderator Dr. Marc Göcks anwesend, Referent war Dr. Christoph Igel, Managing Director des Centre for e-Learning Technology, kurz CeLTech. Das CeLTech gehört zur Universität des Saarlandes und befasst sich seit 2007 mit der Forschung und der Entwicklung im Bereich des m-Learning.

Wenn man den von Apple veröffentlichten Zahlen Glauben schenken darf, dann wurden im 1. Quartal 2012 pro Sekunde weltweit 4 iPhones verkauft. Weitere Statistiken sagen aus, dass allein im AppStore bisher über 25 Milliarden Apps gedownloaded wurden. Ähnliche Zahlen gibt es auch für den Google PlayStore und den Nokia Store. Allgemein geht man davon aus, dass jeder Smartphone-Benutzer ca. 50 Apps auf seinem Handy hat und intensiv nutzt. Damit ist es höchste Zeit, die Ära des m-Learning einzuläuten.

Der Horizon Report 2012 sagt zu mobilen Apps:

„Mobile Apps sind derzeit die sich am schnellsten ausbreitende mobile Funktion im Hochschulbereich, mit entsprechenden Auswirkungen auf praktisch jeden Aspekt des informellen Lebens und zunehmend auch auf jede Fachrichtung an der Universität. Stets mit dem Internet verbundene Geräte, die 3G und ähnliche Funknetze nutzen und über eingebaute Sensoren, Kameras und GPS verfügen, haben sich als geeignetes Funktionspaket für hunderttausende von Apps erwiesen. Apps, die sich neuere Entwicklungen dieser Geräte ebenso zunutze machen wie Fortschritte im elektronischen Publizieren und die Konvergenz von Suchtechnologie und Positionsbestimmung, haben diese Art von Software für den akademischen Bereich äußerst interessant gemacht. Hochschulen entwickeln inzwischen in allen Fachrichtungen Apps, die speziell auf die Bedarfe von Forschung und Lehre zugeschnitten sind.“

(Horizon Report auf Deutsch, S. 7)

Somit ist es nicht erstaunlich, dass sich Einrichtungen wie das CeLTech schon seit längerem mit dem mobilen Apps innewohnenden Potenzial beschäftigen.

Zu Beginn seines Vortrags, sprach Dr. Igel kurz über die Definition von m-Learning und dem damit verbundenen Entwicklungsprozess. Lernen soll mit Mobilität verbunden werden, wobei das Wort „Mobilität“ zwei unterschiedliche Dimensionen hat: zum einen geht es in technologischer Hinsicht darum, dass das Lernen auf einem mobilen Endgerät stattfindet, zum anderen jedoch ist auch die gesamte Lernsituation bzw. Lernumgebung mobil. Die Entwicklung des m-Learnings beruht unter anderem auf einer Veränderung des Lernprozesses an sich, nämlich der Tatsache, dass man in der heutigen Welt Wissen im Kontext des Arbeitsplatzes flexibel anwenden können sollte um an einem Problemlösungsprozess teilzunehmen. Diese Hinwendung zur Anwendung des früher oftmals statischen Wissens („Fachidioten“) bedarf einer anderen Art des Lernens, eines Lernens, das genau diese Kompetenzen schult und mit ihnen – im Sinne der lebenslangen (Fort)Bildung – Hand in Hand geht. Allerdings heißt dies für mich auch, dass nicht vergessen werden darf, dass die heranwachsende Generation schon frühzeitig lernen muss, mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten und mit den ihr dargebotenen Lern“mitteln“ kompetent umzugehen.

Im Hinblick auf die Entwicklung des m-Learning so gilt es, Anwendungen zu entwickeln, die nicht nur qualitativ in jeglicher Hinsicht (pädagogisch-didaktisch, inhaltlich, technisch, etc.) hochwertig und mit jedem Betriebssystem kompatibel sind, sondern die auch einen Mehrwert gegenüber der herkömmlichen Art des Lernens aufzuweisen haben.  Es geht darum, dass jeder überall, auf jede nur erdenkliche Art und Weise und jederzeit diese Anwendungen nutzen kann, während er ständig online und mit anderen vernetzt ist. Allerdings beziehen sich diese Anforderungen nicht lediglich auf einen Lernprozess im klassischen Sinne, sondern das Leben soll auch erleichtert werden. D.h. neben inhaltlichen Gesichtspunkten geht es auch um den Service-Faktor und das Design der Anwendungen. Dabei sollten auch die Punkte Sicherheit und Verfügbarkeit nicht außer Acht gelassen werden.

Eine auf solch einem Servicegedanken basierende Anwendung ist „Learn&Go“ des eCampus Saar. Seit 2007 in der Entwicklung, soll die momentan unter iOs und Android verfügbare App Lerninhalte mobil verfügbar machen, jedoch gleichzeitig auch vernetzen und einen praktischen Mehrwert für die Studierenden haben. Zu diesem Mehrwert gehört u.a. die Möglichkeit, sich auf dem Campus navigieren zu lassen, Termine und Sprechstunden abzurufen (auch durch visuelle Impulse, z.B. durch Anvisieren eines Gebäudes mit der Kamera), den Mensaplan abrufen und bewerten zu können und bei Vorlesungen interaktiv beteiligt zu werden, z.B. durch Abstimmungen, deren Ergebnisse unmittelbar in der Vorlesung Anwendung finden. Angedacht ist seit 2011 auch die Vernetzung verschiedener Unis der Université de la Grande Région um die Mobilität der Studierenden weiter zu fördern. Auch diese Mobilität ist ein Bestandteil der heutigen (und wahrscheinlich noch viel mehr der morgigen) Arbeitswelt und muss durch Erfahrung erlernt werden.

Lernanwendungen für mobile Endgeräte sollen also den klassischen Inhalt integrieren und mit einem Mehrwert versehen. Dies ist zum Beispiel bei „medical edu online“ der Fall, welches nicht mehr browserbasiert ist, sondern rasend schnell mit speziell dafür entwickelten Apps den sich noch schneller vergößernden Endgerätemarkt erobert. Mehrwert bedeutet in diesem speziellen Fall, dass die bisher im Browser abrufbaren Inhalten mit Anderen geteilt werden können und es Links zu weiterführenden Quellen im Internet gibt. So lernt man, sich in der vernetzten Welt zurechtzufinden und diese optimal zu nutzen. Ebenso wird heutzutage die Arbeit der Assessment-Center zunehmend von Anwendungen übernommen, die gemäß den angegebenen Informationen zu Interessen, Ausbildung und Persönlichkeit interessante Studiengänge und Jobmöglichkeiten empfehlen.

Besonders interessant fand ich den Hinweis Dr. Igels auf MoLE, das Mobile Learning Environment Project, bei welchem u.a. das amerikanische Militär mitarbeitet. Die Idee ist, dass mobile Applikationen in Krisengebieten eingesetzt werden können um Sprachbarrieren zu überwinden, herauszufinden, wo sich bestimmte Personen aufhalten und Informationen über Hilfsmöglichkeiten anzubieten.

Den Abschluss des Vortrags bildete ein ebenso interessantes Beispiel des intelligenten Klassenzimmers: Bei diesem in Shanghai ansässigen Projekt von CeLTech handelt es sich um eine Learning Cloud, die unabhängig vom spezifischen Endgerät genutzt werden kann und die es bis zu einer Million Studenten erlaubt, per IP-TV (Livestream in HD-Qualität, der durch ein besonderes Komprimierungsverfahren problemlos auf mobilen Endgeräten ankommt) an den Vorlesungen teilzunehmen, egal wo sie sich befinden. Hinzu kommt die Möglichkeit, mit den anderen Teilnehmern zu diskutieren, Fragen zu stellen (die von einer geringen Anzahl an Tutoren mit Hilfe von Computern beantwortet werden, indem mögliche Antworten aggregiert und an die Fragesteller zurückgesendet werden). Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung: Bildung soll für alle zugänglich sein.

Für die Zukunft sind viele Dinge denkbar, so zum Beispiel die barrierefreie Schule (und Lehrerfortbildung), in der der Umgang mit den neuen Technologien geübt wird und wo individualisierter und binnendifferenzierter Unterricht stattfinden kann. Einzig und allein eine Einschränkung scheint sich laut Dr. Igel abzuzeichnen, nämlich dass es hier vornehmlich um die Visibilität von Informationen geht, während sensible Daten (z.B. Noten, der Standort einer bestimmten Person, usw.) eher ausgeschlossen bleiben sollen – obwohl es im privaten Bereich schon Gang und Gäbe ist, in bestimmten Situationen eine gewisse Einschränkung der Privatsphäre in Kauf zu nehmen und Sicherheitsbedenken hintan zu stellen. Die Schule hingegen geht jedoch nach wie vor davon aus, dass der Schüler schutzbedürftig ist und Schule damit ein geschützter Raum sein muss. Dass dies an den Anforderungen der heutigen Welt vorbeigeht, ist noch nicht bei den Verantwortlichen angekommen. Ich bin der Meinung, dass es weitaus besser wäre, die SchülerInnen schon früh mit dem verantwortungsbewussten Umgang mit diesen neuen Medien vertraut zu machen und ihnen zu zeigen, wie sie sich schützen können, anstatt sie 12 Jahre lang in einen Schutzraum einzusperren und sie dann mit dem Abiturszeugnis bewaffnet in die gefährliche Welt von Morgen ausziehen zu lassen, deren Anforderungen sie dann maximal mäßig gewachsen sind. Dies soll nicht heißen, dass keine Gefahren auf sie lauern werden, jedoch denke ich, dass es besser ist, die potenziellen Gefahren zu kennen anstatt ihnen blind und unwissend in die Arme zu laufen. Dies alles jedoch in die Praxis umzusetzen ist natürlich eine immense Herausforderung, die wir lieber heute als morgen anpacken sollten – und zwar gemeinsam, anstatt als „Exoten“ an unserer Schule im Dienste der Medienbildung zu stehen, jedoch gegen Windmühlen ankämpfen zu müssen anstatt unsere Energie auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren zu können. Ich zumindest werde gerne versuchen, mich auch weiterhin dieser Herausforderung zu stellen, solange ich sehe, dass ich meine Energie nicht ganz umsonst einsetze – auch wenn hin und wieder dieser Eindruck entsteht.

Zwischen den ambitionierten Plänen einiger visionärer Entwickler und Spezialisten und deren Umsetzung stehen jedoch noch eine ganze Menge an Hürden, die überwunden werden müssen, um die Vision Wirklichkeit werden zu lassen: Zum einen müssen juristische Grauzonen klar definiert werden, die Infrastruktur muss ausgebildet werden, Medienkompetenz und die Bereitschaft, diese zu erwerben und an SchülerInnen weiterzugeben muss vorhanden sein. Viele dieser Voraussetzungen sind heute (noch) nicht gegeben, was u.a. auch an den fehlenden finanziellen Mitteln liegt. Wenn man bedenkt, dass die Kosten für die Learn&Go – App für iOs allein eine Viertelmillion Euro verschlang und das Projekt Digitaler Schulranzen“ in etwas das Doppelte kosten soll, so bleibt zu hoffen, dass auch die Politik die Bedeutung der neuen Medien für die Zukunft erkennen und darin investieren wird.

Beim Verfolgen des Chats während der Diskussion nach Dr. Igels Vortrag bekam ich einmal mehr den Eindruck in einem Raum mit fast 200 Menschen zu sein, die sich untereinander unterhalten, von deren Konversation man jedoch nur Gesprächsfetzen mitbekommt. Dieses metaphorische Stimmengewirr fand ich persönlich sehr unangenehm, zumal ich mich an Äußerungen erinnern kann wie „Lernen soll Arbeit sein“ (im Sinne von: „und keinen Spaß machen“) und ich mehrfach las, dass sich diverse Menschen und Institutionen („die Lehrer“, die Schule, die Schüler usw.) ändern müssen. Auch ich habe einmal so etwas angemerkt, jedoch erhoffte ich mir dabei von irgendjemandem einen konstruktiven Kommentar als Antwort. Es blieb jedoch eher beim Lamentieren anstatt dass über einen konstruktiven Vorschlag, wie wir das Problem beim Schopf packen könnten, nachgedacht wurde. Ein Problem festzustellen ist nicht schwer, seine Lösung hingegen sehr. Auch wenn es sehr idealistisch klingt, so bin ich davon überzeugt, dass wenn genügend Betroffene sich zusammentun und networking betreiben würden, wie dies bereits in manchen Randbereichen erfolgreich praktiziert wird, so könnten wir vielleicht an jeder Schule mit der Zeit einige Verbündete gewinnen, die einen Umschwung herbeiführen könnten, indem sie ihre Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem zur Schau stellen und bereit sind, umzudenken, um so den notwendigen Paradigmenwechsel einzuläuten.

Der Tenor dieser Veranstaltung war für mich leicht ernüchternd: Es gibt viele Ideen und Menschen, die diese Ideen umsetzen wollen und in jahrelanger Kleinarbeit könnten, jedoch gibt es ebenso viele, wenn nicht noch mehr Hürden, die es zu überwinden gibt. Im Bezug auf die Schule ist für mich klar, dass man sich vielleicht zuerst einmal innerhalb der potentiellen Möglichkeiten kleine aber klar definierte Ziele stecken sollte, auf die man gemeinsam hinarbeitet, um so Schritt für Schritt eine optimale Lernumgebung mit m-Learning und anderen modernen Arten des Lernens zu bauen. Dass diese Herausforderung innerhalb der nächsten 10 Jahre vollkommen gemeistert sein wird, davon gehe ich trotz rasanter Entwicklungen nicht aus, u.a. deshalb, weil zwar Bildungspläne und Theorien existieren, es uns jedoch aufgrund vieler hinderlicher „Kleinigkeiten“ (Geld, Infrastruktur, Motivation, Einstellung und Bereitschaft der Schüler, Eltern, Kollegen, Schulleitung, Schulgehörde, des Rechtswesens, der Bildungspolitik, usw.) schwer gemacht wird, uns auf die konkrete Umsetzung zu konzentrieren. Ich würde mich freuen, einige der ambitionierten Projekte in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich in der Praxis austesten zu können, bleibe beim momentanen Stand jedoch skeptisch, ob dies eine realistische Hoffnung ist.

Wie Herr Dr. Igel am Schluss gekonnt zusammenfasste: Neben der Qualität von m-Learning-Apps ist es auch wichtig, dass sie einen Mehrwert zum konventionellen Lernen in Form einer Orientierungshilfe darstellen. Mit anderen Worten: Die Frage, ob sich die Investition im Hinblick auf das Ergebnis lohnt muss mit einem eindeutigen und lauten „Ja“ beantwortet werden. Natürlich darf hier auch nicht übersehen werden, dass sich die Technologie rasend schnell weiter entwickelt und es nicht einfach sein wird, mit diesen Veränderungen Schritt zu halten und so zu vermeiden, dass die neuen Entwicklungen bei Markteinführung bereits schon wieder überholt sind.

Meiner Meinung nach würde sich diese Investition sicherlich lohnen, wenn man gute Ausgangsbedingungen hätte und Experten für die Entwicklung gewinnen könnte. Allerdings ist es in diesem Falle auch nötig, dass alle Beteiligten den neuen Medien etwas aufgeschlossener gegenüber stehen und so ein Umdenken überhaupt erst möglich wird.

Open Course 2012: Einführungsveranstaltung (Live-Event v. 18. April 2012)

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Beim ersten Live-Event des OPCO 2012 ging es um eine allgemeine Einführung ins Thema und eine Vorstellung des Horizon Reports allgemein. Geleitet wurde diese erste Veranstaltung von Dr. Joachim Wedekind (eTeaching), Dr. Marc Göcks (MMKH) und Lutz Goertz (MMB-Institut).

Beim Open Course 2012 soll es hauptsächlich darum gehen, die Nutzbarkeit des Internets für den Lernprozess auf Basis der jährlich erscheinenden Trendstudie namens „Horizon Report“  zu analysieren.

Der Horizon Report ist eine international anerkannte Studie, die sich seit 2002 mit den neuen Technologien im Bildungsbereich befasst. Bis 2009 nur auf Englisch erschienen, gibt es seit drei Jahren dank der Übersetzung durch das MMKH auch eine deutsche Version, die kurz nach dem Erscheinen der englischen Ausgabe verfügbar ist.

Der Horizon Report gibt eine unverbindliche Prognose darüber ab, welche sechs Technologien in den nächsten 5 Jahren vermutlich im Bildungsbereich eine Rolle spielen. Da methodisch immer gleich vorgegangen wird, können nicht nur Schlüsseltrends herausgearbeitet werden und die damit verbundenen Herausforderungen analysiert werden, sondern die Horizon Reports aus verschiedenen Jahren sind auch vergleichbar, womit Metaentwicklungen und länger anhaltende Trends nachgezeichnet werden können.

Bei der Erarbeitung des Horizon Reports (nähere Infos) werden verschiedene Stufen durchlaufen. Für die ersten Recherchen werden Experten aus Wirtschaft, Industrie und Bildung herangezogen. Diese e-Learning-Experten werden angeschrieben und gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Inhaltlich geht es darum herauszufinden, welche e-Learning-Funktionalitäten wohl in nächster Zukunft wichtig sein werden.  Nach und nach werden die so gesammelten Informationen dann reduziert, bis schließlich noch 6 Trends übrig bleiben, die näher beleuchtet werden. Jedes Jahr besteht das Gremium zu einem Drittel aus neuen Mitgliedern, sozusagen um „frisches Blut“ dabei zu haben.

Obwohl die Erkenntnisse des Horizon Reports natürlich auf Europa übertragbar sind, so kann man davon ausgehen, dass die dort genannten Trends zeitversetzt bei uns ankommen werden, da sich vornehmlich US-amerikanische Entwicklungen darin abzeichnen.

Auf Interesse stößt der Horizon Report in Deutschland offenbar sehr: 2012 wurden allein in den ersten zwei Wochen nach seiner Veröffentlichung in deutscher Sprache mehr als 8000 Downloads verzeichnet. Somit scheinen nicht wenige Menschen seinen Prognosen aufgeschlossen gegenüber zu stehen.

Allgemein kann ich sagen, dass so große Live-Events mit knapp 200 Teilnehmern an mich als nicht ungeübte Onlinefortbildungs-Teilnehmerin ganz andere Anforderungen stellen. Natürlich ist die Atmosphäre weitaus weniger persönlich, als dies bei maximal 40 Teilnehmern ist, die sich teilweise auch schon kennen. Außerdem habe ich für mich aus dieser Einführungsveranstaltung die Lehre gezogen, dass ich bei den folgenden Live-Events des OPCO 2012 meine Aufmerksamkeit nicht dem Chat und gleichzeitig dem Inhalt des Vortrags schenken kann, sondern mich auf eine aufmerksame Verfolgung des dargebotenen Inhalts beschränken werden muss, um das Gehörte auch im Anschluss reflektieren zu können. Obwohl zwar die Chats nicht unwichtig sind, so sind sie bei so vielen Teilnehmern einfach zu unübersichtlich und ich werde mich aktiv daran in Zukunft weniger beteiligen, sondern mir lediglich die Chatprotokolle zu Gemüte führen oder die Aufzeichnung mit Blick auf den Chat nochmals anschauen, um eventuell interessante Threads mit zu verfolgen.

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